FINANCENET
Jetzt geht’s endlich ­wieder aufwärts! © Panthermedia.net/Mustafa amp #350 en
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reinhard krémer 07.04.2017

Jetzt geht’s endlich ­wieder aufwärts!

Die Konjunktur lebt auf, ATX-Unternehmen legen beim Kurs ordentlich zu, und der Finanzsektor knospt.

••• Von Reinhard Krémer

Der Wirtschaft geht´s wieder besser, das Klima und die Aussichten haben sich deutlich verbessert. Diese Aussage gilt nicht nur für Österreich: „In den Chefetagen der weltgrößten Unternehmen ist man so zuversichtlich wie seit 2014 nicht mehr”, meinen die Analysten des Investmentshauses Fidelity in ihrer neuesten Umfrage. Noch 2016 hatten Unternehmenslenker den Ausblick eher düster betrachtet. Am deutlichsten bergauf, so Fidelity, geht es aktuell in Osteuropa, im Mittleren Osten, Afrika und ­Lateinamerika.

Der Konsum ist der stärkste Treiber für weltweite Konjunkturbelebung, und mit Ausnahme des Brexit sind politische Risiken kein Bremsklotz für Investitionen. Die seit dem Zweiten Weltkrieg einzigartige Zins­situation treibt seltsame Blüten; und so ist es kein Wunder, dass der beste Fonds der letzten drei Jahre ein Anleihefonds, nämlich der Deutsche Invest Global Bonds, ist. Erst dann folgt, deutlich abgeschlagen, ein auf Lithium spezialisierter Aktienfonds.
Es läuft jedenfalls auch in Europa rund mit der Wirtschaft: Basierend auf den aktuellen Daten, befindet sich die Konjunktur der Eurozone in einem robusten Zustand mit guten Aussichten für die kommenden Quartale, so die Experten der Erste Group.

Konjunktur läuft rund

In Österreich lösen sich die Schatten der Vergangenheit: „Der Bank Austria Konjunkturindikator ist im Februar 2017 auf 2,7 Punkte geklettert. Damit signalisiert der Indikator eine weitere Steigerung der Konjunkturdynamik seit Jahresbeginn und lässt auf das stärkste Wachstums­tempo der heimischen Wirtschaft seit mehr als fünfeinhalb Jahren schließen”, sagt Bank Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer.

Die Zukunftsaussichten sind rosig: „Die spürbare Verbesserung der Konjunktur lässt die österreichische Wirtschaft den Wachstumsrückstand gegenüber dem europäischen Durchschnitt und auch Deutschland aufholen, der in den vergangenen zwei Jahren vorwiegend aufgrund einer schwächeren Binnennachfrage bestanden hat. Wenn sich der derzeitige Kurs fortsetzt, könnte die österreichische Wirtschaft sogar erstmals seit dem Jahr 2013 wieder ein höheres Wachstum als der Euroraum erreichen”, ist Bruckbauer optimistisch. Die Rohstoffpreise treiben die Inflation an; eine Teuerung von zumindest 1,8% im Jahresdurchschnitt 2017 wird erwartet.
Der Industrie-Optimismus ist ungebrochen, die Binnennachfrage solide, und die Belebung der Auslandsnachfrage steigert die Investitionstätigkeit. Vor diesem Hintergrund wurde die Prognose für das BIP-Wachstum 2017 von 1,6 auf 1,8% erhöht.
Das positive Klima macht sich auch am Bankensektor bemerkbar: Die Situation der österreichischen Banken, etwa was die Profitabilität und die Risiken betrifft, hat sich verbessert, so OeNB-Vize-Gouverneur Andreas Ittner, und die Gewinne im dritten Quartal 2016 seien im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen.

Beste Performance

Und so geht’s auch an der Wiener Börse langsam besser, wie die Performance einiger Aktien zeigt: Lenzing legte auf Jahressicht um mehr als 130% zu, Polytec schaffte immer noch fast 80%, und die Raiffeisen Bank International rund 60% Kursplus. Bei vielen ATX-Unternehmen wie Mayr-Melnhof, Lenzing, OMV oder Flughafen Wien – und das sind beileibe nicht alle – hoben Analysten das Kursziel wegen verbesserter Aussichten an.

Ungeliebte Wiener Börse

Stellt sich die Frage, warum es eine fluchtähnliche Bewegung aus dem österreichischen Marktplatz zu geben scheint. Denn die Börsenotierungen in Österreich sind in den vergangenen zehn Jahren – von 2006 bis 2016 – dramatisch eingebrochen; nämlich von 127 auf 79.

Allein in den vergangenen sechs Jahren gingen 20% der Unternehmen von der Wiener Börse, sagte der Präsident des Aktienforums und voestalpine-Finanzvorstand Robert Ottel: „Jede Börse hat normale Abgänge – aber in Österreich fehlen die Neuzugänge.” Er spielt den Ball an höhere Instanzen: „Aus volkswirtschaftlichen Überlegungen müssen der Börseplatz Wien und die börsenotierten Unternehmen mehr Unterstützung durch die Politik bekommen.” Man wird sehen, ob man Ottel dort hört …

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