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Österreich klettert die Exportkurve hinauf © APA-Fotoservice/Juhasz
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christian novacek 06.10.2017

Österreich klettert die Exportkurve hinauf

Speziell der Agrar- und Lebensmittelbereich boomt im 1. Halbjahr 2017 mit einem Plus von sieben Prozent – alles eine Qualitätsfrage.

••• Von Christian Novacek

Es gibt die Russland-­Ukraine-Krise; den harschen Brexit-Schnitt von Großbritannien – und dennoch haben ­Österreichs Exporte im Agrar- und Lebensmittelbereich im ersten Halbjahr 2017 überdeutlich zugelegt: Agrarexporte in der Höhe von 5,5 Mrd. € stehen für ein deutliches Plus von mehr als sieben Prozent. „Ich habe heute deutlich bessere Nachrichten als in den letzten beiden Jahren”, leitet AMA-Chef Michael Blass die Präsentation der Export­ergebnisse ein. Und: „Die erfreulichen Zahlen im ersten Halbjahr beweisen die Kraft des Exports als Wirtschaftsmotor.”

Am stetigsten brummt dieser Motor in Richtung Deutschland: Rund ein Drittel der gesamten agrarischen Exporte Österreichs geht zu unseren deutschen Nachbarn. Aber auch das Export-Gesamtbild ist seit dem EU-Beitritt 1995 voluminös geworden. „Seit damals haben sich die Exporte verfünffacht”, berichtet Blass. Er verweist darauf, dass gleichfalls die Importe deutlich gestiegen sind, was, so Blass, eine Folge davon sei, „dass die österreichische Lebensmittelindustrie auch ein Verarbeiter und Veredler von Materialien ist, die es hier nicht gibt”.

Deutschland Nr. 1

Nach Deutschland – im vergangenen Jahr wurde dort ein Exportvolumen in der Höhe von 3,6 Mrd. € erzielt – folgen die EU-Länder im Exportranking. Mehr als 83% aller ausgeführten Agrarwaren bleiben im europäischen Raum. Die EU-13-Länder (jene, die 2007 der EU beitraten) zeigen nach schwächeren Jahren ein deutliches Exportplus. Die Handelsbeziehungen intensivieren sich sowohl bei der Ausfuhr als auch bei der Einfuhr. „Das unterstreicht das Vertrauen in unsere Verarbeiter und die Bedeutung der Frische des österreichischen Angebots für die benachbarten Länder”, interpretiert Blass.

Das gewichtige, global-positive Hardfact zum Thema bringt Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbands der Lebensmittelindustrie: „Lebensmittel made in Austria sind rund um den Globus in 180 Märkten vertreten.” Das bedeutet hierzulande 200 Unternehmen mit 20.000 Arbeitsplätzen. Diese 200 seien besonders exportfit, denn: „Der Inlandsmarkt ist einer der härtesten, schon allein wegen der hohen Handelskonzentration”, so Koßdorff.

Freier Handel ist gut

Zwei von drei Lebensmittelproduzenten gehen heute ins Ausland, wo aus Sicht des Fachverbands der Lebensmittelindustrie der freie Handel naheliegenderweise ein enorm wichtiges Gut darstellt. Aktuelle Konstellationen illustrieren das, beispielsweise die Exportbilanz mit Kanada; da hat sich die Quote von 6,3 auf 10,3 Mio. € signifikant um 63,5% erhöht. „Wir haben dort jetzt einen Fuß in der Tür”, sagt Koßdorff.

Als wichtigster Drittlandsmarkt haben die USA einen hohen Stellenwert, vor allem für die Getränke- und Süßwarenbranche – anzunehmen ist dabei, dass Red Bull und Manner outperformen; konkret in Zahlen gießen will das Koßdorff aber genauso wenig wie Blass – indes gesteht man speziell dem roten Bullen eine „Schrittmacherfunktion für andere” zu.
Inwieweit die Abschottung des einen mit der Öffnung eines anderen Markts kompensiert wird, bleibt logischerweise offen. Fakt ist aber, dass die USA-Exporte noch gut laufen, während der Brexit – wiewohl noch nicht vollzogen – „bereits seinen Schatten wirft”, so Koßdorff.

Der Sissi-Effekt

Neue Perspektiven ergeben sich übrigens in Japan: Die anlässlich der BSE-Rinderseuche verhängte Importbeschränkung für Rindfleisch aus Österreich ist deutlich gelockert worden, was nicht zuletzt trefflich zum Image Österreichs im Ausland passt; da zählt nämlich neben den Bergen vor allem die Qualität – speziell und effektiv in Deutschland. In Japan braucht's zur Qualität naturgemäß noch einen Sissi-Aspekt.

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