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Ikea Westbahnhof © querkraft/Alvarez

Visionär Gemeinsam mit seinem Team entwarf Jakob Dunkl das visionäre Projekt eines vertikalen Parks, in dem gleichzeitig ein Möbelhaus und ein Hostel stecken.

© querkraft/Alvarez

Visionär Gemeinsam mit seinem Team entwarf Jakob Dunkl das visionäre Projekt eines vertikalen Parks, in dem gleichzeitig ein Möbelhaus und ein Hostel stecken.

Redaktion 27.08.2021

Ikea Westbahnhof

Jakob Dunkl, Mitbegründer des Architekturbüros querkraft, über „einen unserer schönsten Aufträge ever”.

WIEN. Ikea – auf der einen Seite Synonym für stylishe Möbel und Einrichtungsgegenstände und auf der anderen für königsblaue Riesenquader an der Peripherie von Großstädten. Es ist ein bisschen wie „Denken Sie jetzt nicht an rosa Elefanten”. Für das neue Ikea hus am Wiener Westbahnhof musste, logischerweise, etwas völlig Neues her. Über dieses Neue – es stammt aus der Feder des Architekturbüros querkraft – unterhielten wir uns mit querkraft-Mitgründer Jakob Dunkl.

medianet:
querkraft hat das neue Ikea hus am Westbahnhof geplant. Wie kam’s dazu?
Jakob Dunkl: Wir konnten den Ikea-Architekturwettbewerb für uns entscheiden. Normalerweise sind wir bei Wettbewerben immer ein bisserl vorsichtig – bei diesem hatten wir aber keine Sekunde gezögert, weil wir von der Aufgabenstellung so begeistert waren.

medianet:
Weil? Was war so besonders daran?
Dunkl: Die Aufgabenstellung war, einen Ikea zu schaffen, der keine Parkplätze hat, der mitten in der Stadt steht, der Zusatznutzungen hat – wie andere Retailer – und der sehr öffentlich sein soll. Das Ganze unter der sehr eindeutigen Ikea-Prämisse: ‚We want to be a good neighbour!'. Wir sahen das als einmalige Chance, an einem Paradigmenwechsel teilzunehmen.

medianet:
Wie plant man etwas noch nie Dagewesenes für so einen ‚prominenten' Kunden, ohne gleich in blauen Boxen zu denken?
Dunkl: Sie vergessen alles und fangen bei Null an. Sie beginnen über die Urwerte der Marke ‚Ikea' nachzudenken. Das war für uns ‚freundlich, offen, unkonventionell und locker, aber auch pragmatisch und menschlich'. Der Entwurf musste zu Ikea passen, modular wirken – so kamen wir dann auch auf diese Metapher des Regals.

Architektonisch basiert das Gebäude auf einem sogenannten Grid, einem Rahmen. Das Kerngebäude haben wir auf allen vier Seiten um 4,3 Meter hineingerückt, sodass nun rund um das Haus eine luftige Arkade zum Verweilen einlädt.


medianet:
Schaut das nur gut aus oder bietet diese Bauweise noch andere Vorteile?
Dunkl: Diese Bauweise bietet im Inneren eine extrem flexible bzw. variable Fläche, da sich alle haustechnischen Anlagen wie etwa Treppen oder Aufzüge in diesem Grid befinden. In den einzelnen Stockwerken befinden sich keine störenden Elemente, das ist alles außen.

Durch diese Flexibilität haben wir auch eine Langfristigkeit in der Nutzbarkeit geschaffen.


medianet:
Hört sich nachhaltig an …
Dunkl: Ist es auch. Wir glauben, Gebäude sind im ökologischen Sinne dann nachhaltig wenn sie lange, also über Jahrzehnte, nutzbar sind. Und nicht, wenn sie eine Zehntel Dezimalstelle bessere Energieeffizienz haben. Was jetzt nicht heißt, dass wir uns nicht um Energieeffizienz kümmern; das zeigen ja auch die 160 Bäume am Gebäude.

medianet:
160 Bäume? So viel hat kaum ein Park in Wien!
Dunkl: Bäume haben eine unglaubliche Wirkung auf das Mikroklima – viel stärker als Kletterpflanzen. Messbar kühler sind es bis zu 1,5 Grad, der gefühlte Temperaturunterschied ist aber wesentlich höher.

medianet:
Sollten wir uns also alle Bäume auf’s Dach setzen?
Dunkl: Ja! Aber jeder unserer Bäume hat seinen Platz vom Statiker regelrecht zugewiesen bekommen; Sie können nicht einfach drauflospflanzen.

medianet:
Wie würden Sie das Projekt ‚Ikea am Westbahnhof' in einem Satz zusammenfassen?
Dunkl: Es war einer unserer schönsten Aufträge ever.

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