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Die Alpenmilch Logistik schließt; Problem: „Seltsame Allianzen und Auswüchse” schädigen die heimische Milchwirtschaft.

Redaktion 14.04.2017

Bettelnde Bauernopfer

37 Bauern suchen händeringend nach Abnehmern für ihre Milch, Großmolkereien lassen ihre Muskeln spielen und sagen Nein.

WIEN. „Hände weg von der Milchwirtschaft! Das ist ein krankes und kaputtes System.” Der Bauer, von dem diese Worte stammen, ist am Boden, seine Existenz bedroht.

Vor acht Jahren übernahm er seinen Hof, den er die letzten Jahre sukzessive ausbaute, neue Tiere anschaffte. Vor zwei Jahren wagte der Bauer den Schritt in die Milchwirtschaft. Er entschied sich dafür, seine Bio-Milch an die Alpenmilch ­Logistik von Johann Furtmüller zu liefern, „weil dort der Preis besser war”. Damit ist nun Schluss. Die Molkerei musste aufgrund der schwierigen Marktumstände schließen – auch, weil es der Molkerei, einem Projekt der IG-Milch, von anderen Playern am Markt nicht unbedingt leicht gemacht wurde.

Milch-Machtspiele

Die Vorgeschichte: Vor einigen Jahren stiegen mehrere Bauern aus ihren laufenden Verträgen mit Molkereien wie der Nöm oder der Berglandmilch aus. Man wollte die Preise selber gestalten, unter einer eigenen Marke mit eigenem Vertriebssystem. Das Projekt scheiterte.

Von den 158 betroffenen Bauern, sind 37 noch ohne Vertrag. Die Ex-Lieferanten haben wieder das Sagen, lehnen Antragstellungen der „Milchrebellen” ab und manövrieren damit viele Höfe ins finanzielle Aus. (ow)

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