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Unternehmer rittern um weniger Bewerber © Marcher
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Redaktion 17.06.2022

Unternehmer rittern um weniger Bewerber

Marcher tut viel dafür, dass die Angestellten bleiben. In strikten Muster zu verharren, ist nicht angebracht.

••• Von Georg Sander

VILLACH. Die Marcher Fleisch­werke, ein Familienunternehmen, das heute in dritter Generation geführt wird – das geht nur mit gutem Personal. Die Leitung Human Resources der Unternehmensgruppe Marcher hat Helene Ebner inne; sie spricht über die brennendsten Themen.

medianet: Kaum ein Tag vergeht ohne negative Meldungen über den Arbeitsmarkt. Es fehlen Fachkräfte, Lehrlinge und Arbeitnehmer und Arbeitgeber finden einander nicht mehr. Welche positiven Entwicklungen können Sie beobachten?
Helene Ebner: Es ist richtig, dass es schwieriger geworden ist, qualifizierte Arbeitskräfte auf sich aufmerksam zu machen und für eine offene Stelle zu begeistern. Natürlich machen sich jetzt die geburtenschwächeren Jahrgänge bemerkbar und es ‚rittern' viele Unternehmer um wenige Bewerber. Trotzdem können wir feststellen, dass unsere Branche als extrem krisensicher wahrgenommen wird – dies wurde uns auch in einer internen Umfrage bestätigt. Wenn wir neue Mitarbeiter gewinnen können, schätzen sie unsere flachen Hierarchien, die raschen Entscheidungswege und das kollegiale Umfeld sowie das selbstständige Arbeiten und Entscheiden.

medianet:
Kommen wir konkret zu Ihrer Branche. Fleischfach­arbeit ist ein Mangelberuf in Österreich. Welche Schritte haben Sie beobachten können, um dem gegenzusteuern? Wie hat sich die Branche im letzten Jahr ent­wickelt und wo stehen wir?
Ebner: Hier müssen wir unterscheiden – natürlich ist der Fleischerfacharbeiter ein Mangelberuf und das ist er schon seit Jahrzehnten. Wir arbeiten hier mit fix angestellten Kollegen aus dem benachbarten Ausland, die jahrelang für uns tätig sind und zu einem großen Teil bereits mit ihren Familien in Österreich wohnen. Parallel dazu bieten wir Lehrlingsausbildungen an unseren Standorten an, vor allem auch im Bereich der Lebensmitteltechnik, aber auch für den Fleischerfachberuf. Diese Auszubildenden haben dann die Möglichkeit, Führungsfunktionen in der Produktion zu übernehmen – aber das Gros der Schlacht- und Zerlegearbeit werden auch in weiterer Zukunft Arbeiternehmer aus dem Ausland übernehmen. Für uns ist es wichtig, dass wir als namhafter Lebensmittelproduzent wahrgenommen werden und in den Schlüsselpositionen Qualitätsmanagement, Produkt­entwicklung, Sales, Controlling, IT tatkräftigen Nachwuchs finden.

medianet:
Der Fachkräftemangel betrifft leider noch weitere Berufe, vor allem jene, die mit Lehre zu erlernen sind. Zuletzt wurden Stimmen laut, die Lehre aufzuwerten. Helfen derartige Ankündigungen?
Ebner: Alles, was zu einer Verbesserung der Ausbildung und des Images von Lehrberufen führt, ist gut und wichtig. Vor allem die Möglichkeit, Lehre mit Matura zu absolvieren, halten wir für ein sehr gutes Modell – damit stehen einem jungen Menschen alle Wege offen und er hat eine profunde Berufsausbildung. Vielleicht führen diese Ankündigungen dazu, dass sich mehr junge Menschen überlegen, nicht nur eine AHS zu besuchen, sondern parallel auch eine Berufsausbildung zu machen.

medianet: In den letzten Jahren ist politisch doch einiges getan worden. Sind diese Maßnahmen schon spürbar?
Ebner: Wir haben einige Lehrlinge in Ausbildung; ob diese aufgrund der politischen Maßnahmen zu uns gekommen sind, können wir nicht sagen.

medianet:
Wie kann man beide Bereiche – Facharbeit sowie Lehre – aus Ihrer Sicht noch aufwerten? Was muss passieren, dass die Menschen diese Berufe ergreifen?
Ebner: Man muss auf die Bedürfnisse der Arbeitssuchenden eingehen, und hier ist auch bei uns ein Änderungsprozess im Gange – wenn z.B. flexible Arbeitszeiten ein ganz wesentliches Entscheidungskriterium sind, dann muss man diese auch anbieten oder sich überlegen, wie man die Arbeitsprozesse verändern kann, damit dies möglich wird. Zu verharren in einem strikten Muster, ist nicht angebracht.

medianet:
Marcher ist Österreichs größter Fleischproduzent und arbeitet stark im Bereich Employer Branding. Welche aktuellen Maßnahmen setzen Sie?
Ebner: Wir versuchen uns in erster Linie authentisch und transparent zu präsentieren. Wir sind ein spannender Arbeitgeber, wir decken die gesamte Wertschöpfungskette von der Schlachtung, über die Zerlegung bis hin zur Veredelung ab, wir sind einer der größten Produzenten von Fleischersatzprodukten, wir arbeiten mit namhaften internationalen Unternehmen wie z.B. Burger King eng zusammen. Die Möglichkeiten einer Karriere, die wir bieten können, sind tatsächlich sehr umfangreich und das versuchen wir z.B. über LinkedIn oder gezielte Pressearbeit zu verbreiten.

medianet:
Was erwarten Sie sich am Arbeitsmarkt, nachdem die Coronapandemie nun halbwegs im Griff zu sein scheint?
Ebner: Der Arbeitsmarkt wird kompetitiv bleiben, die Coronapandemie hat gezeigt, dass die Lebensmittelindustrie ein stabiler Arbeitgeber ist. Man muss als Arbeitgeber interessant sein und flexibel – dessen sind wir uns bewusst und daran arbeiten wir.

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