FINANCENET
Das sind die Themen, die die Wirtschaft belasten © PantherMedia/biancoblue (YAYMicro)
© PantherMedia/biancoblue (YAYMicro)

Redaktion 25.11.2022

Das sind die Themen, die die Wirtschaft belasten

Die Deloitte CFO Survey zeigt, wo es den Firmen weh tut – Fachkräftemangel, Inflation und Konjunktur schmerzen.

••• Von Reinhard Krémer

Mit dem CFO Survey analysiert das Beratungsunternehmen Deloitte halbjährlich die Stimmung unter europäischen Finanzvorständen. Für die aktuelle Umfrage haben rund 1.200 CFOs in ganz Europa, darunter auch 60 österreichische Finanzvorstände, ihre Meinung geteilt. Dabei zeigt sich: Die angespannte weltwirtschaftliche Lage ist deutlich spürbar. „In ganz Europa lässt sich ein merklicher Stimmungsabfall beobachten. Laut unserer Studie hat die Unsicherheit unter den europäischen Finanzvorständen ein Rekordhoch erreicht”, sagt Gerhard Marterbauer, Partner bei Deloitte Österreich. Im Vergleich zu Nachbarstaaten wie der Schweiz (90%) oder Deutschland (85%) befindet sich das Unsicherheitsniveau hierzulande mit sechs Prozent im europäischen Mittelfeld.

Neben dem anhaltenden Fachkräftemangel (72%) bereiten den österreichischen Befragten derzeit vor allem die unklaren Konjunkturaussichten (69%), in die Höhe schnellende Strom- und Gaspreise (59%) sowie geo­politische Risiken (56%) große Sorgen.

Die Inflation macht Kopfweh

Die noch vor einem Jahr dominierenden Risikofaktoren Covid-19 und Klimawandel haben angesichts der aktuellen Lage an Bedeutung verloren. Die Folgen des Ukrainekrieges sind für die europäische Wirtschaft enorm. Eine zeitnahe Entlastung ist nicht in Sicht: Im kommenden Jahr rechnen die CFOs hierzulande mit einer Inflationsrate von acht Prozent, für die Eurozone werden sechs Prozent erwartet.

Mit dieser Prognose zeigen sich die österreichischen Befragten im Europavergleich besonders pessimistisch. Nur in Griechenland erwartet man noch höhere Inflationsraten.
Die heimischen Unternehmen begegnen der aktuellen Lage mit Pragmatismus. Um die Auswirkungen der Inflation abzufedern, ist die Weitergabe der gestiegenen Kosten an die Endverbraucherinnen und -verbraucher sowohl in Österreich als auch europaweit die gängigste Strategie.

Die Politik muss eingreifen

Die Reduktion der Energienutzung sowie die Fokussierung auf Märkte, Produkte oder Dienstleistungen mit höheren Margen stehen hierzulande ebenfalls hoch im Kurs.

„Trotz aller Bemühungen können die Unternehmen die finanzielle Mehrfachbelastung auf Dauer nicht alleine schultern. Was es jetzt braucht, sind EU-weite wirtschaftspolitische Interventionen, um die derzeit vorherrschende fragile Situation abzumildern”, so der Deloitte-Experte.

Investitionen weniger wichtig

Die unsichere Lage macht sich auch bei der Investitionsbereitschaft bemerkbar. So rechnet mit 86% die deutliche Mehrheit der österreichischen Befragten in nächster Zeit mit einer Verschlechterung des Investitionsklimas. Nur 14% glauben, dass der aktuelle Status quo bestehen bleibt – im heurigen Frühjahr waren es immerhin noch 25%.

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass aktuell nur rund ein Viertel der österreichischen Betriebe ernsthaft darüber nachdenkt, seine Investitionen zu erhöhen. Digitalisierung (92%), das Wachstum in bestehenden Märkten (85 %) und die Akquisition neuer Talente (83%) haben aktuell strategische Priorität. Auch das Thema Nachhaltigkeit (79%) ist mittlerweile zu einem bedeutenden Bestandteil der Unternehmensstrategien geworden.

Schwere See voraus

Die Unternehmen kämpfen derzeit mit Krisen auf allen Ebenen, dementsprechend negativ sind die Geschäftsaussichten. Die Mehrheit (56%) der Finanzchefinnen und -chefs ist laut eigenen Angaben hinsichtlich der finanziellen Erfolgsaussichten pessimistischer geworden. Damit sind die österreichischen CFOs nur minimal positiver eingestellt als der Europaschnitt (60%).

Zumindest hinsichtlich der Umsatzentwicklung ist die Einschätzung etwas besser: Fast ein Fünftel der heimischen Befragten geht von einem starken Anstieg der Umsätze aus, 41% rechnen mit einem leichten Plus. Ein Drittel erwartet im nächsten Jahr jedoch einen Umsatzrückgang.

In die Defensive gezwungen

„Die Entwicklung der letzten Monate hat bei den Finanzvorständen keine Freudensprünge ausgelöst. Nach den überstandenen Coronalockdowns wollten im Vorjahr viele Unternehmen endlich auf expansive Maß­nahmen setzen. Jetzt wurden sie erneut in die Defensive gezwungen. Mit gezielter Unterstützung werden sie aber auch diese Krise überstehen – der Ball liegt bei der Politik”, sagt Marterbauer.

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL