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Fünf Praxis-Tipps fürs digitale Zeitalter © WU

Helga Pattart-Drexler, Head of Executive Education der WU Executive Academy, und Jan Mendling, internationaler Experte für Business Process Management.

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Helga Pattart-Drexler, Head of Executive Education der WU Executive Academy, und Jan Mendling, internationaler Experte für Business Process Management.

Redaktion 26.11.2018

Fünf Praxis-Tipps fürs digitale Zeitalter

Um die Digitalisierung kommt niemand herum. Aber wie lassen sich die ersten Schritte in die richtige Richtung konkret unternehmen?

WIEN. Im Binärsystem, der Basis der Digitalisierung, gibt es nur die Zahlen null und eins. Ebenso bestehen bei der digitalen Transformation nur zwei Zustände: Mitmachen oder draußen bleiben. Denn inzwischen ist allen Unternehmen bewusst, dass es ohne Digitalisierung nicht mehr geht – und zwar quer durch alle Branchen. Das Problem dabei: Während es an Prognosen und großen Ankündigungen nicht mangelt, hapert es sehr wohl bei der konkreten Umsetzung in die Praxis. Nur fünf Prozent der Unternehmen erreichen ihre selbst gesteckten Digitalisierungsziele derzeit, heißt es in einer weltweit durchgeführten Studie der Managementberatung Bain. Eine gewisse Rat- und daraus resultierende Tatenlosigkeit führt zu bisweilen dramatischen Verzögerungen und bringt sogar etablierte Unternehmen ins Wanken.

Worauf kommt es bei der Umsetzung aber nun wirklich an? Helga Pattart-Drexler, Head of Executive Education der WU Executive Academy, und Prof. Jan Mendling, stellvertretender Vorstand des Departments Information Systems and Operations an der WU, mit den fünf wichtigsten Tipps, die Unternehmen beherzigen sollten, damit der Schritt ins digitale Zeitaltert gelingt:

  1. Think big

Wo fangen wir konkret an? Antworten auf diese Fragen suchen Unternehmen oftmals in einer Vielzahl einzelner Projekte. Doch diese Strategie der kleinen Schritte ist nach Ansicht von WU-Professor Jan Mendling alles andere als optimal: „Digitalisierung heißt Kompetenzaufbau und Infrastrukturaufbau. Mit kleinen Schritten kommt man da nur langsam voran.“ Kompetenzaufbau bezeichnet in diesem Zusammenhang typischerweise die Methoden des Prozessmanagements, beim Aufbau der Infrastruktur müssen die Potenziale, die neue IT-Lösungen bieten, unbedingt genutzt werden, erläutert Mendling.

Fazit: Statt kleinteiliger Einzelprojekte muss das Thema Digitalisierung als Grundpfeiler in der Unternehmensstrategie eingebettet sein. Daraus kann dann ein konkreter Aktionsplan abgeleitet werden, der das Unternehmen als Ganzes im Fokus hat.

  1. Die richtigen Dinge tun vs. die Dinge immer richtig tun

Digitalisierung ist kein Projekt, sondern ein Prozess – dieser Gedanke steht wegweisend am Beginn des Umdenkens. Hektisch wird derzeit aber nach Werkzeugen gesucht, um die Digitalisierung rasch ins Unternehmen zu bringen. Bestes Beispiel ist Agiles Management, das derzeit besonders populär ist. Firmen sollten aber nicht einzelne Werkzeuge zum Ausgangspunkt der digitalen Transformation machen, sondern umgekehrt: „Erst nach einem tiefgehenden Digitalisierungsprozess ist Agilität überhaupt erst sinnvoll. In vielen Unternehmen sind Altsysteme und Altprozesse zu vielschichtig, zu wenig integriert und zu kompliziert“, warnt Jan Mendling. Agil könne man erst sein, wenn eine IT-Infrastruktur aufgebaut ist, die nützliche Abstraktionen liefert und schnelle Änderungen ermöglicht. Der wahllose Einsatz moderner Tools, wie etwa auch Scrum, ist daher nicht der richtige Weg, erklärt auch Helga Pattart-Drexler, Head of Executive Education der WU Executive Academy. „Es geht darum, nicht einfach nur ein Tool in den Raum zu stellen, sondern zu erklären, was es kann und wofür es verwendet werden soll.“

