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Corona sorgt weiter für Rekorde bei Amazon © APA_AFP_Thomas_Samson
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Redaktion 17.05.2021

Corona sorgt weiter für Rekorde bei Amazon

Im Herbst wechselt Firmengründer Bezos nach 27 Jahren von der Chefetage in den Verwaltungsrat – Amazon-Aktie verteuerte sich seit Börsengang 1997 um mehr als 200.000 Prozent.

WIEN. Der weltgrößte Onlinehändler Amazon wächst, wächst und wächst. Dank der Folgen der Corona-Pandemie hält der Boom bei Internetbestellungen ungebrochen an. Und auch die anderen Geschäfte wie das Bereitstellen von Speicherplatz für Unternehmen oder die Videoangebote des wegen seiner Marktmacht umstrittenen Konzerns legen weiter kräftig zu.

Zum Jahresbeginn zog der Umsatz dank des Internet-Shoppingbooms und florierender Cloud-Dienste um 44% auf knapp 109 Mrd. USD (90,2 Mrd. €) an. Den Gewinn erhöhte Amazon in den ersten drei Monaten um mehr als das Dreifache auf den Rekordwert von 8,1 Mrd. USD. Der Konzern schnitt damit einmal mehr besser ab, als Experten es erwartet hatten.

Im Heimatmarkt Nordamerika, wo die US-Regierung den Konsum in der Coronakrise mit billionenschweren Finanzhilfen für Verbraucher und Unternehmen ankurbelte, steigerte Amazon den Umsatz besonders stark. Doch auch international gab es kräftige Zuwächse. Das lukrative Cloud-Geschäft mit IT-Services und Speicherplatz im Internet brummte ebenfalls weiter.

Amazon gab zudem einen optimistischen Geschäftsausblick ab und stellte für das laufende Vierteljahr - trotz pandemiebedingter Sonderkosten in Höhe von 1,5 Mrd. USD - einen Betriebsgewinn von bis zu acht Mrd. USD in Aussicht. Auch bei den Erlösen schraubte das Unternehmen die Ziele weiter nach oben. Amazon rechnet mit einem Umsatzwachstum zwischen 24 und 30% auf bis zu 116 Mrd. USD.

Dank der starken Zahlen und breiten Aufstellung ist es eine gute Zeit für Gründer Jeff Bezos, um wie Anfang des Jahres angekündigt im Herbst seinen Chefposten abzutreten: Nach rund 27 Jahren endet damit eine Ära bei Amazon, aber mit Andy Jassy dürfte für Kontinuität gesorgt sein.

Immerhin ist er derzeit schon der Chef von Amazon Web Services (AWS), dem wichtigsten Gewinnbringer des Konzerns - zumal Bezos den Konzern ja nicht ganz verlässt, sondern als geschäftsführender Vorsitzender des Verwaltungsrats und wichtiger Aktionär der starke Mann im Hintergrund bleibt.

Der Höhenflug der Amazon-Aktie ist in den vergangenen Monaten ins Stocken geraten. Nach der Bekanntgabe der erneut imposanten Quartalszahlen Ende April sprang der Kurs zwar ganz kurz auf das Rekordhoch von 3.554 USD - doch danach ging es zum Teil auch wegen der allgemeinen Schwäche von US-Techwerten deutlich nach unten.

Aktuell kostet das Papier 3.161 USD und befindet sich damit wieder in der Spanne zwischen rund 3.000 USD und rund 3.400 USD, in der sich der Kurs seit Sommer vergangenen Jahres bewegt. Damit ist das Papier immer noch fast doppelt so teuer wie im März 2020, als der Kurs im Zuge des zwischenzeitlichen Corona-Crashs in wenigen Wochen um ein Viertel bis auf fast 1.600 USD eingebrochen war.

Doch schnell schalteten die Investoren bei Amazon wieder um und stuften das Unternehmen als einen großen wirtschaftlichen Gewinner der Coronakrise ein. Die Aktie kehrte am Kapitalmarkt rasch wieder in die Erfolgsspur zurück. Das Papier hat auf lange Sicht eine bemerkenswerte Entwicklung hingelegt.

