Über 100 Empfehlungen für Circular Packaging
Alfred Schrott (Co-Chairman Industrie), ­Teresa Mischek-Moritz (Geschäftsführerin), Thomas Zechner (Co-Chairman Handel) und Georg Grassl (Board-Vertreter, v.l.).
RETAIL Redaktion 26.06.2020

Über 100 Empfehlungen für Circular Packaging

ECR Austria präsentiert einen umfangreichen Leitfaden zur Zielerreichung des EU-Kreislaufwirtschaftspakets.

••• Von Paul Hafner

Im vergangenen Herbst fiel der Startschuss für die Gründung der ECR Circular Packaging Initiative. Dabei handelt es sich um eine Kooperation der ECR Austria – einer partnerschaftlichen Plattform der Konsumgüterbranche mit 122 Mitgliedern aus Handel und Industrie – und dem Fachbereich Verpackungs- und Ressourcenmanagement der FH Campus Wien. Erklärtes Ziel der insgesamt drei Arbeitsgruppen ist die Verständigung auf gemeinsame Standards im Bereich der Zirkularität und Nachhaltigkeit von Verpackungen im Allgemeinen sowie Kunststoffverpackungen im Speziellen.

Den ersten handfesten Output der Initiative präsentierten nun Alfred Schrott, ECR Co-Chairman Industrie, und ECR-Geschäftsführerin Teresa Mischek-Moritz gemeinsam mit Manfred Tacker von der FH Campus Wien: Ein Leitfaden mit über 100 Empfehlungen für recyclingfähige Verpackungen, entwickelt im Rahmen mehrerer interaktiver Workshops und als digitale, knapp 70-seitige Publikation, die kostenlos auf der Website der ECR Austria heruntergeladen werden kann.

Großes Interesse der Branche

Mit einer Teilnehmerzahl von über 80 hochrangigen Vertretern der FMCG-Branche fiel das Mitgliederinteresse beim Kick-off-Meeting am 12. September 2019 sehr groß aus; bei den Arbeitsgruppen selbst waren durchschnittlich über 50 Firmen beteiligt, teilweise betrug die Teilnehmerzahl sogar über 100 Unternehmen.

„Der große Andrang im Herbst hat uns gezeigt, dass es dringend an der Zeit war, sich auf gemeinsame Empfehlungen im Bereich des Circular Packaging Designs über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg zu verständigen”, so Tacker, der als FH-Professor den Fachbereich Verpackungs- und Ressourcenmanagement sowie den Studiengang Nachhaltiges Ressourcenmanagement leitet.
Wie Thomas Zechner, ECR Co-Chairman Handel, betont, sprechen „zwei Drittel der teilnehmenden Unternehmen voll und ganz ihre Zustimmung” zu den Empfehlungen des Leitfadens, das übrige Drittel wolle diese „im Rahmen ihrer Möglichkeiten umsetzen”. Man könne „wirklich davon sprechen, dass alle an einem Strang ziehen”, so Zechners Fazit.

Leitfaden für Nicht-Experten

Wie Mischek-Moritz betont, stellt die Guideline explizit einen Leitfaden für Anwender dar: „Wir wollen damit alle ansprechen, die für den Innovationsprozess zuständig sind – vom Produkt-, über den Sortimentmanager bis hin zum Geschäftsführer.” Die Empfehlungen basieren auf denselben Informationen der im Vorjahr veröffentlichten Circular Packaging Design Guideline der FH Campus Wien, die sich primär an Experten und Spezialisten richtet und ein technisch fundiertes Rahmenwerk zur Verpackungsentwicklung darstellt. Die Informationen und Konzepte wurden für den ECR-Guide „deckungsgleich adaptiert”. Ziel ist die praxisorientierte Aufbereitung für eine breitere Zielgruppe; das Verpackungssystem steht dabei im Vordergrund.

Der Leitfaden versteht sich überdies als Work in progress; er wird laufend aktualisiert und an Änderungen in der Sammel-, Sortier und Recyclingtechnologie sowie an zukünftige Materialentwicklungen angepasst. Änderungen werden im Stakeholderforum „Circular Packaging” abgestimmt und weiterentwickelt; zudem steht das Verpackungssystem im Vordergrund.

Guide en détail

Der Guide der Arbeitsgruppe gliedert sich in fünf Teile: Das erste Kapitel liefert eine Einführung in gesetzliche Rahmenbedingungen der Circular Economy, Begriffsdefinitionen und länderspezifische Verwertungsstrukturen; Kapitel zwei gibt einen Überblick über Recyclingprozesse, allgemeine Hinweise und Empfehlungen sowie materialspezifische Empfehlungen und Informationen zu alternativen Werkstoffen wie seltenen Kunststoffen und Spezialfasern bei Papier und Karton.

Herzstück des Guides sind die Designempfehlungen für Verpackungstypen (Kapitel 3 und 4), wo u.a. Flaschen, Schalen und Becher, flexible Verpackungen, Tuben sowie Dosen aus jeweils unterschiedlichem Material behandelt werden. Neben einer klaren Gestaltung nach Verpackungstyp informiert ein Ampelsystem über potenziell problematische Aspekte bei Sonderausführungen, die die Sortierung erschweren.
Den Abschluss bildet schließlich ein umfangreiches Glossar, das technische Ausdrücke von A wie Abfallhierarchie bis W wie Wirbelstromabschneider kurz und bündig erklärt. Der Guide kann digital als interaktives Dokument bezogen werden unter:

https://ecr-austria.at/download/packaging-design-for-recycling/

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