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„Im kompetitiven Umfeld weiter gewachsen” © Katharina Schiffl
© Katharina Schiffl

christian novacek 01.06.2018

„Im kompetitiven Umfeld weiter gewachsen”

Renata Petovska und Marcel Löffler schafften mit der ­Julius Meinl Coffee Group 7,6% Umsatzplus.

••• Von Christian Novacek

Die Inspiration ist es, worauf es ankommt. Und selten kommt sie näher als bei einem guten Tässchen Kaffee – ergo liegt gleichfalls nahe, dass ihr bei Julius Meinl eine strategiebestimmende Rolle zufällt: „Wir können sehr lange darüber reden, wie gut unsere Umsatzentwicklung ist”, holt Marcel Löffler, CEO Julius Meinl Coffee Group, unter Hinweis auf 7,6% Umsatzwachstum in 2017 aus. Und er fährt fort mit: „Aber viel wichtiger ist doch, wie tragen wir zu einer besseren Welt bei?”

Meinl als Botschafter der Wiener Kaffeehauskultur hat einen Weg gefunden: „Jedes Produkt, das wir entwickeln, betrachten wir auch unter dem Aspekt seiner Kraft, zu inspirieren. Daraus entstehen einzigartige Produkte, die nicht nur Nutzen stiften und Genuss bringen, sondern auch Quelle kreativer Momente sind”, ist Löffler bezüglich des Anspruchs des Unternehmens überzeugt. Die Achse zum Erfolg verläuft parallel: Julius Meinl ist heute in mehr als 70 Ländern präsent, davon in 20 Ländern mit eigenen Tochtergesellschaften.

International erfolgreich

Seit dem Vorjahr ist die Julius Meinl Coffee Group auch in Dubai, China und Bulgarien mit eigenen Tochtergesellschaften vor Ort, im März 2018 kam Polen dazu. Die Vorgangsweise in der internationalen Expansion ist stets die nämliche: Als erstes werden die Kaffee-Affinen im Land über die gehobene Gastronomie angeteasert, in der Letzt-Ausbaustufe ist dann sogar der Vertrieb in Gastronomie und Lebensmittelhandel möglich – das letzte erfolgreiche Beispiel dazu liefert Russland. Zweitwichtigstes Exportland ist Italien, gefolgt von Kroatien.

In den europäischen Kernmärkten, Österreich, Adriatics (Ex-Jugoslawien), CEE und Russland sowie in den VAE/Dubai ist Julius Meinl Marktführer in der gehobenen Gastronomie. In mehr als 40 Ländern wird Meinl unter den Top Drei- Kaffee-Marken in der Premium-Gastronomie geführt.

Zwischen Mikro und Makro

Der österreichische Markt trägt zum Umsatz der Gruppe rd. 20% bei – zuletzt stand der Gesamtumsatzkuchen bei 172 Mio. € (2016: 160 Mio. €). Das EBITDA entwickelte sich von 24,6 Mio. € 2016 auf 26,8 Mio. € in 2017 – ein Zuwachs von 8,9%.

„Wir treten heute sowohl als globaler Traditionsröster auf”, sagt Löffler, „aber ebenso als engagierter Mikroröster.” Letzteres wurde im Vorjahr bestens durch die Innovation „The Originals” präsentiert. Nomen est nomen, und von zwei Originalen ist eines stets eine Limited Edition, die, so Renata Petovska, Geschäftsführerin Julius Meinl Österreich GmbH, „dann auch weg ist, wenn sie ausverkauft ist”. Das geschieht hierzulande meist flugs, nicht zuletzt, weil Julius Meinl seit Jahrzehnten der Marktführer in der gehobenen Gastronomie ist.
Eine konsequente Service­orientierung bereitet dafür entscheidend den Boden. „Wir sind in einem sehr kompetitiven Umfeld weiter gewachsen”, sagt Petovska, „hohe Qualität und Service zeichnen uns seit mehr als 155 Jahren aus.” Auch sie zieht eine gerade Linie zur Inspiration: „Wir stehen für Inspiration. Wir sind Quelle von Innovationen, von neuen Ideen!”

Stark im Lebensmittelhandel

Im österreichischen Lebensmittelhandel ist Meinl Kaffee eine stabile Größe mit rd. elf Prozent Marktanteil. Das Wachstum von 7,9% auf 43,7 Mio. € teilt sich demgemäß gut ausbalanciert auf LEH und Gastronomie auf.

Besonders dynamisch im Handel entwickelte sich zuletzt das Geschäft mit den Kaffeekapseln. „Ein Viertel des Kaffeegeschäfts im Handel entfällt auf die Kapseln”, berichtet Petovska. Meinl ist im (auch insgesamt stark wachsenden) Segment mit der Marke Inspresso vertreten. Das sind zurzeit sechs Sorten, die siebte „befindet sich auf dem Weg”, so Petovska. Inspresso passt – wie der Name nahelegt – in jede Nespresso-Maschine; allerdings ist die Kapsel selbst mehr Kunststoff als Aluminium. Bezüglich Kapsel-Recycling prophezeit Löffler: „Ich gehe davon aus, dass die Industrie bald biologisch abbaubare Kapseln anbieten wird.”
Bei Meinl hat die Kapsel jedenfalls die ganze Bohne überholt – was auch als Zeichen dafür zu werten ist, dass sich die Gewohnheiten beim Kaffeetrinken ändern. Gleichfalls ändern sich die Kaufgewohnheiten: Etwa läuft in China bereits 20% des retail-Geschäfts über eCommerce, dennoch fährt Meinl im Belang eine verhaltene Präsenz. „Wir wissen, dass das Thema stark wachsend ist, aber wir gehen immer zuerst über die Gastronomie”, erklärt Löffler.

Umsatzwachstum beim Tee

2012 entschied Julius Meinl, weltweit nicht nur Premium-Kaffee, sondern auch hochwertige Tee-Spezialitäten anzubieten. Tee entwickelt sich zum zweiten Standbein des Hauses – mit historischen Hintergrund: Zu Zeiten der Österreichisch-Ungarischen Monarchie war Julius Meinl bereits größter Teeimporteur des Landes. Heute wird Julius Meinl Tee in 70 Ländern serviert. Löffler zur aktuellen Entwicklung: „2017 konnte in der Sparte Tee ein Umsatzwachstum von 5,8 Mio. Euro 2016 auf 6,5 Mio. Euro erzielt werden. Das Wachstum ist weltweit zu verzeichnen.” Auch im Teegeschäft setzt Meinl auf Premium-Qualität.

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