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„Ein nachhaltiger Plan wird immer wichtiger” © APA/AFP/Ina Fassbender
© APA/AFP/Ina Fassbender

Redaktion 04.11.2022

„Ein nachhaltiger Plan wird immer wichtiger”

Roman Ermantraut, ING Austria, über den „Green Deal”, Sustainability-linked Loans und was jetzt für Firmen zählt.

••• Von Reinhard Krémer

Die Kreditlandschaft ist massiv in Bewegung. ING-Country Head Austria Roman Ermantraut erläutert aktuelle Entwicklungen und was für Firmen jetzt wichtig ist.

 

medianet: Wie sehen Sie den Markt für das Firmenkundengeschäft in Österreich, auch im Hinblick auf steigende Zinsen?
Roman Ermantraut: Natürlich wird es in den kommenden Quartalen für KMU gerade wegen der steigenden Zinsen schwieriger Investitionen zu machen. Wir rechnen für das kommende Jahr auch mit einer leichten Rezession. Aber als reine Wholesale Bank in Österreich ist die ING Aus­tria ohnehin eher auf das Großkundengeschäft fokussiert, das heißt, die meisten Unternehmen, mit denen wir im regelmäßigen Kontakt stehen, sind börsennotiert, international ausgerichtet oder machen jährlich mehr als 500 Millionen Euro Umsatz. Wir gehen davon aus, dass diese Unternehmen in der Regel gut vorbereitet sind und wir keine allzu großen Überraschungen erleben werden. Wichtig ist auf jeden Fall, dass die Unternehmen ihre nachhaltigen Ziele jetzt nicht aus den Augen verlieren.

medianet:
Welche Ziele haben Sie sich als Country Head für ING in Österreich gesetzt? Wie wollen Sie ING Austria positionieren?
Ermantraut: Der Krieg in der Ukraine und die resultierenden Folgen haben gezeigt, wie wichtig und dringend die Energiewende ist – natürlich kann das allein aber nicht losgelöst vom allgemeinen Klimawandel gesehen werden.

Die ING Austria sieht sich hier klar als Vorreiter und Motor in punkto Nachhaltigkeit, um diesen Wandel möglichst schnell und effizient voranzutreiben. In gewisser Weise möchten wir auch ein Vorbild für andere Player im Bankensektor sein. Gerade im Finanzbereich wird Nachhaltigkeit immer wichtiger – wir sorgen als ‚Green Advisor', dafür, dass wir gemeinsam mit all unseren Kunden auf die Ziele des European Green Deals hinarbeiten.
Es ist mir auch ein persönliches Anliegen, dass das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens eingehalten wird und wir gleichzeitig für einen klimaneutralen Kontinent Europa bis 2050 sorgen. Infolgedessen achten wir bei der Vergabe von Krediten auf bestimmte Nachhaltigkeitsfaktoren.
Dabei schauen wir aber nicht nur auf umwelttechnische Fragen, sondern auch darauf, welche sozialen Faktoren in der Firmenpolitik berücksichtigt werden und wie die Unternehmensführung aufgestellt ist. Für Unternehmen wird es daher immer wichtiger einen genauen, nachhaltigen Plan für die Zukunft zu haben, bei dem wir sie gerne unterstützen – bei zahlreichen heimischen Playern aus dem Banken-, Immobilien- und Energiebereich sowie der öffentlichen Verwaltung machen wir das schon.


medianet: Wird es spezielle Aktionen für Firmenkunden geben?
Ermantraut: Natürlich schauen wir, dass wir unseren Kunden individuell zugeschnittene Finanzlösungen anbieten, die mit nationalen und internationalen Experten abgestimmt sind, um so einen idealen Übergang zu nachhaltigeren Unternehmen zu schaffen. Das ist das Gute der internationalen Ausrichtung der ING-Gruppe: Wir sind in mehr als 40 Ländern der Welt vernetzt und können deshalb bei der Beratung auf eine enorme Expertise zurückgreifen.

Deshalb nehmen wir uns auch in die Pflicht, unsere Kunden mit maßgeschneiderten Finanzierungs-, Beratungs- und Serviceangeboten aktiv zu unterstützen.
Ein Beispiel dafür wären unsere ‚Sustainability-linked ­Loans'. Bei diesen Krediten richtet sich der Kreditzins nach den ESG-Leistungen des Unternehmens, also bezüglich Umwelt, Soziales und Governance. Ist ein Unternehmen nachhaltiger ausgerichtet, senkt das den Zinssatz – und umgekehrt. Natürlich unterstützen wir die Unternehmen hierbei, indem wir gemeinsam analysieren und eine Ausgangslage eruieren, von der aus wir dann sagen können, an welchen Hebeln angesetzt werden muss.


medianet:
Treffen Sie erhöhte Risikovorsorgemaßnahmen für eine mögliche Insolvenzwelle, ausgelöst durch die explodierenden Energiepreise?
Ermantraut: Wie zu Anfang bereits erwähnt, haben wir bei der ING Austria hauptsächlich mit Großkunden zu tun, weswegen wir jetzt nicht zwingend mit einer Insolvenzwelle rechnen.

Aber natürlich müssen wir trotzdem schauen, wie unsere Kunden mit den steigenden Energiepreisen umgehen können. Wir gehen davon aus, dass die meisten für den Winter Vorkehrungen getroffen haben, um die Energiekosten in Zaum zu halten. Dennoch leben wir in Zeiten, in denen man auf alles gefasst sein muss und es ist bei der ING Austria auch unser Anspruch, auf alles vorbereitet zu sein.

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