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Was kommt nach der Kickerkarriere? © BFI Wien/APA-Fotoservice/Hautzinger

TalkrundeSportpädagoge R. Parma, M. Wagner, M. Ortlechner, BFI Wien-Chef F.-J. Lackinger, Moderator T. Teufl, S. Maier­hofer (v.l.).

© BFI Wien/APA-Fotoservice/Hautzinger

TalkrundeSportpädagoge R. Parma, M. Wagner, M. Ortlechner, BFI Wien-Chef F.-J. Lackinger, Moderator T. Teufl, S. Maier­hofer (v.l.).

Redaktion 06.07.2018

Was kommt nach der Kickerkarriere?

Expertenclub des BFI Wien mit heimischen Fußballprofis über Berufsperspektiven nach dem „Tag X”.

WIEN. Wenn die Fußball-WM mit ihrem Star-Aufgebot jetzt die ganze Welt ein paar Wochen lang in ihren Bann zieht, vergisst man gern, dass die allermeisten Fußballer von diesem Milliardengeschäft nicht im Geringsten profitieren: Nur rund ein Prozent der Profi-Kicker schafft es weltweit in die obersten Ligen – auch in Österreich können nur wenige Spieler vom Ballsport leben. Einen beruflichen Plan B hat dennoch kaum ein Spitzensportler. „Was kommt nach der Kickerkarriere?” – dieser Frage widmete sich am Montag dieser Woche der Expertenclub des BFI Wien.

Angebote „noch ausbaufähig”

Trotz sommerlicher Temperaturen fanden sich in der Location in der Wiener Innenstadt zahlreiche Gäste ein. Das Thema kam im brechend vollen Saal der Labstelle rasch in Schwung. Dass Angebote in Richtung eines Plan B für Fußballer noch durchaus ausbaufähig seien, stellte Gastgeber Franz-Josef Lackinger, Geschäftsführer des BFI Wien, gleich zu Beginn fest. Denn selbst vom Profifußball könne man hierzulande kaum leben: „Die Hälfte der Spieler in der obersten Liga verdient weniger als 30.000 Euro brutto im Jahr, trotzdem machen nur etwa zehn Prozent eine berufsbegleitende Ausbildung.”

„Ausgesorgt hab ich nicht”

Berufliche und Ausbildungsoptionen für die Zeit danach sind gefordert – seitens der Sportler, deren Eltern, der Vereine … Lackinger: „Das BFI Wien kooperiert bereits mit tollen Projekten, etwa mit dem FAC oder mit Violafit bei der Wiener Austria. Wir wollen das ausbauen.”

Ihm sei schnell klar gewesen, dass er zumindest am Beginn seiner Karriere in Österreich vom Sport nicht leben könne, erzählte Stefan Maierhofer, bis zuletzt Stürmer beim SV Mattersburg: „Mein Ziel war es, so schnell wie möglich ins Ausland zu kommen.”
Als Kapitän der zweiten Mannschaft von Bayern-München habe er schon 2005 gut verdient. Später – als Erstligist in England, Deutschland, bei Rapid Wien oder Red Bull Salzburg – sei das Gehalt „mitgewachsen”: „Ich habe gutes Geld verdient und konnte meinen Eltern etwas zurückgeben. Aber ausgesorgt habe ich nicht.” Deshalb gründete Maierhofer unter anderem auch die Sportlerberaterfirma Sportscon.

„Ein knochenharter Job”

Fußball, meinte der frühere Teamspieler Michael Wagner – er spielte unter anderem beim SC Freiburg in Deutschland, bei Rapid und Austria Wien – sei nicht nur ein Privileg, sondern auch ein knochenharter Job: „Am Anfang bist du froh über jedes Autogramm, das du geben darfst. Aber irgendwann sitzt du in Bilbao, während deine Frau zu Hause ihren 30er feiert. Das ist nicht immer lustig.”

Für einen Plan B habe man in der aktiven Phase kaum Zeit, meint Wagner: „Aber dann kommt der Tag X, wo du nicht mehr Profi bist und dich um deine Ausbildung kümmern musst.” An diesem Punkt komme er dann mit seiner Firma JobConsulting ins Spiel, einem Personalmanagementunternehmen, das in Österreich und Deutschland aktiv ist.

„Verdammte Verantwortung”

Manuel Ortlechner nimmt auch die Clubs in die Pflicht. Es sei deren „verdammte Verantwortung”, sich schon vorher um die Weiterbildung ihrer Spieler zu kümmern, so der frühere Kapitän der Wiener Austria: „In Österreich landen 97 Prozent der Hoffnungsträger aus den Akademien in den unteren Ligen. Die Clubs müssen hier Unterstützungsarbeit leisten.” Deshalb sei ihm Violafit – die von Ortlechner initiierte Bildungsinitiative des FK Austria Wien – mittlerweile auch ein „Herzensanliegen”.

„Es braucht zwei Welten”

Sportpädagoge Robert Parma macht auch eine erfolgreiche Schulkarriere für den Erfolg im Spitzensport verantwortlich: „Ich denke seit 25 Jahren darüber nach, warum es Vorbilder wie Andreas Ivanschitz oder Maximilian Wöber, die unter meinen Fittichen waren, ganz nach oben geschafft haben. Was sie alle gemeinsam hatten: Sie waren im Sport und in der Schule zielstrebig”, meint der Leiter des Schulleistungssportzentrums Wien West in der Maroltingergasse. „Es braucht zwei Welten, um im Sport erfolgreich zu sein. Wenn sich einer neben dem Sport noch anderweitig weiterbildet, dann befruchtet sich das gegenseitig.” Dafür könnten sich die Spitzensportler aus 33 Disziplinen an der Maroltingergasse auch vom Unterricht freistellen lassen. An den Unis sei das später „leider nicht mehr der Fall”.

Lehrberufe: „Riesenmangel”

Nachholbedarf in Sachen Kompatibilität sieht Michael Wagner auch beim Thema Sport und Lehre: „Es geht nicht immer nur um den Bachelor oder Master. Wir orten mit unseren Firmen speziell bei Lehrberufen einen Riesenmangel”, betont er. „Elektriker, Installateur oder Maurer, das sind tolle Berufe, die nicht nur in Österreich gefragt sind. Zum Glück haben wir da mit dem BFI Wien einen tollen Partner, der diese Ausbildungen ermöglicht, auch als Plan B.”

Und wer wird Weltmeister?

Uneinig waren sich die Diskutanten nur bei ihren Tipps für den Weltmeistertitel. Hier fielen Belgien Frankreich, Argentinien – und Brasilien.

Moderiert wurde die Diskussionsrunde von Thomas Teufl, Bereichsleiter Privat- und Firmenkunden sowie Marketing am BFI Wien. (sb)

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