RETAIL
Sports Direct Austria macht Gewinn mit weniger Filialen © APA/Roland Schlager

Sports Direct nach holprigem Start nun in der Gewinnzone

© APA/Roland Schlager

Sports Direct nach holprigem Start nun in der Gewinnzone

Redaktion 26.02.2018

Sports Direct Austria macht Gewinn mit weniger Filialen

Sports Direct nach holprigem Start nun in der Gewinnzone

WIEN/WELS. Filialschließungen und Mitarbeiterabbau haben der Österreich-Tochter des britischen Diskonters Sports Direct erstmals seit der Sport-Eybl-Übernahme im Jahr 2013 einen Gewinn beschert: Die Zahl der Standorte im Geschäftsjahr 2016/17 ging von 42 auf 36 zurück und die Mitarbeiterzahl sank um 415 auf 1.469. Der Jahresgewinn lag bei 682.000 €, nach einem Verlust von 44,4 Mio. € im Jahr davor.

Unter den alten Eigentümern lag der Personalstand bei 2.161 Beschäftigten im Jahr 2012. Der Umsatz des Sporthändlers ging im Geschäftsjahr 2016/17 (per Ende April) in Österreich um sieben Prozent auf 132,5 Mio. € zurück, geht aus dem kürzlich veröffentlichten Jahresabschluss hervor.

Die Personalkosten sanken von 52,4 auf 45,1 Mio. €, der Materialaufwand ging um 20 Mio. € zurück, und auch der Mietaufwand reduzierte sich aufgrund der Filialschließungen deutlich. So schaffte Sports Direct den Turnaround in Österreich.

Der Österreich-Einstieg entwickelt für den britischen Diskonter Sports Direct immer mehr zu einem finanziellen Debakel: Der Bilanzverlust summierte sich bisher auf 125,4 Mio. €. Sport Eybl war bis zum Verkauf an Sports Direct als Premium-Sporthändler unterwegs, im Geschäftsjahr 2010/11 lag der Umsatz von Sport Eybl/Sports Experts noch bei knapp 338 Mio. €, seitdem geht es umsatzmäßig bergab.

Das negative Eigenkapital von Sports Direct Österreich lag zum Bilanzstichtag Ende April 2017 bei 117,9 Mio. €, heißt es im Jahresabschluss 2016/17, welcher der APA vorliegt. Die Österreich-Tochter kann aber auf die finanzielle Unterstützung ihrer britischen Mutter zählen. "Eine Überschuldung im Sinne des Insolvenzrechtes liegt nicht vor", schreibt Sports Direct Austria.

Die Geschäftsführung geht vom Fortbestand des Unternehmens aus, unter anderem, weil die britische Mutter Sports Direct International PLC garantiert, "die Finanzierung der sportsdirect.com Austria GmbH sicherzustellen, damit die sportsdirect.com Austria GmbH jederzeit ihre aktuellen und zukünftigen finanziellen Verpflichtungen erfüllen kann". Außerdem bestätigte Sports Direct International, dass "derzeit beabsichtigt ist, die Unterstützung der sportsdirect.com Austria GmbH über den 31.01.2019 hinaus aufrecht zu erhalten".

Die Wirtschaftsprüfer von Grant Thomton Unitreu erwähnen in ihrem uneingeschränkten Bestätigungsvermerk das negative Eigenkapital. "Unser Prüfungsurteil ist im Hinblick auf diesen Sachverhalt nicht eingeschränkt." Die nachrangigen Verbindlichkeiten gegenüber der britischen Konzernmutter würden sich zum Stichtag auf 79,9 Mio. € belaufen. "Nach Abzug der nachrangigen Verbindlichkeiten verbleibt insolvenzrechtlich ein negatives Eigenkapital von 37.355.682,66 Euro“, schreiben die Wirtschaftsprüfer. Über diesen verbleibenden Betrag sei seitens des Gesellschafters am 17. Jänner 2018 eine unbedingte Garantie in Höhe von 37,5 Mio. € abgegeben worden.

Wie im Vorjahr macht die Geschäftsführung von Sports Direct Österreich die Medien für den Umsatzrückgang verantwortlich: "Die negative Medienberichterstattung in Österreich verhindert nach wie vor eine nachhaltige Erholung der Umsatzentwicklung", heißt es im Jahresabschluss.

Die Manager zeigen sich für die Zukunft optimistisch, weil der Wandel der Konzernstrategie zu einem höheren Fremdmarkenanteil, mehr Premiumprodukten und strategischen Partnerschaften sowie zur Verstärkung der Vertriebskonzentration auf größeren Flächen bereits positive Ergebnisse zeige. Dies werde "mittel- und langfristig auch zu einer Steigerung der Umsätze in Österreich führen".

Im Geschäftsjahr 2016/17 habe sich "die positive Entwicklung bei den Bruttomargen in Prozent vom Umsatz" fortgesetzt. "Stark positiv auf die Ertragslage wirkt sich die mit unserer Muttergesellschaft getroffene Verrechnungspreisvereinbarung aus, wonach die Österreichische Gesellschaft eine fixe EBIT-Marge, basierend auf dem Umsatz für die Erfüllung der lokalen Funktionen und zur Abdeckung des begrenzten Risikoprofils, erhält", schreibt das Unternehmen. (APA)

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL

Ihr Kommentar zum Thema