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Wieder Debatte um Sonntagsöffnung in Wien © APA_Georg_Hochmuth

Mariahilfer Strasse, Wien.

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Redaktion 10.09.2019

Wieder Debatte um Sonntagsöffnung in Wien

Interessenvertretungen untermauern ihre Argumente mit unterschiedlichen Befragungen.

WIEN. Die Debatte um eine Öffnung der Wiener Geschäfte auch am Sonntag reißt nicht ab. Nachdem sich die Hoteliervereinigung am Donnerstag auf eine Umfrage berufen hat, wonach die Wienerinnen und Wiener gerne am Sonntag shoppen würden, kontert heute die Gewerkschaft, die sich ihrerseits auf eine Befragung beruft: Die Wiener Handelsangestellten würden Arbeit am Sonntag mehrheitlich ablehnen.

Laut der Marketagent-Umfrage im Auftrag der Hoteliervereinigung (ÖHV) unter rund 1.000 Personen sind 54 Prozent der Befragten für eine Sonntagsöffnung, etwa 57 Prozent würden auch am Sonntag einkaufen. Die Gewerkschaft GPA-djp hält dem eine Ifes-Befragung aus dem Jahr 2015 entgegen, bei der alle Wiener Handelsangestellten befragt wurden, wobei 8.677 gültige Stimmen gezählt wurden. Von ihnen verneinten 96 Prozent die Frage "Wollen Sie persönlich am Sonntag arbeiten?"

Fritz Pöltl, FCG-ÖAAB-Fraktionsvorsitzender der AK-Wien, kritisierte die Umfrage der Hoteliervereinigung als "No-Na-Umfrage". Die Wienerinnen und Wiener sollten auch über die Nachteile einer Sonntagsöffnung informiert werden, etwa, dass durch die Sonntags-Überstunden die Waren empfindlich teurer würden, für die Beschäftigten Eltern keine Kindergärten zur Verfügung stünden sowie die Mehrheit der Handelsangestellten und der Unternehmer dagegen seien.

Während der Handelsverband und die Betreiber von Shopping-Center für liberalere Sonntagsöffnungszeiten sind, sieht die Vertretung in der Wirtschaftskammer dafür keine Notwendigkeit. Der Handelsverband vertritt vor allem die Interessen großer Händler, die Wirtschaftskammer auch vieler kleiner. Zuschläge sowie ein freier Tag für die Beschäftigten machen den Sonntag für Firmen zu einem teuren Arbeitstag. Tourismuszonen steht aber auch die Kammer positiv gegenüber.

Wien ist das einzige Bundesland, in dem es keine Tourismuszonen gibt, in denen die Geschäfte sonntags offen haben dürfen. Die Freigabe dafür erfolgt von den Landeshauptleuten bzw. in Wien vom Bürgermeister. Schon der ehemalige Wiener Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) signalisierte dafür grundsätzlich Bereitschaft, machte aber eine Einigung zwischen Wirtschaftskammer und Gewerkschaft zur Grundbedingung. Das hat sich auch unter Michael Ludwig nicht geändert. Der Wiener Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke (SPÖ) konstatierte zuletzt, dass man darüber zumindest diskutieren sollte. (red)

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