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Meinl investiert kräftig ins Geschäft am Graben © Julius Meinl am Graben GmbH/APA-Fotoservice/Schedl
© Julius Meinl am Graben GmbH/APA-Fotoservice/Schedl

Redaktion 14.05.2021

Meinl investiert kräftig ins Geschäft am Graben

Herbert Vlasaty und Udo Kaubek machen das Flaggschiff des guten Geschmacks in der Wiener City wieder flott.

••• Von Christian Novacek

WIEN. Die Instanz in Sachen Luxus-Lebensmittelgeschäft, Meinl am Graben in der Wiener City, wird über den Sommer um 7 Mio. € runderneuert: Die Warenpräsentation wird neu gewichtet, Flächen neu verteilt. Die Verkaufsfläche sinkt von 1.700 auf 1.200 m² – denn die Gastronomie schließt bis auf das Café samt Außenbereich. Geschäftsführer Udo Kaubek: „Die Gastronomie war am Schluss nicht mehr wirklich relevant, das hat kaufmännisch keinen Sinn mehr gemacht.” Die Covidkrise mag ein Schäuferl zum Cooldown der Kochtöpfe in der Gourmetküche beigetragen haben; zuletzt lag der Umsatzanteil der Gastronomie bei 13%.

Inszenierung und Warendruck

Das Umswitchen auf das bloße Café-Geschäft inklusive des am Graben so wichtigen Gastgartenbetriebs ermöglicht es am anderen Ende, dass trotz Geschäftsverkleinerung die Lebensmittelpräsentation nicht leidet. Der Warendruck bleibt aufrecht, die Flächen für Inszenierung sind ausreichend. Größer werden demnach Fisch und Fleisch, kleiner werden Obst und Gemüse – aber auch hier ohne das Angebot einzuschränken. „Wir werden neue Warenpräsentationstechniken sehen, die es in Österreich derzeit nicht gibt”, so Kaubek.

Zur Frage, inwieweit der neue Meinl ordentlich abgestaubt werden wird, meint indes Herbert Vlasaty, Vorstand der Julius Meinl AG: „Mittlerweile machen sich die Abnutzungen deutlich bemerkbar. Die technische Ausstattung sowie Teile der Einrichtung sind nicht mehr auf dem umwelttechnischen Stand der Zeit und mit hohem Wartungsaufwand verbunden.” Ergo habe man sich zur Renovierung, die einer Verjüngungskur gleichkommt, entschlossen – die Planungen dafür liefen seit dem Jahr 2015.

Stabile Größe

Der Gesamtumsatz im vergangenen Geschäftsjahr erreichte rund 22 Mio. €. Aktuell gibt es ein Plus von sieben Prozent. Das auch in der Krise stabile Wachstum illustriert den Status in puncto Relevanz – nicht zuletzt sei dieser dem stetigen Innovationsgeist zu verdanken. Gerade bei neuen Produkten, Start-ups und Trends habe man sehr oft die Nase vorne, auch wenn viele das Traditionshaus am Graben anhand hinzugekommener Mitbewerber (Billa Corso, Merkur Hoher Markt, demnächst Spar in der ehemaligen Zentrale der Creditanstalt) dann und wann gerne totsagten.


Benchmark der Branche?

Dass Meinl am Graben jedoch weiterhin die Benchmark für den High End-Einkauf von Lebensmitteln und Getränken setzt, würden laut Kaubek nicht zuletzt die regelmäßigen Besuche der Mitbewerber unterstreichen. „Dabei wird eingekauft und fotografiert, das ehrt uns auch irgendwie”, so der Geschäftsführer, der in seinem früheren Leben an der Inszenierung des Billa Corso in den Ringstrassen-Galerien maßgeblich beteiligt war. „Wie man sieht, uns gibt es immer noch und es bleibt nun auch alles besser”, zitiert Kaubek den aktuellen Slogan, der bei jedem anderen außer Meinl als glasklares Paradoxon diffamiert werden würde und hier heißen soll, dass man auf Tradition setzt und gleichzeitig das Moderne ins Geschäft lässt.

Das Traditionelle ist bei Meinl am Graben gern das Spezielle: In der Sortimentsdichte von 17.000 Artikeln, die saisonal (zu Weihnachten) auch mal in Richtung 18.000 hochschnellen, finden sich Feinheiten wie die Gänseleber, die nie eine Gans gekannt hat und deren Hauptbestandteil von der Nuss kommt. Traditionell sind ebenso an die 400 Käsesorten, eine Vielzahl an Schinken & Würsten, feinste Schokoladen, Kaviar & Trüffeln sowie die ausgesuchtesten Bordeaux-Weine.
Apropos Wein: Die Wein & Spirituosenabteilung ist ein Highlight für sich und bietet Spezialitäten aus aller Welt, darunter Calvados vom Comte Louis de Lauriston (Frankreich), Weine von Comez Cruzado (Spanien) und Domain Raveneau (Frankreich) sowie Fruchtbrände von Etter Söhne (Schweiz).

Starke Exklusivmarken

Zu den Exklusivmarken zählen iberischer Schinken von Maximiliano in Jabugo, Angusfleisch vom Pannatura Bio Landgut Esterhazy oder Martelli Pasta aus Lari. Bei den Süßwaren bietet der Meinl am Graben neben der hauseigenen Confisserie & Patisserie Marken wie Neuhaus, Fenkart, Charbonell, Venchi und Valrhona.

Die Eigenmarke Julius Meinl am Graben umfasst rund 350 Artikel. Einige Produkte werden bei Meinl am Graben selbst hergestellt, darunter die hausgemachten Würste, die ohne jegliche Zusatzstoffe auskommen, oder das selbstgetrocknete Dry Aged Beef.
Auf diese Spezialitäten muss auch während des Umbaus ab 4. Juni bis Anfang Oktober nicht verzichtet werden: Ein provisorisches Geschäft eröffnet in der Maysedergasse nahe der Oper und Albertina. Das Wort provisorisch ist im Kontext bedeutsam, denn eine Standortexpansion – oft kolportiert wird ein neuer Meinl in der Wiener Mariahilferstraße – schließt man kategorisch aus.

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