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"Kaufhaus Österreich": HV begrüßt Initiative © HV
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Redaktion 01.12.2020

"Kaufhaus Österreich": HV begrüßt Initiative

E-Commerce-Gipfel: Kostenfreies Gütezeichen "Österreichischer Händler" für alle Händler mit Betriebsstätte in Österreich. Coronakrise verschärft Versäumnisse bei Steuerfairness.

WIEN. Neun Monate nach Ausbruch der Coronakrise ist heute die E-Commerce-Metaplattform "Kaufhaus Österreich" des Wirtschaftsministeriums und der Wirtschaftskammer an den Start gegangen. Das Projekt und die begleitende Kampagne soll heimischen Händlern mehr Sichtbarkeit im Netz geben und damit den Kaufkraftabfluss ins Ausland reduzieren. Ein durchaus positives Signal, wenngleich zahlreiche privatwirtschaftliche Plattformen, die ähnlich funktionieren, bereits seit März online sind – etwa die Onlineshop-Fibel der Wochenzeitung Falter, die Suchmaschine anna-kauft oder die Ladenliste der Aktivistin Nunu Kaller.

www.kaufsregional.at – Österreichs Verzeichnis für den regionalen Einkauf verzeichnet bis zu 100.000 Zugriffe pro Woche. Um die österreichischen Händler bestmöglich zu unterstützen und den Einkauf bei heimischen Onlinehändlern noch einfacher zu machen, bietet der Handelsverband bereits seit der ersten Coronawelle gemeinsam mit zahlreichen Partnern ein Verzeichnis für heimische Webshops an: Im digitalen Kaufhaus www.kaufsregional.at (eCommerce Austria) sind mittlerweile mehr als 5.000 österreichische Webshops in 15 unterschiedlichen Kategorien gelistet.

Die Plattform bietet einerseits den heimischen Händlern eine 360° Servicepalette, andererseits den Konsumenten eines der größten Verzeichnisse des Landes für den regionalen Einkauf. Im Unterschied zum "Kaufhaus Österreich", das auf eine Kategorien-Suchfunktion setzt, ermöglicht die Plattform des Handelsverbandes technologisch auch gezielte Produktsuchen und erleichtert damit die Lebensrealität der Konsumenten. Egal ob kleiner Webshop, Boutique, Concept Store oder filialisierter Einzelhandel – der Handelsverband lädt alle Händler ein, Teil dieser nationalen Community zu sein.

Von der kostenfreien Nutzung von Weiterbildungsangeboten, der Information über geltende Verordnungen bis hin zum Gratis-Webshop bietet die Plattform unzählige Services zum Nulltarif. Übrigens: Das Gütezeichen "Österreichischer Händler" darf ab heute von allen Händlern mit Betriebstätte in Österreich kostenfrei genutzt werden, damit diese bei den Konsumenten im Onlinehandel als vertrauensvoller Partner wahrgenommen werden. Österreichische Händler erwartet sich von Politik die Herstellung überfälliger, fairer Rahmenbedingungen im digitalen Raum

Eines ist klar: Corona ist für viele heimische Händler existenzgefährdend. 6.500 Geschäfte stehen bereits kurz vor dem Aus, ihnen fehlt es an Liquidität und einer wirtschaftlichen Perspektive. Drittstaatenhändler wie der weltgrößte Onlinehändler Amazon dürfen sich indes über Rekordgewinne freuen, die jedoch gegen "null" optimiert werden, damit keine Steuerleistungen anfallen. Der Firmenwert hat sich seit Beginn der COVID-Krise fast verdoppelt. Das gesetzliche Regelwerk lässt dies zu, daher müssen es Unternehmen geradezu nutzen.

"Das Bankkonto von Jeff Bezos wächst fast im Gleichschritt mit den Steuergeschenken, die Amazon in Europa erhält. 2018 durfte sich der größte Onlinehändler der Welt über eine Steuergutschrift von 241 Millionen Euro freuen. 2019 haben die europäischen Finanzminister unfassbare 300 Millionen überwiesen – bei einem Umsatz von 32 Milliarden Euro im europäischen Handelsgeschäft. Jedes Kleingewerbe zahlt bei uns mehr Steuern als das wertvollste Unternehmen unseres Planeten", zeigt sich Handelssprecher Will betroffen.

Jahrelange Ankündigungen müssen ein Ende haben. Der Fokus der Politik muss darauf liegen, Regulierungen zu finden, die im digitalen Raum Chancengleichheit zwischen Händern aus Drittstaaten und Händlern mit Betriebsstätte in Österreich sicherstellen. Der Steuerwahnsinn von Amazon & Co muss abgestellt werden. "Wir befinden uns mitten in der schwersten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Wenn wir diese Herausforderung meistern wollen, müssen wir die Steuerschlupflöcher für multinationale Digitalkonzerne aus Drittstaaten endlich stopfen. Es braucht jetzt mehr denn je faire Rahmenbedingungen, an die sich alle halten müssen. Damit würde die Politik Arbeitsplätze schenken, so wie die Konsumenten dies durch ihren regionalen Einkauf tun", so Rainer Will abschließend. (red)

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