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Europäische Start-ups holen sich Milliarden © APA/Herbert Pfarrhofer
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Redaktion 30.03.2018

Europäische Start-ups holen sich Milliarden

Auch in Österreich geht’s aufwärts – Jungunternehmen erhalten rund vier Mal so viel Kapital wie 2016.

••• Von Reinhard Krémer

 

Über europäische Start-ups ergießt sich ein warmer Geldregen: Kapitalgeber haben nämlich im vergangenen Jahr Rekordsummen in europäische Start-ups investiert: Der Gesamtwert der Start-up-Finanzierungen stieg im Vergleich zum Vorjahr um satte 84% auf insgesamt 19,2 Mrd. €. Die Zahl der Finanzierungsrunden legte um 39% auf 3.656 zu.

Das sind Ergebnisse des europäischen Start-up-Barometers der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY. Die Studie beruht auf einer Analyse der Investitionen in europäische Start-ups.
„Die Bereitschaft, auch sehr hohe Summen in Start-ups zu investieren, ist spürbar gestiegen, was auch mit der guten Entwicklung auf dem IPO-Markt und den entsprechend verbesserten Exit-Möglichkeiten zusammenhängen dürfte”, sagt Thomas Gabriel, Partner und Leiter Start-up bei EY Österreich.
So stieg die Zahl der Finanzierungen mit einem Volumen von 100 Mio. € und mehr im Vergleich zum Vorjahr europaweit von sieben auf 23; davon entfielen elf Transaktionen auf britische, sechs auf deutsche und drei auf Schweizer Jungunternehmen.

Österreich holt kräftig auf

Trotz Brexit stiegen die Investitionen in britische Start-ups besonders stark: Die Zahl der Deals belief sich auf 893 und hat sich somit fast verdoppelt. Das Investitionsvolumen stieg sogar noch stärker an – von 2,7 auf 6,4 Mrd. €.

Deutsche Jungunternehmen verzeichneten einen Anstieg der Mittel von 2,3 auf 4,3 Mrd. €, französische Start-ups erhielten knapp 2,6 Mrd. € (Vorjahr: 2,2 Mrd. €.) Auch hierzulande erlebte die Start-up-Szene im vergangenen Jahr einen deutlichen Aufschwung: Österreichs Start-ups haben 2017 rund vier Mal so viel Geld durch Finanzierungsrunden eingenommen wie im Vorjahreszeitraum, berichtet EY.
Der Gesamtwert ist von 34 auf 138 Mio. € gestiegen; damit belegt Österreich Rang 14 im europäischen Vergleich und liegt ungefähr auf dem Niveau von Belgien (123 Mio. €), Norwegen (146 Mio. €) und Italien (148 Mio. €). Gleichzeitig ist auch die Zahl der Finanzierungsrunden nach oben gegangen – sie stieg um mehr als das Doppelte von 14 auf 35.
„Die österreichische Start-up-Szene hat sich 2017 sehr lebhaft entwickelt”, so Gabriel. „Die Investitionssumme hat sich fast vervierfacht, gleichzeitig sind die Finanzierungen in der Breite besser geworden. Immer mehr österreichische Start-ups erhalten immer mehr Kapital. Der Biotech- und Gesundheitsbereich bekommt momentan besonders hohe Kapitalspritzen: Allein die zwei Finanzierungsrunden für Hookipa und Arsanis brachten in Summe fast 100 Mio. Euro ein.”

London an der Spitze

Im europäischen Städteranking liegt London mit 4,9 Mrd. € und 547 Finanzierungen weit vorn. Auf dem zweiten und dritten Rang liegen Berlin (3,0 Mrd. €) und Paris (2,0 Mrd. €). Allerdings wurden in der französischen Hauptstadt mit 364 Transaktionen deutlich mehr Finanzierungsrunden registriert als in Berlin, wo mit 232 rund ein Drittel weniger Deals gezählt wurde, wie der EY-Report zeigt.

Auf den Rängen vier und fünf folgen – gemessen am Investitionsvolumen – Basel und Stockholm mit 1,0 Mrd. € bzw. 595 Mio. €. Wien belegt mit einem Investitionsvolumen von 119 Mio. €., die in 23 Finanzierungsrunden lukriert wurden, nur Platz 20 im europäischen Städteranking.
„Bislang ist es nicht zu dem von vielen erwarteten Einbruch bei den Risikokapitalinvestitionen in Großbritannien gekommen. Im Gegenteil: Zurzeit wird mehr investiert als vor der Brexit-Entscheidung”, beobachtet EY-Experte Gabriel.

Größte Deals bei Biotech …

Der größte Deal des Jahres fand aber nicht in Großbritannien statt, sondern in der Schweiz: Das Basler Biotech-Unternehmen Roivant Sciences erhielt im August umgerechnet 976 Mio. € von Investoren.

Dahinter rangiert das britische Virtual-Reality-Start-up Improbable, das umgerechnet 445 Mio. € erhielt. Der britische Essenslieferdienst Deliveroo konnte 428 Mio. € einsammeln, das Berliner Start-up Delivery Hero erhielt bei seinem Börsengang im Juni 423 Mio. € und einen Monat zuvor eine Finanzspitze von 387 Mio. €.

… auch in Österreich

Auch die beiden größten österreichischen Deals fanden im Biotech- bzw. Gesundheitsbereich statt, berichtet EY: Das auf die Entwicklung von aktiven Immuntherapien gegen Krebs und Infektionskrankheiten spezialisierte Wiener Biotech-Unternehmen Hookipa nahm rund 53 Mio. € auf, das ebenfalls in Wien ansässige Biotech-Unternehmen Arsanis erhielt eine Finanzierung in der Höhe von rund 40 Mio. €.

Auf Platz drei reihte sich das Grazer Start-up USound, das auf Mikro-Lautsprecher für Smartphones spezialisiert ist, mit einer Kapitalspritze von zwölf Mio. € ein.

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