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Redaktion 14.07.2023

Weniger Umsatz

Die schwache Entwicklung bei den Konsumausgaben trübt auch den Ausblick für die heimische Druckindustrie.

WIEN. Die Ökonomen der Bank Austria erwarten in ihrem Branchenbericht für die heimischen Druckereien heuer weniger Umsatz. Nach zwei Jahren kräftigen Umsatzwachstums dürften sinkende Konsum- und Werbeausgaben 2023 wieder für Einbußen sorgen. Die Volkswirte rechnen im Jahresdurchschnitt mit einem Umsatzminus von nominell rund fünf Prozent, vor allem weil die Konsumnachfrage preisbereinigt voraussichtlich leicht sinken wird.

„Die Druckereien können auch längerfristig keinen störungsfreien Aufschwung mehr erwarten, da die Herausforderungen durch die Verbreitung digitaler Medien nicht geringer werden”, sagt Günter Wolf, Ökonom der UniCredit Bank Austria. „Zumindest sollte die Nachfrage nach bedruckten Verpackungen sowie der Bedarf an gedruckten Werbematerialien und der verstärkte Einsatz von Digitaldruck auch in Zukunft für Zuwächse der Druckleistung sorgen.”

Schwächerer Privatkonsum

Der wirtschaftliche Erfolg der Druckereien hängt fast vollständig vom privaten Konsum ab. Einerseits von den Haushaltsausgaben für Lesestoff, andererseits von der Nachfrage nach bedruckten Verpackungsmaterialien – und von den Werbeausgaben, die wiederum dazu dienen, die Kauflaune der Konsumenten zu wecken. Noch immer fließen rund 30% der Bruttowerbeausgaben in Österreich, das sind rund zwei Mrd. € im Jahr, zu druckrelevanten Medien.

Im ersten Quartal sind die Umsätze bei den Druckereien noch um durchschnittlich sechs Prozent (nominell) gewachsen. Ab April kühlte sich die Konjunktur in diesem Sektor jedoch ab. Bei der Konjunkturumfrage im Juni sahen die Unternehmen mehrheitlich eine zu niedrige Auftragslage. Die Druckereien, so die Prognose, werden in der zweiten Jahreshälfte 2023 weiter Einbußen erleiden – wegen der rückläufigen Industriekonjunktur und vor allem wegen der schwachen Entwicklung der Konsumausgaben.

Fehlende Marktmacht

Wegen der vergleichsweise kleinbetrieblichen Struktur gelingt es den Druckereien im Branchendurchschnitt auch kaum oder nur mit Verzögerung, etwa die Papierpreissteigerungen in den Erzeugerpreisen weiterzugeben. Der massive Anstieg der Papierpreise seit dem vierten Quartal 2021 hat die Ertragslage der Druckereien auf jeden Fall erheblich belastet. 2022 sind die Großhandelspreise von Papier und Pappe in Österreich um insgesamt 23% gestiegen, bis April 2023 um weitere 15% und erst in den letzten zwei Monaten hat sich der Preisanstieg auf vier Prozent abgekühlt. Gleichzeitig legten die Erzeugerpreise der Druckereien nur um durchschnittlich 2,8% zu.

Eine wirkliche Trendwende und stärkere Nachfragezuwächse nach Druckprodukten seien auch in Zukunft nicht zu erwarten, so die Ökonomen in einer Aussendung. Es werde immer unwahrscheinlicher, dass die zusätzliche Drucknachfrage vonseiten der Konsumgüterindustrie, vor allem für Verpackungen und Versandkartons, die Einbußen in anderen Segmenten aufwiegen könne. (sb)

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