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Redaktion 11.05.2016

Erfindet sich Aldi neu?

Kunden geben mehr Geld fürs Essen aus und werden anspruchsvoller.

NECKARSULM/WIEN. Bis Ostern stiegen die Umsätze der deutschen Supermärkte um 3,8 Prozent, die Diskonter legten um 2,9 Prozent zu "und sind damit heute dick im grünen Bereich, wo vor zwölf Monaten noch ein rotes Minus stand", wie der Markforscher GfK feststellte. Aldi, Lidl und Co. stehen unter Druck - billig allein reicht schon lange nicht mehr. "Die Masse der Kunden wird zunehmend anspruchsvoller und erwartet mehr", sagt Marketingexperten Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU. "Allerdings sind nur die wenigsten bereit, hierfür mehr zu zahlen."

Auch in Österreich ist finden Discounter großen Anklang. Die Supermarktkette Lidl hat in Österreich den Umsatz im Geschäftsjahr 2015/16 deutlich über dem Branchenschnitt gesteigert. Der Nettoumsatz des Diskonters mit hierzulande 4.500 Mitarbeitern und über 200 Filialen legte um 10 Prozent auf 1,1 Mrd. € zu. Aldi Süd ist in Österreich mit Hofer vertreten und setzte inklusive Ungarn, im vergangenen Jahr rund 4 Mrd. € um.

Um der Konkurrenz von Seiten der Supermärkte entgegenzuwirken, bieten viele Discounter bereits Frischfleisch und Fisch sowie backfrisches Brot an. Das Bio-Sortiment wächst, ebenso das für vegetarische und vegane Lebensmittel.

Dass noch mehr geht, zeigt Aldi seit einigen Monaten in Kirchseen bei München. Die Filiale erstrahlt in neuem Design, mit viel Tageslicht, breiten Gängen, aufgeräumten Regalen, viel Holz. Obst und Gemüse werden präsentiert wie an einem Marktstand. Über Display kann der Kunde Rezepte samt den nötigen Zutaten aufrufen. Es gibt eine Snack-Kühltheke, einen Kaffeeautomaten samt Sitzbank sowie Kundentoiletten. Wenn nicht Aldi drauf stünde, könnte es fast auch schon ein Rewe oder Edeka sein, sagt Handelsverbandsmann Ohlmann: "Die Unterschiede zwischen Diskonter und Supermarkt verschwimmen." Aber die Diskonter experimentierten noch. "Ob das flächendeckend kommt, ist offen."

Die Inszenierung des Obst- und Gemüseangebots sei nicht vergleichbar mit der in einem Supermarkt, sagt Adlwarth. Und WHU-Marketingexperte Fassnacht betont, zu viel Annäherung wäre auch schlecht. "Sie dürfen ihre DNA als Diskonter nicht verlieren. Man kann sich auch zu chic machen." Wenn Aldi moderner erscheine und Geld investiere, damit sich die Verbraucher wohlfühlten, sei das grundsätzlich richtig: "Die Kunden erwarten mehr als früher." Eine Kundentoilette sei gut, ein Kaffeeautomat gerade noch vertretbar - aber nur ein Automat, ohne Bedienpersonal. Und dass Waren weiterhin in Kartons im Regal stehen, sei ebenfalls stimmig: "Aldi bleibt ein Diskonter."

Lidl dagegen spreche von der Optimierung des Einkaufserlebnisses und nähere sich schon zu sehr den Supermärkten an: "Damit riskieren sie ihren Markenkern", warnt Fassnacht. Wenn das weitergehe, "entfernen sie sich zu sehr von ihren Wurzeln". Denn: "Die Leute gehen zum Diskonter, weil er in ihren Augen günstig ist." (APA/red)

 

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