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Geldpolitik & Aktien © Robert Halver

Klare Worte Robert Halver veröffentlicht seine Kommentare regelmäßig auf hellobank.at.

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Redaktion 27.11.2020

Geldpolitik & Aktien

„Auch 2021 wird die Geldpolitik Licht in dunkle Aktien-Zeiten bringen”, meint Baader Bank-Finanzexperte Robert Halver.

Gastkommentar ••• Von Robert Halver Baader Bank, Frankfurt

EXPERTE. Die Aussichten für Aktien scheinen nicht rosig zu sein. Aufgrund von Pleiten, Pech und Pandemie sowie Handelsstreitigkeiten sind Konjunktur und Unternehmensgewinne so unberechenbar wie das Wetter im April. Hinzu kommen schwierige geopolitische Rahmenbedingungen und eine weltweite Verschuldung, die sich am olympischen Motto ‚Schneller, höher, stärker' orientiert. Doch verfügen die Aktienmärkte auch zukünftig über ein Megathema, das sogar die Digitalisierung in den Schatten stellt: billiges und viel Geld.

Die Rolle der Notenbanken

Tatsächlich sorgen Notenbanken weiterhin dafür, dass die Neuverschuldung zur Verhinderung von Konjunkturkrisen, sozialen Unruhen oder auch Euro-Sklerose zinsseitig tragbar bleiben, also ohne das Risiko eines finalen Schulden-Crashs. Dazu saugt die EZB das komplette Angebot an neuen Schuldpapieren der ­Eurozone wie ein Schwamm auf. De ­facto haben Notenbanken und Staatswirtschaft freundlich fusioniert: Die einen zahlen die Rechnung der anderen.

Selbst höhere Preissteigerungen lassen die EZB ziemlich kalt. Nach einer langen Phase zu niedriger Inflation will sie auch einen langen Zeitraum mit höherer als dem Zielwert von zwei zulassen. Aber wie lang ist lang? Im Grunde wurde ein Gummiparagraf geschaffen, mit dem jede restriktive EZB-Politik auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben wird. Übrigens würden hohe Zinsen den Euro stärken und die europäische Exportfähigkeit schwächen.

An den Zinsen hängt alles

Wo keine Kreditzinsen, da auch keine Anlagezinsen. Spätestens nach einer Inflation zahlen die Zinssparer drauf. Erst recht wird diese Anlageform zum Masochismus, wenn man bedenkt, dass die tatsächliche Preissteigerung die offiziell geschönte übertrifft. Während der Staat sich also über die ­Inflation real entschuldet, werden die Zinssparer ‚entreichert'.

Und so spricht die Zins-Diaspora, der Anlagenotstand, auch 2021 für Aktien. Absolut betrachtet sind Aktien zwar nicht billig, insbesondere Hightech-Titel. Aber Zinspapiere sind noch um ein Mehrfaches teurer. Dabei spricht ihre wie Eis in der Sonne schmelzende Bonität nicht für einen Luxusartikel. Überhaupt ist der Abbau der Staatsverschuldung so unwahrscheinlich wie ein Badeurlaub am Nordpol. Aktien sind also relativ billig und haben auch noch intakte Geschäftsmodelle.

Langfristig in Aktien anlegen

Natürlich wird es immer wieder zu Konsolidierungen am Aktienmarkt kommen, die aber wie in der Vergangenheit auch immer wieder aufgeholt werden. Hier empfehlen sich regelmäßige Aktiensparpläne. Wer langfristig genug investiert, kann nicht verhindern, vermögend zu werden. Interessanterweise wirken selbst sinkende Kurse ‚positiv' – dann bekommt man für seinen gleichbleibenden Sparbeitrag mehr Aktienanteil. Im Einkauf liegt auch hier der Gewinn.

Ja, auch im nächsten Jahr gibt es Aktien-Risiken. Aber wenn man denkt, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein geldpolitisches Lichtlein her. Lichtlein? Vielmehr die Flutlichtanlage eines großen Stadions …

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