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Blaukraut bleibt Blaukraut
02.10.2015

Blaukraut bleibt Blaukraut

Über weinende Männer und die Schlumpfparade.

FRAGLICH. Bequemlichkeit beeinträchtigt die Qualität von Entscheidungen. Sowohl wenns ums Wählen geht als auch ums Konsumieren – die Einstellung „Was kann ich allein schon ändern ...” hat sich ein großer Teil der Bevölkerung einverleibt. Wähler und Konsumenten haben sehr wohl Macht, doch von ihr Gebrauch zu machen, ist weniger verlockend als anstrengend. Die Spießer sind den Kämpfern heute zahlenmäßig überlegen. Und so weinten in Oberösterreich viele Assimilanten aus Angst in die TV-Kameras und artikulierten aus aktuellem Anlass ihre Furcht vor dem großen, bösen Flüchtling und sowieso dem ganzen Fremden, das sie nicht kennen und nicht verstehen und überhaupt und – eh. Um ihren Sorgen Ausdruck zu verleihen, schimpften sie im Netz, liefen in den Kneipen blau an und verhalfen schlussendlich der FPÖ zu Platz zwei. Und tatsächlich: Seine Stimme nach dem Telekom-Skandal, dem Buwog-Skandal, dem Eurofighter-Skandal, dem Hypo-Skandal etc. der FPÖ zu geben, zeigt ausschließlich von Angst. Denn diese Handlung als wohlüberlegt zu bezeichnen, wäre eine Unterstellung. Nicht die Flüchtlinge haben die Wahl entschieden, sondern die Oberösterreicher. Und in Wien könnte bald das nächste blaue Wunder bevorstehen. Kurz vor der Wahl findet FPÖ-Chef und Gelegenheitsrapper H.C. Strache auch noch Zeit, um mit dem umstrittenen Publizisten Thilo Sarrazin über „Die neue Völkerwanderung” zu diskutieren. Für die noch rot-grüne Hauptstadt und „Lohas”-Metropole ergänzte Strache sein Kernthema sogar um weitere Wahlthemen und tritt nun außerdem „vehement gegen TTIP, CETA, genmanipulierte Lebensmittel und die Einführung der niedrigen US-Umweltstandards” ein. Die Frage, ob ihn die Nachricht, dass TTIP gerade auf Eis gelegt ist überhaupt erreicht hat, bleibt offen.

Am Tellerrand••• Von Daniela Prugger

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