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Wachstumstorpedo Hanf: Aus der Nische ins Regal © Michael Kozak
© Michael Kozak

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Wachstumstorpedo Hanf: Aus der Nische ins Regal

Andrea Bamacher vom Deep Nature Project ortet neue Absatzkanäle für zeitgeistige Hanfprodukte.

••• Von Christian Novacek

Es gibt Wahrheiten, die aus gesellschaftspolitischem Kalkül ins Abseits gestellt werden. Wahr ist: „Hanf ist eine uralte Kulturpflanze”, weiß Andrea Bamacher, Geschäftsführerin von Deep Nature Project. Das ist jenes Unternehmen, das mit Hanfprodukten hierzulande einen Boom losgetreten hat – und mit Hanf in Bio-Qualität bereits die nächste Ausbaustufe erklimmt.

„Auch in Österreich war die Kulturpflanze Hanf in Gebrauch”, so Bamacher. Allerdings wurde sie als Droge etikettiert, ihre positive Wirkkraft verschwiegen. „Unsere Kunden sehen die verschiedenen Substanzen des Hanfs als gute Ergänzung einer bewussten Lebens- und Ernährungsweise”, kann Bamacher mittlerweile über eine erfolgte Imagekorrektur in Sachen Hanfpflanze berichten.

Sortimentstiefe

Zu dieser Imagekorrektur hat insbesonders Deep Nature Project klar beigetragen – und letztlich profitiert: Unter der Marke Medihemp gibt es heute eine breite Produktpalette, reichend vom Hanftee, über Hanf-Samen, bis hin zum Verkaufsschlager Hanföl in drei Dosierungen, wobei der Verkauf der Essenz die Mündigkeit des Konsumenten miteinkalkuliert.

So dynamisch sich die Produktpalette entwickelt, so dynamisch bauscht sich gleichsam der Erlös von Deep Nature mit auf: 2015 waren es 250.000 €, 2018 sieben Mio. €. „Auch für 2019 erwarten wir eine Umsatzsteigerung von 30 bis 35 Prozent”, freut sich die österreichische Hanf-Pionierin. Mit ihr freuen sich 60 Mitarbeiter am Standort in Gols – zum Vergleich: Vor vier Jahren waren es gerade mal vier.

Hanf-Plantagen

Rein äußerlich gleicht der Hanf auf den Feldern der Vertragsbauern von Deep Nature Project jenem, der halluzinogene Wirkkraft entfaltet. Und es hat sich auf einem burgenländischen Acker in Nähe der Produktionsstätte Gols wohl schon das eine oder andere Mal zugetragen, dass ein Tor in froher Erwartung einige Wipfel der Pflanzen absäbelte – nur: Die Mühe war umsonst! Denn das für die Berauschung verantwortliche THC ist aus der Pflanze herausgezüchtet. „Eine der Substanzen, auf der unsere Geschäftsidee gründet, heißt CBD”, sagt Bamacher unter Verweis auf mehr als 300 Cannabinoide im Hanf.

Was kann CBD?

Exkurs: CBD ist die Abkürzung für Cannabidiol, eine Substanz aus der Klasse der Cannabinoide. Von CBD wird man nicht high, es gilt als nicht-psychoaktives Cannabinoid. Das heißt, es wirkt nicht auf das zentrale Nervensystem und beeinflusst weder Auffassungsgabe noch Wahrnehmung – somit: Es löst keinen Rausch aus. Und, so Bamacher: „Wir sprechen hier vom Industriehanf, über dessen Verarbeitung als Lebensmittel es eindeutige, gesetzliche Regelungen gibt.” Der einstige Graubereich bekommt klarere Strukturen, die Akzeptanz seitens der Konsumenten steigt ebenfalls.

„Was wir nicht wollen”, so Bamacher, „ist, dass unsere Produkte als Stein der Weisen gesehen werden.” Grundsätzlich gilt, dass CBD eine beruhigende Wirkung hat. Und es gilt ebenso, dass ein reduziertes Stressempfinden die Basis für eine gute Gesundheit bildet.Im Bereich Mythen der nahen Zukunft angesiedelt wären z. B. Batterien aus Hanf. Allerdings: Ungewöhnliche Verwendungsmethoden können real werden; etwa wird der verseuchte Boden rund um das verunglückte Atomkraftwerk Tschernobyl mit Hanf entgiftet.

Für Konzerne kaum geeignet

Der Trend ums Hanf-Produkt ist ausgeprägt und entspricht einer Veränderung im Konsumverhalten. Ähnlich passiert das bei Fleisch-Alternativen, wo Unternehmen wie Beyond Meat reüssieren – unter zunehmendem Konkurrenzdruck der Konzerne. Wie ist das bei Hanf? „Hanf wird nicht weltweit gehandelt”, erläutert Bamacher und bringt damit die Krux aufs Tapet: Ein Konzern wie Nestlé setzt weltweites Agieren voraus. Weiters: Deep Nature hat für Ernte und Produktion eigene Maschinen entwickelt – ist also als First-Mover kaum einholbar. „Wir werden kontinuierlich weiterwachsen”, ist Bamacher entsprechend überzeugt.

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