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„Basis unserer Kultur” © Gerry Frank Photography

Rainer Trefelik, Obmann der Sparte Hande, WKO: „Nicht blenden lassen!”

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Rainer Trefelik, Obmann der Sparte Hande, WKO: „Nicht blenden lassen!”

04.03.2016

„Basis unserer Kultur”

Jeder soll bezahlen können, wie er will, meint Rainer Trefelik, ­Obmann der Sparte Handel der WKO, in einem Gastkommentar.

WIEN. Immer wieder geistert die Forderung nach einer Abschaffung des Bargelds durch die Medien. Bargeld ist jedoch die Basis unserer Kultur und unseres Wirtschaftssystems.

Die prominentesten Vertreter der Theorie, ein Bargeldverbot könnte die Wirtschaft ankurbeln und auch die Arbeit der Zentralbanken vereinfachen, sind der deutsche Ökonom Peter Bofinger und der US-Ökonom Kenneth Rogoff.
Auch wenn das bargeldlose Bezahlen auf den ersten Blick viel praktischer erscheinen mag, so sollte man sich davon nicht blenden lassen. Bargeld ist Teil unseres Wirtschaftssystems und es geht hier um die persönliche Freiheit jedes Einzelnen und um Individualität. Der Preis, den wir zahlen würden, sollte Bargeld komplett abgeschafft werden, ist ein hoher. Dadurch werden Menschen noch gläserner und noch manipulierbarer. So hat ja auch Nationalbankchef Ewald Nowotny in der Presse vom 28.5.2015 gemeint, dass Bargeld auch weiterhin eine entscheidende Rolle in der Wirtschaft spielen werde und sollte. Auch Nowotny wendet sich gegen „irgendeinen Zwang in der Frage, was ich als Zahlungsmittel verwende”.

Neue Steuern?

Mit einer vollkommenen Digitalisierung des Zahlungsverkehrs sind auch neue Steuern und Zwangsabgaben zu befürchten. Da hätte niemand mehr einen Überblick. Das sichere Bargeld der Zentralbanken fiele weg, die Ersparnisse und Guthaben der Bürger würden ausnahmslos in elektronischer Form auf Sparkassen und Banken liegen.

Wie kann man dann noch Sparguthaben in sicheres Bargeld umtauschen, um den drohenden Wertverfall durch Zinsanpassungen zu stoppen? Wenn schon eine stärkere Gewichtung auf unbare Kreditkartenzahlungen gelegt werden soll, ist es auch notwendig, dass sich Kreditkartenunternehmen endlich auf einheitliche Disagio-Sätze einigen. Solange jeder Anbieter unterschiedliche Tarife anbietet, herrscht keine Transparenz – weder für den Unternehmer noch für den Konsumenten.

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