Die Geschichte von Tchibo Österreich beginnt 1969 mit der Eröffnung einer ersten Tchibo-Filiale in Wien – und geht schon bald darauf als Geschichte von Eduscho weiter: Während Eduscho und Tchibo im stark umkämpften deutschen Kaffeemarkt um Anteile rittern, ist in Österreich kein Platz für zwei, und Eduscho übernimmt schon Anfang der 70er-Jahre sämtliche bis dahin eröffneten Tchibo-Filialen. Die Marke Tchibo taucht unmittelbar nach Ende des Wettbewerbsausschlusses 1985 wieder in Österreich auf – man wird Exklusiv-Vertriebspartner der Rewe, während Eduscho das exklusive Vertriebsrecht mit Spar vereinbart.
Acht Jahre später kommt es zur Wiedergründung der Tchibo Austria, und diesmal muss Eduscho den Platz räumen: 1997 übernimmt Tchibo den langjährigen Rivalen Eduscho – und zwar nicht nur in Österreich, sondern auf Konzernebene. Während die Marke Eduscho in Deutschland schon bald von der Bildfläche verschwindet und nur mehr für eine Kaffeesorte steht, firmiert das Unternehmen in Österreich noch lange als Tchibo/Eduscho. Erst heuer, knapp 20 Jahre nach der Zusammenlegung der Gesellschaften, firmierte die bisherige Eduscho (Austria) GmbH zur Tchibo Austria GmbH um – ein symbolischer Schnitt, der zumindest zeitlich mit einer Profilschärfung des Unternehmens einhergeht.
Von Simmering nach Erdberg
„Relevante Produkte und die Nähe zu den Kundinnen und Kunden sind die Pflicht, Markenerlebnisse die Kür“, gibt Paul Unterluggauer, Geschäftsführer von Tchibo Österreich, als Devise aus. Der gebürtige Klagenfurter übernahm Anfang 2024 die Geschicke des Unternehmens. Unter seiner Ägide erreichte Tchibo im Vorjahr einen Umsatz von 367 Mio. € – ein Plus von fast 15% gegenüber 2023 – und bezog Anfang September ein neues Headquarter in Wien-Erdberg.
Kundennähe, so Unterluggauer weiter, bedeute für Tchibo, „an möglichst vielen Touchpoints präsent zu sein“ und dabei – die Kür – „ein konsistentes Markenerlebnis für unsere Zielgruppe zu schaffen“. Eine Zielgruppe, die man wohlgemerkt verjüngen will: Das äußert sich in Form neuer Formate wie den Tchibo Coffee Raves oder dem Tchibo Coffee Run 10k im Rahmen des Vienna City Marathons, aber auch bei Produktneukreationen wie dem „Iced Ube Latte“, der im Sommer die violette Trendknolle Ube (Yamswurzel) ins Kaffeeglas brachte. Begleitet wurde der Launch von der „Jetzt Farbe bekennen“-Kampagne, in deren Rahmen sämtliche Ube- und Matcha-Getränke um 25% vergünstigt angeboten wurden.
Über vier Mio. Euro pro Jahr
Der konkrete Anspruch Unterluggauers ist es nun, „unser einzigartiges Einkaufserlebnis konsequent in Richtung ganzheitliches Markenerlebnis weiterzuentwickeln“. Im Zuge dieser Modernisierungsoffensive sollen die CoffeeBars eine Schlüsselrolle spielen: Sie sollen Kaffeehausflair mit modernem Markenauftritt verbinden und durch gemütliche Sitzbereiche entspannten Genuss vor Ort schaffen.
2025 wurden rund ein Dutzend Filialen modernisiert, heuer folgen in Summe weitere 14 in Niederösterreich, Wien und Salzburg. Über zwei Drittel des Standortnetzes wurden im Laufe der vergangenen Jahre bereits umgebaut, bis Ende der Dekade soll die Modernisierung sämtlicher Filialen – gegenwärtig rund 120 an der Zahl – und Depots abgeschlossen sein. Dafür investiert man einen Betrag von durchschnittlich über vier Millionen Euro pro Jahr.
Die Weiterentwicklung von Tchibo betreffe indes nicht nur das Geschäftsmodell, sondern auch die Menschen dahinter. „Wir sind ein Arbeitgeber, der für Innovation und Entfaltung steht“, so Unterluggauer. Das Unternehmen setze auf langfristige Entwicklung und individuelle Perspektiven. Wie das aussehen kann, zeige das Beispiel einer Mitarbeiterin aus Villach: Mit 15 Jahren startete sie als Lehrling, wurde nach ihrer Lehrabschlussprüfung stellvertretende Filialleiterin und 2025 Filialleiterin. Heute ist sie zusätzlich Ausbildungsleiterin – und gibt ihr Wissen an andere Filialleiter weiter.
Zukunft des Kaffees
In jedem Fall will Tchibo seinem Erfolgsrezept – „Kaffee, Kaffeegenuss und eine vielfältige Produktwelt“ – treu bleiben: Die Fachhandelsqualität sei dabei Garant für Verlässlichkeit, während laufende Innovationen in allen Bereichen Überraschung und Inspiration bieten sollen. Zentral sei, den Kunden überall abzuholen – beim Lebensmitteleinkauf, bei der entspannten Kaffeepause in der Filiale vor Ort und auch beim Shopping von zuhause am Bildschirm.
Wie lang ist dieses „Fünf vor Zwölf“?
Kommentar ••• Von Dinko Fejzuli ENDLOSSCHLEIFE. An der Debatte zur Klimakrise können wir seit mittlerweile Jahrzehnten sehen, was sich nun auch in der Medienkrise widerspiegelt.