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Conrad schließt fast alle Filialen in Deutschland © Conrad Electronic / CC BY-SA 4.0
© Conrad Electronic / CC BY-SA 4.0

Redaktion 15.04.2022

Conrad schließt fast alle Filialen in Deutschland

Megastores in Österreich sind vorerst nicht betroffen, doch die Zeichen stehen klar auf „B2B first”.

••• Von Paul Hafner

BERLIN. Die Bekanntgabe kam nicht völlig überraschend, doch geht mit ihr eine fast 100jährige Geschichte zu Ende: Conrad Electronic, im Jahr 1923 in Berlin gegründet, zieht sich fast vollständig aus dem stationären Endkundengeschäft zurück – zumindest in Deutschland, wo „im bisherigen Format” lediglich die Filiale in Wernberg-Köblitz (wo auch ein Logistikzentrum des Unternehmens angesiedelt ist) weiter betrieben werde.

Schon im Laufe der vergangenen fünf Jahre hatte sich die Zahl der B2C-Standorte des Elektronikfachhändlers in Deutschland von mehr als 20 Geschäften auf rund zehn mehr als halbiert, die übrigen „werden im Laufe des Jahres geschlossen”, wie es in der Aussendung heißt.
„Nachdem die Conrad SE (DE) und die Conrad Electronic GmbH & Co KG (AT) rechtlich voneinander getrennte Gesellschaften sind, wird über die Megastores in Österreich separat entschieden”, erklärt Benjamin Steckbauer, Specialist Marketing Communication bei Conrad Österreich, auf medianet-Nachfrage. Im Allgemeinen seien „leider auch in Österreich der Trend hin zum Online-Handel und die schwindende Relevanz des stationären Handels zu erkennen”; aktuell werde „intern über Maßnahmen beraten, um den steigenden Herausforderungen zu begegnen”.
Dass die Zeichen auch in Österreich bald auf Schließung stehen könnten, wo man bundesweit sechs Mal vertreten ist (Wien-Stadlau, Wien-Meisl­markt, Vösendorf, Linz, Graz und Salzburg), legt zumindest ein Blick zum Nachbarland Schweiz nahe: Der im Herbst 2020 angekündigte Rückzug aus dem Filialgeschäft wurde im Folgejahr mit dem Auslaufen der Mietverträge der Filialen in Emmenbrücke und Dietlikon Realität, übrig geblieben ist der Onlineshop für Privat- und Business-Kunden.

Strategiewechsel 2017

Der nunmehrige weitgehende Abschied vom stationären B2C-Geschäft in Deutschland – der Onlineshop bleibt wie in der Schweiz in der gewohnten Form bestehen – geht indes nicht mit einem Komplettrückzug einher, im Gegenteil: Hieß es seitens des Unternehmens schon anlässlich der Schließungen in der Schweiz, dass man sich „nun noch stärker auf unser Online-Geschäft und die persönliche Betreuung unserer B2B-Kunden im Innen- und Außendienst konzentrieren” wolle, so gilt Selbiges auch für den deutschen Markt.

Schon Mitte 2017 hatte Conrad Electronic in Deutschland seinen Online-Marktplatz für Geschäftskunden gestartet – ein Schritt, der sich laut dem damaligen Chief Sales Officer und nunmehrigen CEO der Conrad SE, Ralf Bühler, gelohnt hat: „Da sich auch auf der Seite unserer B2B-Kunden eine Veränderung des Beschaffungsverhaltens hin zu Online-Beschaffungskanälen zeigt, haben wir uns frühzeitig darauf eingestellt, um den Ansprüchen unserer B2B-Kunden gerecht zu werden, und haben uns im Rahmen unserer B2B-First-Strategie für den Auf- und Ausbau des Conrad Marketplace für Businesskunden entschieden.”
Am Standort im nordrhein-westfälischen Hürth hat Conrad Deutschland bereits vor knapp zwei Jahren eine erste B2B-Filiale in Betrieb genommen, nun ist man auf der Suche nach weiteren Standorten für Geschäftskunden. Erklärtes Ziel: Zu Europas „führender B2B-Beschaffungsplattform für technischen Betriebsbedarf” zu werden.

Betroffene „zeitig informiert”

Keine Angaben machte Conrad zu der Frage, wie viele Mitarbeiter von den Schließungen betroffen sind; diese seien jedenfalls „frühzeitig informiert” worden und man befinde sich „in Gesprächen, um sozialverträgliche Regelungen zu finden und unserer sozialen Verantwortung gerecht zu werden”, so Bühler. Mitarbeiter aus den Filialen hätten „selbstverständlich die Möglichkeit, sich auf offene Stellen innerhalb der Conrad Gruppe zu bewerben”.

Die Conrad Electronic SE ist inhabergeführt (Werner Conrad ist Vorsitzender des Verwaltungsrats), erwirtschaftete vor dem Pandemieausbruch 946 Mio. € und beschäftigte damals 1.400 Mitarbeiter; der Markteintritt in Österreich erfolgte 1996.

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