Anleger, die sich vor fünf Jahren zum Kauf einer Amazon-Aktie entschieden und diese seither gehalten haben, können sich über ein Kursplus von mehr als 300% freuen. Noch imposanter lesen sich die Zahlen, wenn man auf die Zeit seit dem Börsengang 1997 blickt.

Seitdem verteuerte sich die Amazon-Aktie im Vergleich zu dem um Aktiensplits bereinigten Ausgabepreis von 1,5 USD um etwas mehr als 200.000%. Damit reicht Amazon bei dieser Wertung fast an den Softwarekonzern Microsoft heran. Der Kurs der Microsoft-Aktie legte seit dem Börsengang 1986 im Vergleich zum splitbereinigten Ausgabepreis von etwas mehr als sieben Cent um fast 350.000% zu.

Mit einer Marktkapitalisierung von derzeit knapp 1,6 Billionen USD lässt Amazon seine Einzelhandels-Konkurrenz mit großem Abstand hinter sich. Der chinesische Onlineriese Alibaba bringt es auf 560 Mrd. USD. Verglichen mit den anderen großen US-Techwerten, belegt Amazon Platz drei: Zwar vor der Google-Mutter Alphabet (1,5 Billionen), aber hinter Microsoft (1,8 Billionen) sowie Spitzenreiter Apple (2,1 Billionen).

Der Kursanstieg der Amazon-Aktie hat Gründer und Noch-Vorstandschef Bezos zum reichsten Menschen der Welt gemacht und das, obwohl er Teile seiner Amazon-Aktien bei der Scheidung abgeben musste. Die Nachrichtenagentur Bloomberg beziffert sein Vermögen derzeit auf 184 Mrd. USD - seine Ex-Frau MacKenzie Scott kommt demnach auf 56 Mrd. USD; sie liegt damit immerhin noch auf Rang 23 der Liste der weltweiten Milliardäre.

Die Meinung unter den Analysten ist weiter eindeutig: Alle 53 von Bloomberg erfassten Experten befürworten trotz des inzwischen erreichten Kursniveaus und des bevorstehenden Chef-Wechsels den Kauf. Damit ist das Stimmungsbild noch etwas optimistischer geworden. Mitte April 2021 gab es immerhin noch einen Analysten, der das Papier mit "Halten" eingestuft hatte.

Doch seit Anfang Mai empfiehlt auch Scott Mushkin von RS Capital das Amazon-Papier zum Kauf und erhöht das Kursziel auf 4.245 USD. Nach den Zahlen zu den ersten drei Monaten des Jahres korrigierten die meisten Analysten ihre Erwartungen nach oben, sodass das durchschnittliche Kursziel inzwischen auf 4.260 USD gestiegen ist - vor der Bekanntgabe hatte es noch bei rund 4.000 USD gelegen.

Unter den Experten der großen Häuser zählt JPMorgan-Analyst Douglas Anmuth zu den größten Optimisten. Nach den Zahlen hob er sein Kursziel um 200 auf 4.600 USD an. Amazon habe einmal mehr beim Umsatz positiv überrascht. Sowohl das Cloud-Geschäft mit IT-Services und Speicherplatz im Internet als auch das Geschäft mit Online-Werbung hätten angezogen.

Kursziele unter 4.000 USD lassen sich kaum mehr finden - und falls doch, dann nur von kleineren Analysehäusern. Bei den bekannteren Namen zählen Arnaud Joly von der französischen Bank Societe Generale oder Stephen Ju von der Credit Suisse mit einem Ziel von 4.000 USD zu den Vorsichtigsten. So erhöhte Ju nach den Zahlen auch sein Kursziel, aber nur um vergleichsweise geringe 50 USD.

DZ-Bank-Experte Ingo Wermann passte seinen fairen Wert für die Aktie ebenfalls um 50 USD auf 4.200 USD an. "Bei Amazon läuft es rund. Ein hohes Umsatzwachstum geht mit einer Verbesserung der Ertragskraft einher", schrieb er in einer Studie zu den Quartalszahlen. "Zwar dürfte sich die Erlösdynamik im margenschwachen Onlinehandel mit dem Erfolg der Impfkampagnen etwas abmildern, jedoch dürfte dies auf der Gewinnseite durch die hervorragenden Perspektiven der lukrativen Geschäftsfelder Cloud Computing (AWS) und Online-Werbung mehr als ausgeglichen werden." (red)

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