RETAIL
Mondelez und die Säulen der Vier-Tage-Woche © Milka/Mondelez
© Milka/Mondelez

Redaktion 14.10.2022

Mondelez und die Säulen der Vier-Tage-Woche

Mondelez Österreich mit Marken wie Milka, Oreo und Mirabell setzt den Fokus auf Arbeitszeitflexibilisierung.

••• Von Georg Sander

Das erste Halbjahr dieses Jahres ist grundsätzlich positiv für Mondelez International verlaufen”, erklärt Elisabeth Hülsmann, Managing Director Mondelez Österreich, im Gespräch mit medianet. „In Österreich konnten wir im ersten Halbjahr trotz des schwierigen Marktumfelds unsere Marktanteile im Schokoladenbereich um 1.5 Prozentpunkte ausbauen und über alle Segmente zulegen.”

Klar ist übrigens, dass das Unternehmen wie viele andere Hersteller auch mit Kostensteigerungen bei Rohstoffen wie Milch, Weizen oder Öl, ebenso wie bei Verpackungsmaterialien konfrontiert ist. Doch das ist nicht alles: „Lieferengpässe versuchen wir gemeinsam mit unserer globalen Einkaufsabteilung laufend neu zu bewerten. Wir sind als Unternehmen recht effizient aufgestellt und können einen Teil dieser Kosten absorbieren, indem wir unsere Produktivität steigern. Aber ein bestimmter Teil muss leider auch weitergegeben werden.”

Neues Arbeiten

Neben den weltwirtschaftlichen Herausforderungen prägen neue Arbeitsformen unseren Alltag. Mit dem Ankommen der Coronapandemie in Österreich im März 2020 und den Lockdowns mussten sich viele Unternehmen umstellen, so auch Mondelez Österreich. Nun testet man am Wiener Standort seit Anfang Juli die Vier-Tage-Woche.

„Die Idee dazu entstand bei uns mit dem Auslaufen des Mietvertrags für unser Büro in der Schönbrunner Straße. Es galt damals zu entscheiden, ob unser Standort gewechselt oder das Büro umgebaut werden soll. Dies führte mein Team und mich dazu, zu hinterfragen, auf welche Art und Weise wir künftig arbeiten wollen”, erklärt Hülsmann. Sie selbst hat sich auch intensiv mit anderen Standorten des Unternehmens zum Thema New Work ausgetauscht: „Es stellte sich heraus, dass insbesondere jüngere Kolleginnen und Kollegen den Wunsch nach einer Vier-Tage-Woche hegen. Dies führte zur Frage: Wie wäre es, wenn wir alle daran Interesse hätten? Wir haben uns daraufhin Gedanken gemacht, was ultraflexibles Arbeiten ausmacht.”
Das gesamte Team wurde einbezogen, Ideen und Anregungen wurden abgefragt. Schließlich wurde nicht nur die Vier-Tage-Woche eingeführt, sondern es wurden auch die Räumlichkeiten umgebaut, die Desktop-Arbeitsplätze reduziert und die für bestimmte Themen gemeinsam bezogenen Kollaborationsbereiche ausgebaut. Der Arbeitstitel dafür lautete „Lieblingsplatzerl”.

Die Voraussetzungen

Viele Unternehmen haben gefühlt „Angst” vor flexiblerem Arbeiten. Warum Mondelez Österreich nicht? Ein vertrauensvolles Miteinander sei ein wesentlicher Aspekt für so einen Schritt – und bei Mondelez auch gegeben, so Hülsmann. Zudem spielen interner Austausch, Employee Engagement und Empowerment eine zentrale Rolle.

„Natürlich muss man sich bewusst sein, dass so eine Umstellung gleichzeitig ein Prozess ist. Kontinuierliches Feedback muss laufend eingeholt sowie Anpassungen und Optimierungen vorgenommen werden”, stellt die Geschäftsführerin von Mondelez Österreich klar. Alle Benefits können von allen Mitarbeitenden beantragt werden. Dabei müssen die Personen im Einzelfall die Voraussetzungen des jeweiligen Benefits erfüllen, ansonsten baut man auf Vertrauen: „Wir leben und pflegen das Konzept des Mobile Working in unserem Arbeitsalltag. Ein Kontrollprogramm oder eine Kontrollinstanz per se haben wir nicht. Kommunikation und Vertrauen sind die wesentlichen Säulen unseres Vier-Tage-Woche-Konzepts.”

Warum die Benefits?

Diese sogenannten Fringe Benefits scheinen auch ein Gebot der Stunde – Stichwort Fachkräftemangel. „Es ist bereits im Recruiting spürbar, dass Benefits wie eine flexible Arbeitsform helfen, die richtigen Arbeitskräfte zu finden”, sagt Hülsmann. „Ich persönlich bin absolut davon überzeugt, dass derartige Benefits einen großen Beitrag leisten können, um den Arbeitsmarkt mehr ‚menschen-zentriert' zu gestalten.” Denn das Berufsleben macht einen großen Teil des Lebens aus, aber nicht ausschließlich: „Benefits wie flexible Arbeitsformen gestatten viel Raum und Zeit für eine persönliche Entfaltung sowohl im beruflichen als auch im privaten Kontext.”

Das sei nicht nur der jüngeren Generation wichtig. Generationsübergreifend wird dieser Aspekt bei der Auswahl des Arbeitsplatzes bzw. des Arbeitgebers bedeutender, denkt sie. Wenn Arbeitgeber dies nicht nur wahrnehmen, sondern „so eine Einstellung vorleben und auch tatsächlich ausleben lassen, dann ist – meiner Ansicht nach – die Mitarbeiterloyalität zu 100 Prozent gegeben und das Risiko für Fallstricke hingegen kaum bis gar nicht.”

Herausforderung meistern

Abschließend meint sie: „Egal, ob man sich für die Vier-Tage-Woche, Mobile Working oder etwas anderes festlegt – entscheidend ist, dass man sich mit den Herausforderungen der heutigen Arbeitswelt auseinandersetzt und bei internen Prozessen Anpassungen vornimmt. Unternehmen, die nichts ändern, gehen in Zukunft das Risiko ein, auch das zu verlieren, was sie bewahren möchten.”

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL