RETAIL
Wir importieren Eier, deren Erzeugung in Österreich verboten wäre © Land schafft Leben, 2016

Hannes Royer, Obmann von "Land schafft Leben"

© Land schafft Leben, 2016

Hannes Royer, Obmann von "Land schafft Leben"

Redaktion 10.10.2018

Wir importieren Eier, deren Erzeugung in Österreich verboten wäre

2004 beschloss das österreichische Parlament das Ende der Käfighaltung im Inland. Importe sind davon aber nicht betroffen.

WIEN. Welt-Ei-Tag am 12. Oktober: Es gelangen täglich ganz legal Eier nach Österreich, die man so hierzulande gar nicht erzeugen dürfte. Der Grund dafür ist klar, Käfigeier sind deutlich billiger als heimische Eier aus Bodenhaltung.

Flüssiges Vollei ist ein beliebtes Produkt für die Herstellung von unzähligen Lebensmitteln wie Teig- und Backwaren. Vollei, das aus Eiern von Hennen in heimischer Bodenhaltung gemacht wird, kostet 1,70 bis 1,80 Euro pro Kilo. Durchaus günstig, könnte man meinen. Doch es geht noch viel billiger. Ausländisches Käfig-Vollei kostet nur 1,20 bis 1,25 Euro pro Kilo, ist also um über 20 Prozent billiger. Wer beinhart nach dem Preis kalkuliert und für Konsumenten produziert, die sich nicht für die Herkunft verarbeiteter Eier zu interessieren scheinen, greift zum Käfigei aus dem Ausland.

Kennzeichnung nicht verpflichtend
Hannes Royer, Obmann von Land schafft Leben, sieht hier unfaire Verhältnisse: „Heimische Produktionsstandards, etwa für Tierschutz und Arbeitsbedingungen, gelten nicht für importierte Lebensmittel. Das Lebensmittel Ei ist hier ein Beispiel von vielen. Wenn bei uns jemand Legehennen in enge Käfige sperren würde, wäre das sofort und völlig zurecht ein Skandal. So sind die Hühnerställe, in denen Eier für unsere Nudeln, Mehlspeisen und Fertiggerichte sowie teilweise für Speisen im Außer-Haus-Konsum erzeugt werden, tausende Kilometer entfernt. Aus den Augen, aus dem Sinn.“

Nicht einmal die Verpackung muss darauf hinweisen, wenn die verarbeiteten Eier aus Käfighaltung sind. Die Kennzeichnung von Herkunft und Haltungsform der Eier ist nur bei Schaleneiern verpflichtet. Es gibt aber viele Lebensmittelhersteller, die dem Wunsch von Konsumenten nach Transparenz folgen und freiwillig angeben, wie die Legehennen gehalten werden und woher die Eier kommen.

„Je mehr Konsumenten wissen wollen, wo die Eier in Nudeln, Mehlspeisen und Fertiggerichten herkommen, desto eher werden die Hersteller diese kennzeichnen“, ist sich Hannes Royer nach unzähligen Gesprächen mit Lebensmittelerzeugern sicher. „Vielleicht regt der Welt-Ei-Tag zum Umdenken an.“ (red)

 

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL