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Die Post führt Mehrweg im Paketversand ein © Österreichischen Post

Peter ­Umundum, Vorstand Paket & Logistik der Österreichischen Post AG, und Franz Staberhofer, Leiter des Logistikums an der FH Ober­österreich.

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Peter ­Umundum, Vorstand Paket & Logistik der Österreichischen Post AG, und Franz Staberhofer, Leiter des Logistikums an der FH Ober­österreich.

Redaktion 11.03.2022

Die Post führt Mehrweg im Paketversand ein

Eine neue „grüne Verpackung” geht in den Testlauf mit namhaften Händlern, darunter dm drogerie markt.

••• Von Christian Novacek

WIEN. Ein Pilotprojekt für wiederverwendbare und nachhaltige Versandverpackungen für den Online-Handel nimmt Fahrt auf: dm, Intersport, Tchibo, Thalia und die Interspar weinwelt haben sich zusammengetan, um die Welt der wiederverwendbaren Verpackungen in eine neue Dimension zu befördern: Nicht alle, aber ausgewählte Produkte der Kooperationspartner werden ab sofort in wiederverwendbaren Verpackungen verschickt.

Jetzt muss nur noch der Konsumentenzuspruch adäquat sein, dann ist die kleine Revolution in Richtung Nachhaltigkeit perfekt: „Mit wissenschaftlicher Begleitung durch die FH Oberösterreich und fünf wichtigen Kunden nehmen wir uns gemeinsam einem wesentlichen Problem des E-Commerce an, nämlich dem Verpackungsabfall”, führt entsprechend Peter Umundum, Vorstand für Paket & Logistik, Österreichische Post AG, aus.
„Mit dem Projekt der ‚Grünen Verpackung' starten wir daher erstmals in Österreich einen Pilottest mit wiederverwendbaren Mehrwegverpackungen. Die Ergebnisse sollten uns schon im zweiten Halbjahr 2022 vorliegen”, so Umundum.
Elmar Riepl, Bereichsmanager Logistik, Direktkunden- & Filiallogistik bei dm drogerie markt, betrachtet den Ansatz auch als potenziell taktgebenden Schulterschluss mit dem Konsumenten: „dm will seine Kundinnen und Kunden nicht nur sensibilisieren, wie sie als Verbraucher ihren ökologischen Fußabdruck reduzieren können, sondern auch als Wirtschaftsgemeinschaft im ökologischen Sinn zukunftsfähig sein. Dazu achten wir im Sortiment, bei der Wahl von Betriebsmitteln und Ausstattung in unseren Prozessen auf Nachhaltigkeit. Als Serviceleistung für unsere Kunden ist der Onlinehandel ein Teil davon und das Projekt ‚Grüne Verpackung' für uns daher eine großartige Initiative, die wir gerne mitgestalten.”
Bereits im November haben die Österreichische Post, die FH Oberösterreich und besagte Handelsunternehmen die „Grüne Verpackung” vorgestellt – als Pilotprojekt für wiederverwendbare und nachhaltige Versandverpackungen für den Online-handel.
Der Hintergrund dazu mutet spektakulär an: Insgesamt ist die Zahl der transportierten Pakete in Österreich 2021 im Vergleich zum Jahr um 21% auf 347,2 Mio. Stück gestiegen. Davon seien 99,2 Mio. Pakete auf das Geschäft zwischen gewerblichen Kunden (B2B) entfallen, 248 Mio. Pakete waren für Privatkunden bestimmt (B2C und C2C). Der Anstieg bei Paketen wird klar von den Konsumenten getrieben: Am B2B-Markt wurden um rund sieben Prozent mehr Pakete versandt, das Konsumentengeschäft wuchs um nahezu 28%. Die große Triebkraft dazu lautet auf E-Commerce, er wurde anhand der Coronakrise kräftig befeuert.

Retouren der anderen Art

Im Zuge des Pilotprojekts wickeln die teilnehmenden Handelsunternehmen ihre Online-Bestellungen wie gewohnt ab und verschicken ausgewählte Produkte in wiederverwendbaren Verpackungen mit der Post. Die Empfänger entnehmen die Produkte, falten die Verpackungen zusammen – die Anleitungen dazu sind aufgedruckt oder beigelegt – und retournieren sie. Und zwar je nach Größe über Briefkästen, Post-Geschäftsstellen oder SB-Zonen der Post an die jeweiligen Handelsunternehmen. Die Verpackungen von dm, Thalia und Tchibo können auch an den jeweiligen Filialstandorten der Unternehmen zurückgegeben werden. Nach der Rückgabe werden die Verpackungen gereinigt und gehen wieder in den Versand.

„Ein Teil der Bestellungen auf weinwelt.at wird in faltbaren Mehrwegboxen mit gepolsterten Innenfächern verschickt”, berichtet Lukas Wiesmüller, Leiter Nachhaltigkeit bei Spar Österreich, aus der Praxis. „Für den Rückversand werden Beutel mitgeliefert, wo die gefalteten Boxen platzsparend verstaut und über die Post retourniert werden können. Mit dem Test sammeln wir wichtige Erfahrungen für Mehrweg-Logistiklösungen für alle unsere Interspar-Onlineshops.”

Einbindung des Konsumenten

Die Empfänger der Pilotsendungen haben außerdem die Möglichkeit, ihre Meinung zur neuen Mehrwegverpackung sowie ihre ersten Erfahrungen im Umgang mit dem Mehrwegsystem mittels kurzen Online-Fragebogens mit dem Projektteam zu teilen; der Link zur Umfrage sowie ein QR-Code werden hierfür den Sendungen beigelegt.

„Aus Forschungssicht freuen wir uns sehr über das Engagement der Unternehmen für nachhaltige Verpackungslösungen. Mit den im Pilottest gewonnenen Daten können wir eine umfangreiche Lebenszyklusanalyse der Verpackungen durchführen und ihre Lebensdauer und Praktikabilität analysieren. Wir hoffen, damit aussagekräftige Ergebnisse mit einem hohen Mehrwert für den Onlinehandel zu erzielen”, ist Franz Staberhofer, Leiter des Logistikum an der FH Oberösterreich, von der Aussagekraft der Aktion überzeugt.
In der Vorstudie der FH Oberösterreich wurden über 40 nachhaltige Verpackungslösungen detailliert betrachtet und analysiert. Erkenntnis: Der Aufbau eines Mehrwegzyklus bringt die größten Emissionseinsparungen. Dabei reicht die Lebensdauer von der sogenannten Re-Zip Box mit bis zu zehn Zyklen, über Re-Zip Bags (30 Zyklen) bis hin zur Returnity Weinbox, die es dank recycletem PET sogar auf 125 Zyklen bringt.

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