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„In Österreich wohl eine gesegnete Branche” © Raiffeisen Factor Bank/David Sailer
© Raiffeisen Factor Bank/David Sailer

Paul Christian Jezek und Chris Radda 28.06.2019

„In Österreich wohl eine gesegnete Branche”

Die Vorstände der Raiffeisen Factor Bank, Andreas Bene und Gerhard Prenner, exklusiv über Markt und Möglichkeiten.

••• Von Paul Christian Jezek und Chris Radda

Der österreichische Markt boomt kontinuierlich, und Factoring ist unverändert eine der am schnellsten wachsenden Finanzierungsformen hierzulande.

Dessen ungeachtet besteht im Vergleich zu anderen Ländern noch immer enormes Wachstumspotenzial. Andreas Bene und Gerhard Prenner beziffern es etwa auf mehr als das Doppelte des derzeitigen Volumens in Österreich. Auch Spanien spielt im Factoring eine Vorreiterrolle. medianet diskutierte mit den beiden Vorständen der Raiffeisen Factor Bank über ­aktuelle Markttendenzen und zukünftige Expansionsschritte.


medianet:
Jahr für Jahr sprechen wir über neue Rekorde …
Andreas Bene: Factoring wächst und wird bei österreichischen Unternehmen immer beliebter.

2018 war erneut ein sehr, sehr gutes Jahr – mittlerweile werden in Österreich Forderungen im Ausmaß von 24 Milliarden Euro von Factoring-Instituten angekauft und das entspricht einem Beitrag zur österreichischen Wertschöpfung oder einer Marktdurchdringung von sechs Prozent.

Gerhard Prenner: Es geht um rund sechs Prozent des heimischen BIP. Das klingt nach viel und es ist auch ein sehr wichtiger Betrag bzw. Beitrag, aber in Relation zu anderen Ländern in Europa gibt es noch viel Wachstumspotenzial.

Der EU-Schnitt liegt bei etwa elf Prozent. Das heißt, dass Factoring in Österreich in den nächsten Jahren weiter wachsen wird.


medianet:
Abgesehen vom heimischen Nachholbedarf: Woran machen Sie den Aufschwung fest?
Bene: Die Einstellung hat sich geändert – die Akzeptanz ist hoch, und Factoring ist definitiv zu einem fixen Bestandteil im ­Finanzierungsmix geworden.

Die rasche und unkomplizierte Bereitstellung von Liquidität erhöht die Wettbewerbsfähigkeit der Klein- und Mittelbetriebe, die ja das Rückgrat speziell der österreichischen Volkswirtschaft bilden. Die bessere Bonität und die rasche Liquidität noch am selben Tag durch den Verkauf von Lieferforderungen sind inzwischen fixer Bestandteil in der Finanzierung.

Prenner: Das Wachstum kommt ebenso von großen, international tätigen Unternehmen, die Factoring als moderne Unternehmensfinanzierungsform erkannt haben.

Großbetriebe mit bester Bonität haben Factoring für sich entdeckt: Sehr viele Kunden nutzen Factoring nicht im Sinne der Absicherung, sondern aufgrund der vielen anderen Vorteile, die andere Finanzierungen so nicht bieten – Factoring geht weit über die Liquidität hinaus.


medianet: Wie geht sich dieser Mix aus Skalierbarkeit und individueller Betreuung aus?
Bene: Auch das ist ein Erfolgsfaktor. Durch die Digitalisierung haben wir die Anzahl der verarbeiteten Rechnungen von ca. einer Million auf drei Millionen in den letzten Jahren steigern können.

Gleichzeitig werden maßgeschneiderte Lösungen forciert, und wir passen unser Produkt an die jeweilige Situation an.

Prenner: Es kann sein, dass wir nur die Inlandsforderungen kaufen oder nur die Auslandsforderungen. Oder wir kaufen „nur” die Forderungen gegenüber Lebensmittelketten, wenn jemand Supermarktketten und die Gastronomie beliefert.

Oder Ausschnittsfactoring: Wenn z.B. die Forderungen eines Debitors angekauft werden.


medianet:
Durch diese besondere Kundennähe ist die Raiffeisen Factor Bank wohl auch ein guter Seismograf für die Einschätzung des Realzustands der heimischen Wirtschaft?
Bene: Definitiv. Die ökonomische Situation in Österreich ist nach wie vor positiv. Dabei wachsen unsere Kunden noch stärker als das BIP-Wachstum – und wir wachsen mit unseren Kunden mit, das ist der große Vorteil dabei.
Prenner: Die exportorientierte Wirtschaft expandiert stärker als die rein auf das Inland orien­tierte – und wir haben viele Kunden, die exportieren!

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