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Heute ist der Tag des Schweins: Wie werden Österreichs Schweine gehalten? © 2021 Land schafft Leben
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Redaktion 01.03.2021

Heute ist der Tag des Schweins: Wie werden Österreichs Schweine gehalten?

Der Verein "Land schafft Leben" spricht sich für eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung aus und nutzt den Tag des Schweins am 1. März, um über die Haltungsbedingungen der österreichischen Schweine zu informieren.

WIEN. Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 36,4 kg pro Jahr ist Schwein das mit Abstand beliebteste Fleisch der Österreicherinnen und Österreicher. Woher das Fleisch kommt und unter welchen Bedingungen das Tier gehalten wurde, ist jedoch häufig nicht klar ersichtlich. Der Verein Land schafft Leben spricht sich für eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung aus und nutzt den Tag des Schweins am 1. März 2021, um über die Haltungsbedingungen der österreichischen Schweine zu informieren.

Der zurzeit viel diskutierte „Vollspaltenboden“ ist zum Inbegriff nicht artgerechter Schweinehaltung geworden. Aber stimmt das überhaupt? Was bedeutet diese Haltungsform eigentlich? Und wie werden Schweine in Österreichs Mastbetrieben sonst noch gehalten? Die Debatte um die Schweinehaltung ist mittlerweile so spezifisch geworden, dass es den Konsumentinnen und Konsumenten schwerfällt, Fragen wie diese zu beantworten.
Dabei sind sie es, die durch ihre Kaufentscheidung am Ende des Tages mit beeinflussen, wie die Mastbetriebe ihre Tiere halten, erklärt Hannes Royer vom Verein Land schafft Leben: „Jeder Griff ins Regal ist auch ein Produktionsauftrag. Die Konsumenten können nur dann aktiv entscheiden, welche Art der Tierhaltung sie fördern möchten, wenn sie über die Herkunft und die Haltungsform des Tieres Bescheid wissen. Dafür braucht es eine verpflichtende Herkunftskennzeichung, auch bei verarbeiteten Lebensmitteln, wie bei Grillwürstel oder Schinken.“

Die Entscheidung über Tierwohl liegt auch bei den Konsumenten
Die Haltungsbedingungen in der österreichischen Schweinemast bewegen sich wie in den meisten europäischen Ländern nach wie vor auf dem EU-weiten Mindeststandard. Die Entscheidung für oder gegen Tierwohl liegt jedoch nicht nur bei den Betrieben und dem Gesetzgeber, sondern auch bei den Konsumenten, erklärt Hannes Royer: „Tierwohl kostet – dessen müssen sich die Konsumenten bewusst sein. Schlussendlich entscheiden sie, ob sie sich dieses leisten möchten oder nicht. Wer grundsätzlich das Billigste kauft, wenn es um Fleisch, Wurst oder Schinken geht, kann sich nicht erwarten, höchste Qualität und Tierwohl zu bekommen.“

Auch wenn es bei Schweinefleisch noch keine einheitliche Kennzeichnung der Haltungsbedingungen wie etwa beim Ei gibt, können Tierwohlprogramme und Siegel einzelner Lebensmitteleinzelhandelsketten und Tierschutzorganisationen bereits Aufschluss darüber geben, unter welchen Bedingungen das Schwein gehalten worden ist. Und schaffen damit vorerst eine Orientierungshilfe für einen bewussten Griff ins Regal.

Konventionelle Schweinemast
Konventionelle Schweine werden in Österreich großteils auf Vollspaltenböden ohne Einstreu und ohne Auslauf gehalten. Eine genaue Zahl gibt es nicht, Experten gehen jedoch von einem Anteil von etwa 80% aus. Vollspaltenboden – das bedeutet, dass die gesamte Bodenfläche, auf der das Schwein gehalten wird, von Spalten durchzogen ist. Die Exkremente des Schweins fallen durch diese Spalten direkt in den Güllekanal, wodurch die Bäuerin oder der Bauer nicht mehr täglich ausmisten muss. Befürworter des Vollspaltenbodens argumentieren außerdem, dass diese Form der Haltung hygienischer als jene auf Stroh sei und die Tiere dadurch weniger anfällig für Entzündungen und Krankheiten wären. In der Kritik stehen Vollspaltenböden vor allem deshalb, weil sie den Schweinen die Möglichkeit zur Schaffung von Zonen zum Fressen, Koten und Liegen nehmen und dadurch ihre natürlichen Verhaltensweisen einschränken.

Freiland- und biologische Schweinemast: Geringster Produktions- und Konsumanteil
Spaltenböden gibt es auch in der biologischen Schweinehaltung; allerdings darf hier der Anteil an der Gesamtfläche nur maximal 50% ausmachen. Und zusätzlich müssen die Schweine Zugang zu einem befestigten Auslauf haben, ein Weidezugang ist allerdings nicht vorgeschrieben. Bio-Schweine haben in Österreich außerdem mehr Platz: Während die gesetzlich vorgeschriebene Mindestfläche für ein konventionell gehaltenes Mastschwein bis zu einem Gewicht von 110 kg bei 0,7 m2 liegt, müssen einem Bioschwein in dieser Gewichtsklasse zumindest 1,3 m2 Stallfläche und 1 m2 Auslauf zur Verfügung stehen. Der Anteil der biologisch gehaltenen Mastschweine liegt in Österreich bei 2,8 Prozent. Die Freilandhaltung, bei der die Tiere Weidezugang haben, bildet in der österreichischen Schweinemast die absolute Ausnahme.

Beschäftigungsmaterial gesetzlich vorgeschrieben
Schweine sind sehr intelligente Tiere, die sich für ihre Umgebung interessieren. Drei Viertel jener Zeit, in der sie aktiv sind, möchten sie etwas erkunden und sich beschäftigen. Können Schweine diesem Bedürfnis nicht nachgehen, besteht die Gefahr, dass sie Schwänze, Ohren und Flanken ihrer Artgenossen anbeißen. Um dies zu verhindern, ist Beschäftigungsmaterial auch in der konventionellen Haltung gesetzlich vorgeschrieben – Material, das die Schweine bekauen, untersuchen und bewegen können. (red)

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