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„Wir sind Marktführer und expansiv unterwegs” © Intersport Austria
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christian novacek 05.07.2019

„Wir sind Marktführer und expansiv unterwegs”

Intersport-Chef Thorsten Schmitz ist zuversichtlich, im umkämpften Sportfachhandel bestens zu reüssieren.

••• Von Christian Novacek

Der Sporthandel ist, was das Gerangel um Marktanteile betrifft, stets sportlich unterwegs. Aktuell sieht sich Intersport klar in der Poleposition: „Wir sind Marktführer”, äußert sich entsprechend Geschäftsführer Thorsten Schmitz. Er verweist auf einen 2,7 Mrd. €-Markt, der leicht wächst und in dem Intersport rd. 22% Marktanteil beansprucht.

Danach folgen Hervis und Sport 2000. Aber auch die Diskonter Hofer und Lidl geben sich ambitioniert und werden von Schmitz – etwa anhand einer aktuellen E-Bike-Aktion bei Hofer – definitiv als Konkurrenz wahrgenommen. „Rechnet man die Diskonter raus”, so Schmitz, „dann liegt unser Marktanteil, bezogen auf die reinen Sporthändler, bei rund 28 Prozent.”
Für Spannung im Markt ist übrigens weiterhin gesorgt: Nach den von unterschiedlichen Erfolgen gekrönten Auftritten der Mitbewerber Sports Direct, XXL und Decathlon folgt in diesem Sommer die britische Sportmodekette JD Sports. Sie setzt, ähnlich wie Intersport in der SCS, starke modische Akzente und profitiert mithin vom Trend, Sportbekleidung verstärkt auch in der Freizeit oder im Büro zu tragen.
Neben den klingenden Marken tummeln sich im Sporthandel unzählige kleine und mittelgroße Händler. Diese sogenannten freien Händler bringen es auf einen Umsatzanteil von rund 45% am Gesamtkuchen. „Wir haben in Österreich einen sehr zersplitterten Markt”, kommentiert Schmitz, „der Trend geht aber eindeutig in Richtung Filialisierung.”
Freie Händler, die den Weg zu Intersport finden, seien ebenda sehr willkommen – mit kleinen Einschränkungen, denn gewisse Kriterien (etwa: Mindestfläche) sollten sie schon erfüllen. Auch die Frage, ob vor Ort bereits ein Intersport reüssiert, dürfte bei der Willkommenspolitik eine Rolle spielen.

Expansiv unterwegs

Die Intersport Verbundgruppe mit rd. 280 Geschäften hierzulande (entspricht 108 Händlern) bringt es gemeinsam mit den aus Österreich geführten Märkten Slowakei, Tschechien und Ungarn im Geschäfts-Halbjahr 2018/19 auf einen Umsatz von rund 441 Mio. €. Damit wird das Halbjahresergebnis aus dem vorigen Geschäftshalbjahr um 3,5% übertroffen. Der Anteil von Intersport Austria am Gesamtumsatz beläuft sich auf 383,7 Mio. €. „Damit haben wir unsere starke Position im umkämpften Sportartikelmarkt weiter ausgebaut”, ist Schmitz überzeugt.

Ein echter Tempomacher des Geschäfts ist derzeit das E-Bike: Mit 60,5% Umsatzplus ist es wie schon im Vorjahr ein absoluter Renner. „Hier zeigt sich die Begeisterung für das neue Trendsportgerät und das Bedürfnis der Kunden nach intensiver Beratung vor dem Kauf”, so Schmitz. Marketingleiter David Tews ergänzt: „Mit unserer Kampagne ‚Home of Bike' konnten wir die Kunden von der Kompetenz unserer Händler überzeugen. Außerdem wissen wir aus dem Intersport Sportreport 2018, dass Radfahren weiterhin die Topsportart bei den Österreichern ist.” Demnach geht bereits jeder zweite (48%) Österreicher regelmäßig Radfahren.
Logisch, dass Intersport auch künftig stark auf das Thema Bike setzen wird – mit allem Drumherum: Neben der profunden Beratung geht es dabei auch um die mögliche Leasing-Finanzierung oder die Bike-Versicherung um monatlich 7,50 €. Diese „Rundum-Sorglos”-E-Bike-Versicherung bietet Intersport nach eigenen Angaben exklusiv am österreichischen Markt an; damit ist das neue Rad nicht nur vor Diebstahl geschützt, auch Verschleißteile, Reparatur, ein Akkuschutz und ein Pick-up-Service sind darin enthalten.

Leihen statt Kaufen

Aber auch im Verleih sind die Bikes im Kommen: 133 von 190 Verleih-Geschäften verborgen ihre Bikes, der Rest konzentriert sich aufs Wintergeschäft und den Skiverleih. Auch hier gibt es einen bemerkenswerten Boom, nicht zuletzt dadurch ausgelöst, dass die Hotels den Skiverleih als zu aufwendig (Stichwort: Reparaturen) empfunden haben und heute lieber auf Sportgeschäfte verweisen.

Kongenial dazu entwickelt sich das Verhalten der Sportler hierzulande: In der wärmeren Jahreszeit radeln sie die Berge rauf und runter und im Winter gehen sie die Berge auf Ski-Tour rauf und fahren dann runter. Beide Sportarten sind sehr ausrüstungsaffin, demgemäß geht es der ohnedies spannenlukrativen Branche gut.

Lieber draußen als daheim

Laut Intersport Sportreport 2018 ist das „Naturerleben” (79%) einer der stärksten Motivatoren für Sportler. Im Outdoorbereich hat sich im Hinblick auf die Zielgruppe in den letzten Jahren viel getan. War Wandern früher eher für die Zielgruppe 50 plus, tummeln sich nun alle Altersklassen am Berg. „Vor allem auch junge Leute und Familien zieht es ganz stark raus in die Natur: Der Fashion-Aspekt bei der Bekleidung und das Thema Qualität und Beratung werden vor allem bei dieser Zielgruppe immer wichtiger”, so Schmitz.

Das geeignete Personal für die Beratung zu finden, ist gleichsam eine sportliche Aufgabe. Deshalb bietet Intersport einen völlig neuen Lehrberuf an: die Kombination aus Einzelhandelskaufmann mit Schwerpunkt Sportartikel plus die Skilehrer/Snowboardlehrerausbildung.

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