RETAIL
Vom Erzeuger bis zum Verbraucher © Panthermedia.net/Artur Verkhovetskiy
© Panthermedia.net/Artur Verkhovetskiy

daniela prugger 14.06.2019

Vom Erzeuger bis zum Verbraucher

Mit seinem neuen Tool ermöglicht GS1 die Rückverfolgbarkeit eines Produktes entlang der Wertschöpfungskette.

••• Von Daniela Prugger

Im Zeitalter der Digitalisierung können sich Unternehmen durch Transparenz von ihren Mitbewerbern abgrenzen. Eines der größten Zukunftsthemen ist die Gewährleistung der Rückverfolgbarkeit – vor allem im Lebensmittelbereich. Die Umsetzung scheitert nicht immer am Willen der Unternehmer. In vielen Fällen gibt es keine passenden technischen Lösungen.

„An sich ist der Bereich Rückverfolgbarkeit ja gesetzlich definiert. Aber die Umsetzung ist jedem Unternehmen selbst überlassen. Manche nehmen Papier und Bleistift, andere elektronische Systeme”, sagt Christian Lauer, Leiter von GS1 Trace bei GS1 Austria. Im November 2018 wurde das neue Rückverfolgbarkeitsservice gelauncht. Die Devise ist einfach: „From farm to fork”, vom Bauernhof bis zur Gabel also, soll der Weg eines Produktes nachvollziehbar sein – besonders beim Fleisch.

Konsumentenvertrauen

Zum einen schafft das Tool GS1 Trace Abhilfe für Unternehmen entlang der gesamten Wertschöfpfungskette, weil es den effizienten und chargengenauen Datenaustausch ermöglicht. Zum anderen bildet es die rechtlich relevanten EU Verordnungen ab, die für heimische Unternehmen oft schwer zu überblicken sind. Und weil das Tool Transparenz schafft, erhöht es auch das Konsumentenvertrauen im hochsensiblen Lebensmittelbereich.

„Es geht heute nicht nur um die Herkunft eines Produktes, sondern auch um den Weg, den es zurückgelegt hat. Das ist dem Konsumenten wichtig”, sagt Lauer.
Der aktuelle Fokus liegt auf der Lebensmittelindustrie. Zu den derzeit typischen Anwendern von GS1 Trace in Österreich zählen Produktionsunternehmen im Frischfleisch- und Fleischwarenbereich.

Informationen auf Knopfdruck

Wie wichtig das Thema Rückverfolgbarkeit für Unternehmen in dieser Branche ist, weiß Lauer aus seiner eigenen Erfahrung: Bei der GS1 Austria war er jahrelang für den Frischebereich zuständig.

Für Unternehmen habe es oberste Priorität, eine einheitliche Sprache zu finden, genau festzulegen, wie man Rückverfolgbarkeit definiert und Chargennummern bildet. Deshalb nutzt GS1 Trace globale Standards, insbesondere Identifikationsnummern wie GLN, die „Global Location Number”, und GTIN, die „Global Trade Item Number”. So versucht GS1 Austria, neue Standards zu setzen.
Die Vergangenheit hat gezeigt, in welchen Fällen es besonders wichtig ist, Rückverfolgbarkeit zu gewährleisten. Etwa dann, wenn es einen Produktrückruf gibt. „Man muss die Wertschöpfungskette rückverfolgen können, um herauszufinden, wo Probleme verursacht wurden und welche anderen noch auftreten können”, sagt Lauer.
Ob Bakterienbelastungen oder technische Probleme – dass die Dokumentation sauber und zugänglich sein muss, steht heute außer Frage.

Für mehr Transparenz

„Wenn man in einem Betrieb aber nur mit Papier und Bleistift arbeitet, schafft das Fehlerquellen: Man kann sich verschreiben, Zettel gehen verloren, oder die Handschrift ist unleserlich. GS1 Trace ist ein Tool, mit dem man auf Knopfdruck die gesamte Wertschöpfungskette einsehen kann”, so Lauer.

Relevant ist GS1 Trace in Österreich vor allem im Bereich Frischfleisch und Fleischwaren. Und mit GS1 Trace sind vom Schlacht- bis zum Zerlegebetrieb entlang der Wertschöpfungskette alle dazu angehalten, ihre Daten in das System zu pflegen. „Die Rückverfolgbarkeit öffentlich zu machen, ist einfach ehrlich”, sagt Lauer. Bei GS1 Trace stellt jedes Unternehmen genau die Informationen zur Verfügung, für die es die Verantwortung trägt.
Unternehmen, die GS1 Trace verwenden, wollen transparent sein, weiß Lauer. Dass sie dadurch gleichzeitig auch die Bewusstseinsbildung beim Konsumenten fördern, sei ein positiver Effekt. „Klar ist, dass der Konsument immer mehr Transparenz fordert und diesen Service als Mehrwert versteht. Und die Unternehmen, die mitmachen, können sich von ihren Mitbewerbern abheben.”

Prüfalgorithmus

In Österreich arbeitet GS1 bereits mit 15 Lieferanten zusammen, die gut 2.300 unterschiedliche Artikelnummern in der Wertschöpfungskette einpflegen. Bei der gewissenhaften Anwendung des Services muss sich GS1 allerdings auf die Unternehmen verlassen.

„Die Manpower und Kompetenz für Kontrollen vor Ort haben wir nicht. Wir bieten einen Service an und gehen davon aus, dass die, die ihn nutzen, die Daten gewissenhaft einpflegen”, so Lauer. An sich gebe es einen Prüfalgorithmus.
„Aber es ist für uns schwer nachzuvollziehen, ob ein Produzent österreichische Schweine verarbeitet hat und ob davon nicht eines aus dem Ausland kam. Gegen kriminelle Energie ist kein Kraut gewachsen.”

Fullservice garantiert

Abhängig von ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, bezahlen kleine Unternehmen weniger, größere mehr. „Unabhängig von der Höhe der jährlichen Lizenzkosten haben alle Unternehmen denselben Fullservice inkl. Unternehmensbesuche direkt vor Ort”, erklärt Lauer.

Einer der großen Kunden von GS1 ist Metro. Der Großhändler war im Rahmen eines Pilotprojekts mit dem Fleischwarenhersteller Berger einer der ersten Nutzer von GS1 Trace. „Metro hat schnell verstanden, dass man das Tool auch als Marketinginstrument verwenden kann und arbeitet stark mit Storytelling, aber auch mit Rezepten für den Konsumenten”, erklärt Lauer den Zugang.

Auch für Eigenmarken

Im Falle von Metro laden sich die Konsumenten die passende App herunter und scannen dann den Strichcode auf dem Produkt ein. „Dies ermöglicht den Zugang zu einer Google-Landkarte mit Herkünften, dem Weg, den das Produkt gegangen ist, und wenn wir das Beispiel Fisch hernehmen die Fangzone, Informationen zur Fischart und so weiter”, erklärt der GS1 Trace-Leiter.

Metro zeigt auch, wie GS1 Trace für Eigenmarken genutzt werden kann. „Metro nutzt beispielsweise für zahlreiche seiner Produkte die eigene App ProTrace und differenziert sich natürlich dadurch”, so Lauer. Er weist aber auch darauf hin, welche Auswirkungen die Einbindung von Eigenmarken auf Markenartikler haben könnte:
„Viele Eigenprodukte werden ja von Markenartiklern hergestellt und wenn man zu denen viele Infos zur Verfügung stellt und zu den Markenartikeln nicht, dann bringt man Unternehmen damit auch unter Zugzwang.”

Was ist noch möglich?

Die Anwendung des Tools sei einfach: „Man versteht das System schnell und muss nur verstehen, wie es denkt. GS1 Trace denkt in Input und Output und versucht alle Schnittstellen zu verknüpfen”, so Lauer.

Doch GS1 bietet nicht nur für den Agrar- und Ernährungssektor eine Lösung. Grundsätzlich ist GS1 Trace für alle Branchen skalier- und anwendbar. Theoretisch könnte man GS1 Trace auch für Textilien und für die Bauwirtschaft nutzen.
www.gs1.at/gs1trace

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL