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Der Handel steckt jetzt im Dilemma © APA / AFP / STR

Ein Leid, das zur Gewohnheit zu werden droht: Lieferverzögerungen betreffen bereits 75% der heimischen Händler – ein Ende ist nicht absehbar.

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Ein Leid, das zur Gewohnheit zu werden droht: Lieferverzögerungen betreffen bereits 75% der heimischen Händler – ein Ende ist nicht absehbar.

Redaktion 24.06.2022

Der Handel steckt jetzt im Dilemma

Beschaffungspreise legen weiter zu, und die Umsätze der Händler gehen durch die Kaufkraftreduktion zurück.

WIEN. Der Handel in der Krise? Eine aktuelle Online-Umfrage des Handelsverbandes bei 172 heimischen Handelsbetrieben legt das nahe. Neben Ukraine-krieg und pandemiebedingten Verwerfungen sorgt ein Personalmangel von historischem Ausmaß für viel Sand im Handelsgetriebe: Rund 20.000 offene Stellen können allein im Einzelhandel nicht zeitnah besetzt werden.

Die österreichischen Händler erwarten für das Gesamtjahr 2022 (im Vergleich zu 2019) einen Umsatzverlust von 14% aufgrund des Ukrainekriegs und der Inflation. 75% der heimischen Händler verzeichnen aktuell Lieferverzögerungen bzw. -engpässe. 41% haben derzeit mit Personalmangel zu kämpfen. Bei 15% aller Betriebe ist deshalb nur ein eingeschränkter Betrieb (bis hin zu Filialschließungen) möglich. Darüber hinaus leidet ein Fünftel der Branche unter verstärkter Personalfluktuation.

Dramatischer Status quo

Die Auswirkungen auf die Erlöse sind entsprechend: Der Umsatzrückgang in Q2/2022 gegenüber Q2/2021 beläuft sich auf satte acht Prozent. Auch die Kundenfrequenz hat sich im gleichen Zeitraum um zwölf Prozent reduziert. Als größte Herausforderungen nennen die Händler derzeit die enormen Preis- und Kostensteigerungen (in Beschaffung, Logistik, etc.) sowie Beschaffungsengpässe & Lieferverzögerungen im Einkauf.

„Die Ergebnisse unserer Befragung zeigen deutlich, welche massiven Folgen die Teuerungswelle auf den österreichischen Handel hat, die sich immer mehr verfestigt”, berichtet Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will. „Einerseits legen die Beschaffungspreise immer mehr zu, und andererseits gehen die Umsätze der Händler durch die Kaufkraftreduktion immer deutlicher zurück.”
Demnach gäbe es auch beim Kauf von Lebensmitteln bereits beträchtliche Verschiebungen. Zwei Drittel der Konsumenten achten bewusst darauf, wie viel sie für den täglichen Einkauf ausgeben und greifen vermehrt zu günstigeren Produkten. „Aufgrund der Inflation treten immer mehr Wechselkäufer auf, die statt zu Bio eher zu konventionellen Produkten greifen müssen”, berichtet Will über einen beklagenswerten Trend.
Die Crux für den Handel: Einerseits müssen Waren so teuer wie noch nie beschafft werden, andererseits ist bereits jeder zweite Österreicher gezwungen, sich finanziell einzuschränken. Die Inflation frisst sich von den Geringverdienern bis in den Mittelstand hinauf und verfestigt sich.
Das Anti-Teuerungspaket der Regierung stellt ein wichtiges Signal dar, aber: Klar sei laut Handelsverband auch, dass wir weiterhin auf Platz 3 der EU-Staaten mit den höchsten Lohnnebenkosten bleiben. (red)

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