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"Vier Pfoten" und "Fur Free Alliance" warnen vor Greenwashing-Siegel der Pelzindustrie © Vier Pfoten, Fred Dott

Thomas Pietsch

© Vier Pfoten, Fred Dott

Thomas Pietsch

Redaktion 23.01.2020

"Vier Pfoten" und "Fur Free Alliance" warnen vor Greenwashing-Siegel der Pelzindustrie

Ein Bericht des EU-Parlaments zeigt: ‚WelFur‘ ist eine zynische PR-Maßnahme.

WIEN. Als Mitglied der Fur Free Alliance (FFA) warnt Vier Pfoten gemeinsam mit weiteren Tierschutzorganisationen vor dem neuen ‚WelFur‘ Tierschutz-Zertifizierungsprogramm. Dieses wird von der Pelzindustrie selbst betrieben und richtet sich an europäische Pelzfarmen. Im Europäischen Parlament wurde gestern ein neuer Bericht der FFA vorgelegt, der auf gravierende Mängel des Programms hinweist. Der Bericht kritisiert WelFur als zynische PR-Maßnahme, die Tierquälerei salonfähig machen soll. Nach Angaben des Branchenverbandes Fur Europe sollen ab 2020 nur noch WelFur-zertifizierte Felle auf europäischen Pelzauktionen verkauft werden.

Das auch von renommierten Tierärzten bemängelte Zertifizierungsprogramm WelFur ist von der Pelzindustrie als Reaktion auf die weit verbreitete Kritik an den tierquälerischen Zuständen auf Pelzfarmen eingeführt worden. Laut Vier Pfoten und anderen FFA-Mitgliedern gewährleistet die Initiative jedoch weder, dass die Grundbedürfnisse von Füchsen und Nerzen in engen Käfigbatterien erfüllt werden, noch schützt es einzelne Tiere vor körperlichen Schäden oder Verhaltensstörungen. Füchse graben in freier Wildbahn, während Nerze Zugang zu Bademöglichkeiten brauchen. Das WelFur-Programm berücksichtigt diese wichtigen Bedürfnisse nicht. Weiters liefert der Report Hinweise auf Interessenkonflikte bei der Zertifizierung: So besitzt der finnische Pelzzuchtverband 38% der Aktien der Firma Luova, die für die Überprüfung finnischer Pelzfarmen zuständig ist.

„WelFur ist nichts anderes als ein zynischer PR-Stunt seitens der Pelzindustrie, der die tierquälerische Haltung und das brutale Töten von Tieren für die Modebranche rechtfertigen soll. Füchse, Nerze und Marderhunde sind bewegungsfreudige Beutegreifer, deren vielfältige Bedürfnisse in winzigen Käfigen auf Gitterboden nicht erfüllt werden können. Keine Verschleierungstaktik aus dem WelFur-Programm kann die Tatsache vertuschen, dass die Pelztierhaltung unsägliches Tierleid verursacht und verboten werden muss“, sagt Thomas Pietsch, Wildtierexperte bei Vier Pfoten.

Nach Angaben des Europäischen Pelzverbandes zeigen viele Modeunternehmen bereits Interesse an WelFur-zertifizierten Fellen. Vier Pfoten warnt die Branche und Konsumenten eindringlich vor der neuen Initiative. Aus Tierschutzsicht handelt es sich um ein scheinheiliges Greenwashing-Siegel, das den grausamen Tod von Millionen von Tieren jährlich legitimieren soll

Deshalb fordern Vier Pfoten und die FFA die politischen Entscheidungsträger in der EU und den Mitgliedstaaten auf, die WelFur-Initiative nicht zu unterstützen. Zudem empfehlen sie der EU, dringend notwendige, regelmäßige Kontrollen auf Pelzfarmen durchzuführen, um Verstöße gegen bestehende EU-Vorgaben zu untersuchen. Zahlreiche Recherchen zeigen, dass die Praktiken auf europäischen Pelzfarmen weder den grundlegendsten Bedürfnissen des Tierschutzes noch bestehenden EU-Vorgaben entsprechen.

Die Pelztierzucht ist in den folgenden EU-Mitgliedsstaaten bereits verboten bzw. befindet sich in der Auslaufphase oder wurde aufgrund höherer Haltungsvorgaben beendet: Österreich, Deutschland, Schweiz, Großbritannien, Tschechische Republik, Kroatien, Slowenien, Niederlande, Luxemburg, Slowakei und Belgien. Auch Irland und Bulgarien verhandeln derzeit ein Verbot der Pelztierzucht. Dänemark, Finnland und Polen hingegen zählen zu den größten Pelz-Produzenten der EU. (red)

 

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