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Die Börsengänge sind abgeschossen © APA / AFP / Getty-Images / Spencer Platt

Börsengänge oder IPOs für Initial Public Offerings sind seit Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine Mangelware.

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Börsengänge oder IPOs für Initial Public Offerings sind seit Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine Mangelware.

Redaktion 08.04.2022

Die Börsengänge sind abgeschossen

Geopolitische Spannungen lassen den weltweiten IPO-Markt einbrechen. Die Zahl der Börsengänge hat sich halbiert.

••• Von Reinhard Krémer

WIEN. Nach einem sehr lebhaften Jahresauftakt im Jänner ist die Zahl der Börsengänge im Februar und März angesichts sich zuspitzender geopolitischer Spannungen weltweit eingebrochen: Insgesamt wagten im ersten Quartal weltweit lediglich 321 Unternehmen den Sprung aufs Parkett – das waren gleich 37% weniger als im Vorjahreszeitraum.

Das Emissionsvolumen sank um 51% auf 54 Mrd. USD, zeigt das aktuelle Global IPO Update des Beratungsunternehmens EY.
Damit fanden der Aufwärtstrend der Vorquartale und das positive Momentum aus dem Rekord-IPO-Jahr 2021 ein jähes Ende. Im Jänner hatte das weltweite Emissionsvolumen mit 32 Mrd. USD noch auf dem höchsten Stand seit 21 Jahren gelegen, im Februar brach es angesichts einer Verdoppelung der Volatilität infolge der geopolitischen Spannungen – im Vergleich zum Vorjahresmonat – von 36 auf zehn Mrd. ein, im März sogar von 47 auf zwölf Mrd.

USA und Europa voll getroffen

Der stärkste Einbruch wurde in den USA registriert: Im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres sank in den Vereinigten Staaten die Zahl der Börsengänge von 100 auf 25, das Emissionsvolumen schrumpfte sogar um 94% von 42 auf gut zwei Mrd. USD.

Auch in Europa waren hohe Einbußen zu verzeichnen: Die Zahl der Börsengänge hat sich von 89 auf 47 fast halbiert, das Emissionsvolumen ist von 26 auf knapp drei Mrd. USD zurückgegangen.
Am wenigsten beeindruckt zeigte sich der chinesische Markt: In China (einschließlich Hongkong) wagten im ersten Quartal 97 Unternehmen den Schritt an die Börse, das waren 28% weniger als im Vorjahr.

Tech runter, Rohstoffe rauf

Das Emissionsvolumen stieg hingegen leicht um zwei Prozent auf 30 Mrd. USD. Die meisten IPOs wurden im ersten Quartal in den Segmenten Technologie und Rohstoffe durchgeführt. Im Technologiesegment schrumpfte das Emissionsvolumen von 48,1 auf 9,9 Mrd. USD, die Zahl der Börsengänge sank um 57% von 136 auf 58.

Anders war die Entwicklung im Bereich Rohstoffe: Die Zahl der Börsengänge kletterte von 50 auf 58, das Emissionsvolumen von 4,4 auf 5,9 Mrd. USD.

Pierer Mobility zeigte auf

Auf den Rängen drei und vier lagen IPOs von Industrieunternehmen (Rückgang von 67 auf 57 IPOs) und Unternehmen aus dem Gesundheitssektor (Rückgang von 84 auf 49 IPOs).

In Österreich gab es im ersten Quartal Aktivitäten im Top-Segment: Mit 1. März 2022 startete die Pierer Mobility AG im prime market. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 2,7 Mrd. € reiht sich das österreichische Unternehmen unter den Top-20-Emittenten nach Kapitalisierung im prime market ein.

Wien Nummer 1 bei Anleihen

Im Einstiegssegment „direct market plus” an der Wiener Börse gab es im Jänner ebenfalls einen Neuzugang – das Unternehmen Lekta Therapy Ltd. Der direct market plus richtet sich seit 2019 als Möglichkeit zum einfachen Kapitalmarkteinstieg an Klein- und Mittelbetriebe sowie expandierende Jungunternehmen.

Mit mehr als 1.800 neuen Notierungen ist der Vienna MTF der Wiener Börse im ersten Quartal 2022 die Nummer 1 unter den europäischen Anleihenlistingplätzen.

Asien fast unbeeindruckt

Der weltweit größte Börsengang des bisherigen Jahresverlaufs Jahres fand in Südkorea statt: Der Batteriehersteller LG Energy Solution erlöste bei seinem IPO im Januar insgesamt 10,7 Mrd. USD.

Der chinesische Mobilfunkanbieter China Mobile kam bei seinem Börsengang, der ebenfalls im Jänner stattfand, auf 8,2 Mrd. USD.

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