Fazit: Werkzeuge sind immer nur Hilfs- und nie Allheilmittel. Was es braucht ist eine fundierte Analyse aller Prozesse im Unternehmen, erst dann können jene Digitalisierungstools ausgewählt werden, die optimal zu den bestehenden Strukturen und Prozessen passen.

  1. Kulturwandel einleiten

Schon für Management-Vordenker Peter Drucker war die Unternehmenskultur unverzichtbarer Nährboden für die Strategie – sie gibt den Rahmen vor, in dem Erfolge und Innovationen gedeihen. Wer als digitaler Vorreiter wahrgenommen werden will, muss sich daher auch eingehend mit der Unternehmenskultur beschäftigen. „Wenn das entsprechende Mindset fehlt und die Geschäftsführung nicht klar kommuniziert, was erwartet wird, laufen viele Bemühungen ins Leere. Wem es hingegen gelingt, das ganze Unternehmen mitzureißen, schafft die ideale Voraussetzung für die digitale Transformation“, erläutert Helga Pattart-Drexler. Denn die Digitalisierung kann nur gelingen, wenn alle an einem Strang in die gewünschte Richtung ziehen. „Ziel einer gelungen Transformation muss es nämlich auch sein, Prozesse im Unternehmen einfacher, transparenter und effizienter zu gestalten und nicht einfach nur bestehende Prozesse zu digitalisieren“, meint Jan Mendling.

Fazit: Ein digitaler Wandel in einem Unternehmen kann nur gelingen, wenn dem kulturellen Wandel mindestens so viel Aufmerksamkeit geschenkt wird wie dem eigentlichen Digitalisierungsprozess selbst.

  1. Potenziale entfalten

Digitale Transformation heißt auch, Mitarbeiter aktiv dabei zu unterstützen, in Chancen zu denken und über den Tellerrand zu blicken. „Unsere Aufgabe als Führungskraft ist es, die vielfältigen Möglichkeiten aufzuzeigen, die sich durch die Digitalisierung ergeben. Das bedeutet gleichzeitig aber auch, ihnen die Angst vor der Veränderung zu nehmen und gezielt Fähigkeiten und Skills aufzubauen, die die Mitarbeiter dazu befähigen, sich in der digitalen Welt zurecht zu finden und vor allem wohl zu fühlen“, sagt Pattart-Drexler.

Fazit: Erfolgreiches Führen bekommt eine neue Dimension: Je mehr wir uns um unsere Mitarbeiter kümmern, desto mehr kümmern sie sich um unsere Kunden und der wirtschaftliche Erfolg stellt sich von ganz alleine ein.

  1. Hinweisschilder aufstellen

Verantwortung übertragen, Fehler zulassen, mehr Freiheiten einräumen – die Digitalisierung erfordert ein radikales Umdenken. „Mitarbeitern den nötigen Handlungsspieleraum und viel Platz zum Experimentieren zu geben, ist aber nur eine Seite der Digitalisierungs-Medaille: Was sie gleichzeitig aber auch brauchen, sind konkrete Spielregeln und Leitlinien, an denen sie sich orientieren können. Und ein Verständnis für die großen Zusammenhänge in einem Unternehmen: die bestehenden Geschäftsprozesse, die Systemlandschaft, die budgetäre Situation, etc.

Fazit: Kreativ zu agieren und Neues zu versuchen, kann nur funktionieren, wenn ich die Zusammenhänge kenne und weiß, wohin die (unternehmerische) Reise gehen soll. Als Unternehmen ist man daher gefragt, Richtung zu geben und transparent zu agieren. (red)

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