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Digitalisierung braucht Visionen © APA/Herbert Pfarrhofer

Konvent Zu Beginn der 2000er hat es den Österreich-Konvent gegeben – jetzt braucht es für Österreich einen Digitalisierungs-Konvent. Bild: Österreich-Konvent, Sitzung im Juni 2003.

© APA/Herbert Pfarrhofer

Konvent Zu Beginn der 2000er hat es den Österreich-Konvent gegeben – jetzt braucht es für Österreich einen Digitalisierungs-Konvent. Bild: Österreich-Konvent, Sitzung im Juni 2003.

Redaktion 21.05.2021

Digitalisierung braucht Visionen

Wir brauchen die große Überschrift, das Ziel und den Plan. Dann können Aufgaben zugeteilt werden.

Gastkommentar ••• Von Michael Swoboda

WIEN. „Ich hab’ zwar ka Ahnung wo ich hinfahr’, aber dafür bin ich g’schwinder dort!” (Helmut Qualtinger). Das passt ein wenig zum Digitalisierungs-Status quo in Österreich. Vorwärts, immer schneller – aber wohin eigentlich? Die Regierung präsentiert wöchentlich neue und höhere Beträge, mit denen sie Österreich digital fit machen will – 170 Mio. € für die Schulen, 750 Mio. € für KMU. Das ist richtig und wichtig. Diese Mittel braucht es, wahrscheinlich sogar noch (viel) mehr. Aber es fehlt die Vision, wo Österreich bei der Digitalisierung hin will. Es fehlt das Ziel!

Die Digitalisierung ist die Zukunft und ja, sie ist eine große Chance – für Einzelne, für Unternehmen und für den Standort Österreich. Aber damit wir alle diese Chancen wirklich nutzen können, müssen wir die Digitalisierung zielgerichtet und aktiv gestalten. Es ist zu wenig, wenn Digitalisierungs-Enthusiasten vorweglaufen und der große Rest der Bevölkerung sieht hauptsächlich die Risiken.

Auch die Regierung ist am Zug

Wir brauchen die große Überschrift, das Ziel und den Plan. Dann können Aufgaben zugeteilt werden. Was leistet die Arbeitsmarktpolitik? Was sind die Anforderungen an die Bildungspolitik? Und wo braucht es professionelle Weiterbildung? Denn eines ist klar: Es wird ganz massive Anstrengungen in der Weiterbildungspolitik brauchen.

Wer macht die mehr als vier Mio. Erwerbstätigen in Österreich zukunftsfit? Viele belegen privat, in der Freizeit und auf eigene Kosten Digitalisierungskurse. Viele Unternehmen investieren Geld in die digitale Fitness ihrer Beschäftigten. Wir merken, wie sehr diese Kurse nachgefragt sind, weil Unternehmen wie auch Mitarbeiterinen und Mitarbeiter erkannt haben, dass nur mit aktuellem Wissen sinnvoll voranzukommen ist. Mit unserer ‚Zukunftsmillion' bieten wir Digitalisierungskurse stark ermäßigt an, denn für Menschen, die sich zukunftsorientiert weiterbilden, braucht es ganz dringend mehr Unterstützungen. Jetzt braucht es digitale Schubkraft in allen Altersgruppen, Jobs und Branchen. Da ist eindeutig jeder gefordert und auch die Regierung am Zug. Ebenso wie bei der großen Überschrift.
Zu Beginn der 2000er hat es den Österreich-Konvent gegeben. Ich bin überzeugt: Es braucht für Österreich jetzt einen Digitalisierungs-Konvent, bei dem die relevanten Stakeholder, unter Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger, die Vision für ein digitales Österreich entwickeln. Mit klaren Zielen, Zeitplänen, To-dos und digitalem Grundwissen für jede Frau, jeden Mann in diesem Land. Sonst, fürchte ich, verlieren wir uns in Stückwerk und vergeben eine große Chance.

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