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Die Schaumkrone der Bierkultur © Dodge and Burn/Gregor Turecek (2)
© Dodge and Burn/Gregor Turecek (2)

Redaktion 03.05.2019

Die Schaumkrone der Bierkultur

Conrad Seidls Bier Guide 2019 feiert 20jähriges Jubiläum mit profunden Streifzug durch die heimische Bierszene.

WIEN. Wo gibt’s gutes Bier? Diese Frage stand im Jahr 2000 als erster Satz in Conrad Seidls erstem Bier Guide – er hat sie damals auf 194 Seiten beantwortet. 20 Ausgaben später braucht er für die Antwort 452 Seiten – und stellt dabei nicht nur die wichtigsten Bierinnovationen vor. Inkludiert sind auch Besichtigungs- und Ab-Hof-Verkaufsangebote in der Brauereiszene – die sind nämlich in den zwei Jahrzehnten ebenfalls auf einen vielfachen Umfang gewachsen. Weiters im Bier Guide 2019: der einzig wahre Führer durch rd. 1.200 Bierlokale.

Einmal mehr gibt es auch gesammelte Skurrilitäten, etwa: Unter den als Innovation ausgezeichneten Bieren des Jahres findet sich ein Imperial India Pale Ale, das mit Brettanomyces-Hefen nachvergoren worden ist. „Vor 20 Jahren haben die meisten Gastronomen noch nicht einmal IPA buchstabieren können, geschweige denn, dass sie etwas von Brettanomyces verstanden hätten”, kommentiert Seidl eine Weiterentwicklung der Bierkultur, die sein Guide kompetent begleitet hat: „Heute gibt es Dutzende Lokale, in denen die Gäste nach immer spezielleren Bieren Ausschau halten – und immer wieder mit neuen Angeboten überrascht werden.”

Ein Bier für die Kaiserin

Der Entwicklung der Bierszene ist ein breites Kapitel gewidmet: Es beginnt mit dem wohl ersten Craftbier, das in Wien um das Jahr 1700 gebraut worden ist – Veit Veltischhoffer, Braumeister der Brauerei des Wiener Bürgerspitals, hat für die damalige „Kayserin” ein Weinbier gebraut, „welches nichts anderst ist, alß daß weis gemain bier, worin … auff ieden emer 4 mass gueter wein eingegossen werden”. Der Kaiserin bekam das wohl, jedenfalls überlebte sie ihren Gatten um 15 Jahre und starb 1720 im zurzeit als hoch geltenden Alter von 65 Jahren. Seidl zeichnet die Geschichte des heimischen Bieres von damals, über die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts, die der Welt den Wiener Bierstil geschenkt hat, bis zu den heutigen Craftbieren nach. Er merkt aber auch an: „Es ist nicht zu verkennen, dass Bierimporte einen sehr wichtigen Beitrag dazu geleistet haben, dass es die heutige Vielfalt auf dem heimischen Markt gibt.”

Verlässliche Vielfalt

Die importierte Vielfalt ortet der Bierpapst anhand des Weizenbieres: „Solche Importe waren und sind ein gesunder Anstoß für die Bierkultur und Biervielfalt in unserem Land.” Über all die Fortschritte in Sachen Biervielfalt dürfe man aber nicht vergessen, „dass ein Gast, der einfach ‚ein Bier' bestellt, das Recht hat, ein schön gezapftes klassisches Märzen serviert zu bekommen”. Das nämlich macht die österreichische Bierkultur aus: Sie ist vielfältig und gleichzeitig sehr verlässlich. (red)

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