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Shoppingrausch in Paris am Sonntag Galeries Lafayette
Galeries Lafayette

Redaktion 09.01.2017

Shoppingrausch in Paris am Sonntag

Luxuskaufhäuser weiten ihre Öffnungszeiten aus.

PARIS. Beim Klang dieser Namen schlagen die Herzen von Shopping-Fans höher: Printemps, Galeries Lafayette, Bon Marché, BHV Marais - die berühmten Luxuskaufhäuser in Paris sind Konsumtempel mit magischer Anziehungskraft. Inzwischen erlaubt ein Gesetz diesen Grands Magasins, jeden Sonntag im Jahr zu öffnen.

In den berühmten Galeries Lafayette am Boulevard Haussmann wird diese Regelung an diesem Sonntag zum ersten Mal umgesetzt, und die Betreiber erwarten klingelnde Kassen - einige Gewerkschaften knirschen aber mit den Zähnen.

Fünf bis zehn Prozent mehr Umsatz erhoffen sich die Kaufhaus-Manager durch die neue Freiheit. Am Sonntag sollen all die Kunden kommen, die unter der Woche oder am Samstag keine Zeit haben, sich nach neuen Kleidern, Handtaschen oder Parfüms umzusehen. Eine besonders wichtige Zielgruppe sind aber auch die Touristen. Denn die Luxuskaufhäuser, die vergleichbar sind mit dem Berliner KaDeWe oder Harrods in London, machen nach eigenen Angaben rund 50% ihres Umsatzes mit ausländischen Touristen. Die wollen aber auch am Sonntag einkaufen gehen - und wundern sich, wenn sie vor verschlossenen Türen stehen.

Der Einzelhandel warnte immer wieder, gut betuchte Touristen könnten Paris am Wochenende den Rücken kehren und Madrid oder London bevorzugen, wo man auch am Sonntag shoppen kann. Ein Handelsverband rechnete vor, dass allein den beiden Kaufhaus-Flaggschiffen Printemps und Galeries Lafayette bisher jedes Jahr zwischen 168 und 240 Mio. € entgangen seien, weil sie nicht jeden Sonntag öffnen konnten.

Dem Drängen der Branche gab die sozialistische Regierung schließlich nach: Im Sommer 2015 wurde unter dem damaligen Wirtschaftsminister Emmanuel Macron ein höchst umstrittenes Reformgesetz verabschiedet, das unter anderem die Regeln zur Sonntagsarbeit lockerte. Das Gesetz sieht vor, dass Geschäfte in sogenannten internationalen Tourismuszonen jeden Sonntag im Jahr öffnen dürfen; notwendig ist dabei aber eine Vereinbarung zwischen Unternehmensleitung und Gewerkschaften.

Das gestaltete sich in manchen Fällen als äußerst schwierig, denn viele Gewerkschaften sind strikt gegen die Sonntagsarbeit, die Verhandlungen zogen sich vielfach Monate hin. Als letztes der Grands Magasins erzielte Printemps Anfang dieser Woche eine Einigung mit den Gewerkschaften: Die Mitarbeiter bekommen an Sonntagen doppelt so viel Gehalt wie unter der Woche sowie eine finanzielle Unterstützung für die Betreuung ihrer Kinder; Printemps will ab dem Frühling jeden Sonntag öffnen.

Schon seit Sommer 2016 hat das BHV Marais jeden Sonntag geöffnet, in dem schicken Kaufhaus des Pariser Szeneviertels hatten Management und Gewerkschaften zuvor die erste entsprechende Vereinbarung geschlossen. "Die Bilanz ist äußerst positiv", freut sich die Geschäftsleitung. Der Umsatz stieg demnach um 10 Prozent, der Sonntag ist inzwischen nach dem Samstag der verkaufsstärkste Tag der Woche.

"Es gibt unbestritten ein wahres Verlangen der Kundschaft", erklärt die Geschäftsleitung. Es seien außerdem neue Kunden gewonnen worden, die vorher nicht in das Kaufhaus gekommen seien. Durch die Öffnung am Sonntag würden auch neue Arbeitsplätze geschaffen, werben die Kaufhäuser. Die Galeries Lafayette, die ab diesem Sonntag dem Beispiel von BHV Marais folgen, haben schon 330 neue Mitarbeiter eingestellt; insgesamt sollen es 500 neue Stellen werden.

Doch in die Jubelrufe wollen viele nicht einstimmen: Linke Gewerkschaften wie Force Ouvriere und die CGT kritisieren die Sonntagsarbeit als einen sozialen Rückschritt. Die Gegenleistungen für die Mitarbeiter seien eine "Mogelpackung" - wenn sich die Sonntagsarbeit erst einmal ausgebreitet und eingebürgert habe, könne mit den üppigen Zuschlägen schnell wieder Schluss sein. CGT und Force Ouvriere stemmten sich gegen Vereinbarungen mit den Kaufhausmanagern, wurden aber von anderen Gewerkschaften überstimmt.

Über solche Debatten dürften sich in Paris die wenigsten Kunden Gedanken machen, wenn sie sich künftig am Sonntag dem Shoppingrausch hingeben. (APA/AFP)

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