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Mind the gap: Fokus auf Frauenförderung © Pamela Rußmann

Vernetzung Die Sorority-Obfrauen ­Katharina Brandl und ­Therese Kaiser (r.).

© Pamela Rußmann

Vernetzung Die Sorority-Obfrauen ­Katharina Brandl und ­Therese Kaiser (r.).

daniela prugger 09.12.2016

Mind the gap: Fokus auf Frauenförderung

Netzwerke wie The Sorority fördern Frauen am Arbeitsmarkt. Mitgründerin Therese Kaiser im Gespräch.

••• Von Daniela Prugger

Dass Frauen in den unterschiedlichsten Berufen strukturell benachteiligt werden, hat Therese Kaiser schon immer wahrgenommen. Allein kann man dem aber nichts entgegensetzen, sagt sie. Deshalb hat Kaiser zusammen mit Katharina Brandl The Sorority gegründet, den mittlerweile größten Verein zur Karriereförderung von Frauen in ­Österreich. „Allein dass man das Gefühl hat, man ist nicht allein, bewirkt schon viel”, erklärt Kaiser. The Sorority hat mittlerweile um die 400 Mitglieder. Während zu Anfang Frauen aus den Bereichen Kunstgeschichte, Wissenschaft und Medien die Mehrheit bildeten, ist der berufliche Background der Mitglieder heute sehr unterschiedlich.

Zentrales Thema Arbeitsmarkt

Der Anklang, den das Frauennetzwerk, findet ist groß. The Sorority widmet sich vor allem dem Aspekt ‚Frauen am Arbeitsmarkt'. „Natürlich gibt es darüber hinaus noch zahlreiche andere Themen, denen wir uns widmen. Aber in den Kreisen, in denen wir uns bewegen, ist es den Frauen ein großes Anliegen, dieselben Chancen am Arbeitsmarkt zu haben wie Männer. Das Thema ist konsenstauglich”, so Kaiser.

Immer mehr heimische Unternehmen bemühen sich mittlerweile um Frauenförderung. „Doch viele profilieren sich bloß über dieses Thema. Feminismus ist heute auch eine Marketingstrategie”, sagt Kaiser. Frauenförderung muss ernst gemeint sein. In einem Unternehmenskontext bedeutet das, dass alle Konfliktpunkte berücksichtigt werden – „und nicht, dass am Ende die männ­lichen Mitarbeiter fragen, warum sie nicht gefördert werden.” Das Um und Auf sei es deshalb, die Ziele solcher Absichten klar zu kommunizieren. „Auch Frauennetzwerke innerhalb von Unternehmen sind eine wichtige Sache. Aber ohne Strategie werden Initiativen keinen Unterschied machen.” Und wenn die oberste Hierarchieebene in Firmenstrukturen nicht durchbrochen wird, dann läuft da etwas falsch.

Mind the Gap

Bekanntermaßen spiegelt sich die Ungleichbehandlung von Frauen und Männern auch bei der Entlohnung wieder. Nur in Estland war die Lohnschere zwischen Frauen und Männern im Vorjahr noch größer als in Österreich, so Eurostat. Zwar schließe sich der „Gender Pay Gap” kontinuierlich, allerdings nur ganz langsam; er betrug 2014 laut Statistik Aus­tria aber 18%.

Das Ungleichgewicht der Einkommen ist die Folge tiefverwurzelter gesellschaftlicher Entwicklungen; sie haben über Jahrzehnte hinweg ein Wertesystem geformt, das Frauen von Grund auf benachteiligt. Auch ein Blick auf die verschiedenen Wirtschaftsbranchen ist ernüchternd: Eben dort, wo die meisten Frauen arbeiten, sind sie an der Spitze am wenigsten vertreten. Die meisten weiblichen Führungskräfte wies im Jänner 2016 das Segment Dienstleistungen auf (13,4%). Doch im Handel und Finanz-Sektor – also Branchen, in denen die Beschäftigung von Frauen relativ hoch ist – bleiben die Werte mit 5,6% bzw. 6,6% auf einem niedrigen Niveau.

Quoten bringen Sichtbarkeit

Kaiser ist es irgendwie leid, über Quoten in den Vorstands­ebenen zu diskutieren. Es sei doch offensichtlich, dass sich von allein nichts ändert. „Der Vorwurf, dass man dann ‚bloß' eine Quotenfrau ist, ist völlig sinnfrei. Es hat sich ja schon oft genug gezeigt, dass es Strukturen gibt, die Frauen bei gleicher Qualifikation benachteiligen. Außerdem sprechen wir hier von Managementpositionen.”

Die obersten Führungsgremien in Österreich sind nach wie vor männer­dominiert: Jedes vierte der 200 größten Unternehmen kommt in der Geschäftsführung und Aufsichtsrat gänzlich ohne Frauen aus – das zeigt der AK-Frauen Management Report 2016 auf. Quoten, so Kaiser, haben eine Vorbildfunktion. Und schaffen Bewusstsein.

Riot Girls

Um die Aktivitäten und Ideen von The Sorority zu bündeln, hat der Verein im vergangenen Jahr das Business Riot Festival ins Leben gerufen. Das Medienecho sei auch 2016 gut gewesen, sagt Kaiser. „Aber vor allem bin ich immer wieder verblüfft darüber, wie viele tolle engagierte Frauen es gibt. Das ist und bleibt die größte Motivation für mich. Die Stimmung auf so einem Event kann man von Organisations­seite nur bis zu einem bestimmten Grad beeinflussen. Aber wir sehen, dass viele Teilnehmerinnen am Business Riot einfach Rede- und Handlungsbedarf haben und sich freuen, Teil davon zu sein.”

Der Großteil des Festivalprogramms behandelte die Frage, wie Chancengleichheit am Arbeitsmarkt erreicht werden kann. Dass sich bekannte Speakerinnen wie Birgit Moosmann, Gabriele Heinisch-Hosek, Christiane Funken und Gundi Wentner am Business Riot die Ehre geben, spricht für den Erfolg der Veranstaltung.

Kein Wohlfühlthema

Doch The Sorority ist kein „Suderverein”, wird Kaiser nicht müde zu betonen. Natürlich gehöre „Problematisierung” bis zu einem gewissen Grad zur Arbeit des Vereins dazu. „Wir versuchen aber einen positiven Ansatz zu vertreten.” Man arbeite deshalb aus Prinzip nur mit Firmen zusammen, die das eigene Anliegen auch wirklich teilen. Dass alle Partner weiblich sind, dürfte dabei kein Zufall sein. Leider, meint Kaiser, haben viele die Wichtigkeit von Feminismus noch nicht verstanden. „Feminismus ist kein Wohlfühlthema ist. Es ist extrem anspruchsvoll und anstrengend für alle, die in dem Bereich involviert sind. Auch in meiner Arbeit ist das so, man bekommt natürlich viel negatives Feedback”, sagt Kaiser. Mittlerweile gibt es viele Initiativen und unterschiedliche Herangehensweisen an den Feminismus. The Sorority ist für alle Richtungen offen, sagt Kaiser – ganz nach dem Credo: „Je mehr wir sind, desto besser.”

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