FINANCENET
Gute Geschäfte in der Perma-Wüste © Uniqa/Froese
© Uniqa/Froese

Chris Radda und Reinhard Krémer 02.02.2018

Gute Geschäfte in der Perma-Wüste

Wie die Uniqa trotz Zinsendürre die „Leben” reanimierte, erzählt Vorstand Peter Eichler im medianet-Interview.

••• Von Chris Radda und Reinhard Krémer

Der Finanzsektor könnte nach der EZB-Rosskur ein wenig entlastet werden, meinen Analysten. Die Konjunktur boomt, die Konsumentennachfrage steigt. Wie die Erholung bei den Versicherungen angekommen ist, fragte medianet Peter Eichler, Vorstand Personenversicherung der Uniqa.

 

medianet: Wie geht’s der Uniqa in Österreich?
Peter Eichler: Der Uniqa geht’s gut! Aber das Zinsumfeld ist nach wie vor herausfordernd. Wir sehen die positiven Entwicklungen auch, doch ob tatsächlich ein rascher Zinsanstieg erfolgen wird – da sind wir eher skeptisch.

Zum einen, weil die Inflation nach wie vor nicht auf Zielkorridor ist und es keine unmittelbaren Anzeichen gibt, dass sie stark steigen würde. Zum anderen, weil die Staaten selbst ein Interesse haben, die Zinsszahlungen niedrig zu halten, weil sie die Niedrigzinsphase nicht genutzt haben, um sich substanziell zu entschulden.
Daher glauben wir nicht, dass die Zentralbank – anders wie in den USA – in diesem Jahr entscheidende Zinsschritte unternehmen wird. Das ist für uns auch der Auftrag, uns auf die anhaltende Situation einzustellen.

 

medianet: Sie rechnen die nächsten zwei Jahre also weiter mit einem Niedrigzins­umfeld?
Eichler: Wir sind hoffnungsfroh, dass es nicht so kommt, aber wir stellen uns darauf ein. Das entspricht auch unserer ­Verantwortung.

medianet:
Die Uniqa hat in diesem Szenario ordentlich eingespart …
Eichler: Das Thema Kosten ist nie zu Ende; das hat nicht nur mit den Zinsen zu tun, sondern auch mit einem sich verschärfenden Wettbewerb. Produktseitig ist in erster Linie die Lebensversicherung betroffen, und hier die Spar-Lebensversicherung und ein wenig auch die Krankenversicherung.

Wir wurden hier von der Aufsicht aufgefordert, den Rechnungszins für’s Neugeschäft in der Krankenversicherung erneut herabzusetzen. Das haben wir –wie die gesamte Branche – mit 1.1.2018 getan, was zu einer gewissen Verteuerung der Prämien geführt hat. Das aber ist eine Entwicklung, die wir verstehen und mittragen. In der Lebensversicherung haben wir nicht erst heuer begonnen und mit der klassischen Lebensversicherung neu den Entwicklungen am Zinssektor schon vor zwei Jahren Rechnung getragen.


medianet:
Das heißt im Detail?
Eichler: Wir haben den Rechnungszins dort auf Null gesenkt – das heißt nicht, dass es keinen gibt, denn Null ist noch immer ein Rechnungszins –, und die wertvolle Kapitalgarantie ist nach wie vor gegeben, die zu jeder Zeit besteht, schon ganz vom Anfang an.

Bei einem allfälligen Rückkauf vor dem geplanten Ablauf des Vertrags gibt es hier – anders als früher und bei den meisten Mitbewerbern – für den Kunden keinen Verlust.


medianet: Wie wird das vom Markt angenommen?
Eichler: Die Nachfrage ist absolut gegeben. Die Österreicher verstehen, dass es Sinn macht, für die Pension privat vorzusorgen. Ohne das System schlecht­reden zu wollen, aber man kann im Alter nicht das selbe Einkommen haben wie im Erwerbsleben. Wir haben in den letzten zwei Jahren mehr als 60.000 Verträge nur von dieser klassischen Lebensversicherung neu abgeschlossen.

medianet:
Entgegen den Erwartungen …
Eichler: Die Befürchtungen waren, dass die Nachfrage nachlässt. Es war klar, dass für den Kunden nicht eine astronomische Rendite, sondern die Sicherheit im Vordergrund steht. Auch der Vertrieb hat hier seinen Beitrag leisten müssen, die Provisionen sind hier deutlich niedriger als früher.

medianet:
Gibt es auf der Produktseite weitere Neuerungen?
Eichler: Zum Jahreswechsel haben wir auch unser fondsgebundenes Produkt an das neue Regulierungsumfeld angepasst. Denn gerade im Finanzsektor gibt es eine wahre Regulierungsflut zum Beispiel in puncto Transparenz gegenüber dem Kunden.

 

medianet: Wie sehen die Neuerungen bei der ‚Fondsgebundenen' aus?
Eichler: Weniger ist mehr. Wir haben die enorme Bandbreite von Fonds eingeschränkt und treffen so für den Verbraucher eine Vorauswahl. Und wir arbeiten nur noch mit institutionellen Fonds, was die Kosten gegenüber Retailfonds deutlich reduziert – die Ausgabenaufschläge sind geringer. Und der Tarif ist ungezilmert, das heißt, wir haben keine kopflastigen Provisionen, die von der Prämie abgezogen werden, sondern sie auf die gesamte Laufzeit verteilt. Im Vergleich liegen wir da sehr gut.

medianet: Wie sieht es mit dem kontroversen Thema ‚Ewiger Rücktritt' aus?
Eichler: Das belastet sehr, denn es wird der Eindruck erweckt, dass eine ganze Branche über mehrere Jahrzehnte nicht in der Lage gewesen wäre, korrekt über den Rücktritt zu belehren – das ist ein falscher Eindruck. Die österreichische Gesetzeslage in Verbindung mit der europäischen Richtlinie ist dermaßen intransparent und komplex, dass es auch heute nach Meinung der meisten Experten gar nicht möglich ist, korrekt zu informieren.

Das ist ein absolut unzumutbarer Zustand für alle Beteiligten. Die Belehrung über alle Rücktrittsarten führt zu einer unverständlichen Papierflut im Juristenjargon, die niemandem zuzumuten ist. Wir haben daher den Gesetzgeber um eine vernünftige Lösung gebeten.

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