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Urbane Mobilität völlig neu denken © APA/Hans Punz

Alarmierende Zukunftsprognose: Studien zufolge könnten Stadtbewohner im Jahr 2050 durchschnittlich 106 Stunden pro Jahr im Stau stehen.

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Alarmierende Zukunftsprognose: Studien zufolge könnten Stadtbewohner im Jahr 2050 durchschnittlich 106 Stunden pro Jahr im Stau stehen.

Redaktion 31.10.2019

Urbane Mobilität völlig neu denken

Städte müssen neue Mobilitätskonzepte und -lösungen ­entwickeln, um in Zukunft nicht in Dauerstaus zu versinken.

Werfen wir einen Blick in die Zukunft: Wien im Jahr 2050. Deutlich mehr als zwei Millionen Menschen werden dann in der Stadt wohnen, heutige Randbezirke in die Mitte gerückt sein und noch mehr Menschen als heute aus den umliegenden Städten und Gemeinden zum Arbeiten in die City pendeln. Die wichtigsten Verkehrsrouten werden trotz der schon in den 2020er- und 2030er-Jahren erfolgten Erweiterungen um dritte, vierte, fünfte und sogar sechste Fahrspuren im Stau versinken, neuen Entlastungsstraßen und dem um viele Milliarden Euro gebauten Verkehrsring um die Stadt ergeht es nicht anders. Prognosen zufolge verbringen die Wienerinnen und Wiener dann – wie auch die Bewohner anderer Großstädte – im Schnitt 106 Stunden pro Jahr im Stau – mehr als vier ganze Tage! Und: Mehr als 17% der gesamten Biokapazität der Erde werden dann für urbane Mobilität aufgewendet.

Klingt erschreckend? Ist es auch! Allerdings: Nicht nur in Wien bemühen sich Verkehrs-und Stadtplaner seit Jahrzehnten, das prognostizierte Chaos in Grenzen zu halten, die Mobilität neu zu denken und zu lenken. Auch Unternehmen wie Kapsch haben die Gunst der Stunde längst erkannt und entsprechende Produkte und Lösungen im Portfolio.

Mehrere Ziele im Fokus

Aber alles der Reihe nach, widmen wir uns zunächst dem Dilemma der Verkehrs- und Stadtplaner, die sprichwörtlich auf mehreren Hochzeiten tanzen und dabei auch noch möglichst gute Figur machen sollten. Bewohner und Besucher wollen ihre Ziele schließlich schnell erreichen, die lokale Wirtschaft will optimal angebunden werden, der Verkehr soll trotzdem auf ein Minimum reduziert, die Umwelt entlastet und die Lebensqualität möglichst hoch gehalten werden.

Das ist gar nicht so einfach, wie das Beispiel einiger chinesischer Städte zeigt, die dem drohenden Verkehrskollaps mit drastischen Maßnahmen begegnen. So dürfen beispielsweise in Shanghai, Peking oder Guangzhou an bestimmten Tagen nur Autos die Straßen nutzen, bei denen die letzte Ziffer des Kennzeichens gerade oder ungerade ist. Auch die Zahl der Neuzulassungen von Fahrzeugen wurde bereits gedeckelt, und weitere Beschränkungen sind in Vorbereitung.

Verkehr intelligent steuern

Das Ziel einer fairen, gleichberechtigten und nachhaltigen Mobilität lässt sich laut Kapsch aber auch mit weniger restriktiven Ansätzen erreichen. Das Unternehmen setzt auf intelligentes, ganzheitliches Verkehrsmanagement zur Steuerung von Verkehrsströmen und städtische Zugangsregelungen, auf intelligente Parklösungen und Echtzeit-Verkehrsinformationen.

In Neuseeland beispielsweise hat Kapsch das gesamte Highway-Netzwerk mit einer ATM-Lösung (Advanced Traffic Management) ausgestattet; das System sammelt jede Menge Informationen (Videosystem, Radarsysteme, Wetterdaten, …), mit deren Hilfe in den Managementzentralen in Auckland und Wellington der Verkehrsfluss besser gesteuert und gelenkt werden kann.

Citymaut und Mautmodelle

Die Verkehrssteuerung kann aber auch wie in Singapur, London, Mailand, Stockholm oder Bologna über Mautmodelle erfolgen, die verschiedene Parameter heranziehen. Die Gebühren werden etwa auf Basis zurückgelegter Strecken, Zeit, Fahrzeugkategorie oder Emissionsklasse eingehoben und können auch in Echtzeit an die aktuelle Situation – Verkehrslage oder Emissionswerte – angepasst werden.

Ähnlich funktioniert das Prinzip städtischer Zugangsregelungen (Limited Access Zones oder Low Emission Zones), wie es beispielsweise eine ergänzend zum Citymaut-Bereich in London gibt. Fahrzeuge müssen vor dem Fahren dieses Bereichs registriert werden (kostenlos). Erfüllen sie die geforderte Emissionsklasse nicht, ist für das Befahren eine Tagesgebühr zu entrichten.

Echtzeit-Anpassungen

Eine weitere Möglichkeit zur effizienteren Steuerung des Verkehrs sind kontrollierte Fahrspuren. Das Prinzip, Fahrzeugen mit mehreren Insassen Vorrang zu geben und damit zur Stauvermeidung und Senkung der CO2-Emissionen beizutragen, lässt sich damit auch auf Pkw umlegen.

Sie können sogenannte HOV-Fahrspuren (High Occupancy Vehicles) nutzen, und auf Wunsch könnten diese Spuren auch für Verkehrsteilnehmer freigegeben werden, die bereit sind, eine Mautgebühr zu entrichten, um schneller an ihr Ziel zu kommen. Das wird dann als HOT (High Occupancy Toll) bezeichnet. Die Gebühr ist meist abhängig von der aktuellen Verkehrslage.
Potenzial sieht Kapsch darüber hinaus auch im Bereich intelligenter Parklösungen. Berechnungen zufolge entfallen 30 bis 40% des Verkehrsaufkommens in Städten auf parkplatzsuchende Pkw. Insgesamt sollen die gefahrenen Kilometer in urbanen Gebieten bis zum Jahr 2050 auf 67,1 Mrd. ansteigen – im Jahr 2010 waren es noch rund 25,8 Mrd..

Urbane Mobilität neu denken

Zudem müsse dem Technologiekonzern zufolge in Zukunft städtische Mobilität neu gedacht werden. „Es wird nicht mehr darum gehen, dass jede und jeder einzelne im Privat-Pkw reist”, so Kapsch auf seiner Website. „Vielmehr muss sich die Idee von Mobilität als Dienstleistung durchsetzen.”

Die Wahl des passenden Verkehrsmittels ist dann situationsbedingt. „Das reicht von Park & Ride und der Routenplanung unter Einbeziehung der jeweils schnellsten und günstigsten Verkehrsmittel”, so Kapsch, „bis hin zu integrierten Systemen für die Buchung und Abrechnung der Dienstleistung, die Menschen möglichst schnell und ­komfortabel von A nach B bringt.”
Und das weitgehend ohne Stau – ganz anders als im beschriebenen Eingangsszenario. (red)

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