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Privater Konsum treibt Wirtschaftswachstum © Panthermedia.net/ByLove
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Helga Krémer 18.05.2018

Privater Konsum treibt Wirtschaftswachstum

Für 2018 erwartet der Kreditversicherer Coface erneut eine Wachstumsrate der Weltwirtschaft von 3,2%.

••• Von Helga Krémer

Der ewig rauzensde und jammernde Klischee-Österreicher hat es – was die wirtschaftliche Situation seines Heimatlands anlangt – nicht leicht dieser Tage: „Im vergangen Jahr konnte kein einziges Ereignis die Erholung des globalen Wachstums stoppen”, sagt Grzegorz Sielewicz, Economist Central & Eastern Europe (CEE) bei Coface. Für 2018 erwartet der Kreditversicherer erneut eine Wachstumsrate der Weltwirtschaft von 3,2%.

Um 1,5% wuchs der globale Handel 2016, 2017 hatte er sich fast verdreifacht und lag bei 4,4%. Für das Jahr 2018 erwarten die Experten ein weiteres Wachstum von 3,7%. „Ungeachtet des Protektionismusfiebers rechnen wir heuer mit diesem positiven Szenario”, betont der Ökonom Sielewicz, „wenngleich die angekündigten Strafzölle und der drohende Handelskrieg den Optimismus etwas bremsen.”
Dass sich die bereits eingeführten Zölle auf den Import von Produkten aus China kurzfristig auf die Wirtschaft oder den Welthandel auswirken werden, erwarten die Coface-Experten dennoch nicht. Langfristig könnte ein offener Handelskrieg zwischen den USA und China allerdings etliche Branchen gefährden, zum Beispiel die Informations- und Kommunikationstechnologie. Trotzdem ist das kein Grund, zu jammern …

Ein Blick auf Österreich

„Wir hatten ja 2017 ein beeindruckendes BIP-Wachstum von drei Prozent und wir sehen auch 2018/2019 nach wie vor anhaltend sehr robuste Zahlen”, gibt Michael Tawrowsky, Country Manager Coface Austria, Ein- und Ausblick auf Österreichs Wirtschaft. Fairerweise müsse man aber auch sagen, dass sich dieses starke Ergebnis von 2017 in Richtung 2019 verlangsamen werde, meint der Experte. Warum? „Es gibt die Erwartungshaltung in der Zinslandschaft, dass die Zinsen wieder steigen werden. Höhere Zinsen – weniger Investitionen – weniger Konsum. Der Grund für unser schönes Wachstum ist aber der Konsum, der Privatkonsum”, sagt Tawrowsky und hat auch einen Wunsch an die Regierung: „Es hilft offensichtlich dem Wirtschaftsumfeld in Österreich, mehr netto im Börserl zu haben.”

Auf der anderen Seite sei unser Wachstum auch exportgetrieben (siehe Grafik), mit Deutschland weit führend an der Spitze, dann schon ziemlich abgeschlagen die USA und Italien. „Eines ist aber hier ganz wichtig zu sehen”, betont dabei Tawrowsky: „Wenn wir die ganzen zentraleuropäischen Länder, die das Umfeld Österreichs bilden, zusammenfassen, erreichen wir dort nahezu 15 Prozent. Wenn unsere zentral- und osteuropäischen Nachbarn wachsen, sind diese auch für unser positives Wachstum mitverantwortlich und wichtig.”
„Obwohl viele Länder in Zentral- und Osteuropa eine Phase des politischen Wandels durchleben, wächst die Wirtschaft in den CEE-Ländern stark”, sagt der Zentral- und Osteuropa-Experte Sielewicz. Alles in allem habe sich das Risiko in CEE in den vergangenen Jahren reduziert, auch aufgrund des stabilen ökonomischen Aufschwungs. Die sozioökonomischen Indikatoren für das Ausmaß gesellschaftlicher Unzufriedenheit hätten sich verbessert, heißt es bei Coface.

Solides Wachstum

Das BIP pro Kopf ist gestiegen und nähert sich dem Durchschnitt westeuropäischer Länder weiter an. Die Arbeitslosigkeit ging zurück, und die Inflation ist moderat. So hat sich die Wirtschaftsaktivität in der Region 2017 weiter beschleunigt und mit einem Wachstum von 4,5% auf den höchsten Stand seit acht Jahren geschraubt. „Das Wirtschaftswachstum dürfte 2018 mit 3,9 Prozent solide bleiben, denn es wird von einer starken Konsumnachfrage, anziehenden Investitionen und von der EU-mitfinanzierten Projekten getragen”, unterstreicht Sielewicz.

Dennoch dürfe die Entwicklung des politischen Risikos nicht außer Acht gelassen werden, mahnt der Ökonom: „Steigt es weiter an und gefährdet es die Interessen ausländischer Unternehmen direkt, könnte es deren Engagements und die wirtschaftliche Entwicklung insgesamt bremsen.”

Fact-, Fake-, Alternative-News

„Die Unterscheidung zwischen Fact oder Fake News ist zur neuen Gretchenfrage geworden”, meint Michael Tawrowsky. „Falsche Informationen können fatal sein, wenn sie als Grundlage für Entscheidungen herangezogen werden”, so Tawrowsky, und bezeichnet Fake News als eine der neuen großen Herausforderungen der Wirtschaft. Es gelte dabei, nicht nur Fake News von den Fakten zu unterscheiden, denn Falschnachrichten können ebenso gut Auswirkungen auf den Ruf, das Image oder die Bonität eines Unternehmens haben. „Wir müssen Fake News aus vielen Dimensionen betrachten”, betont der österreichische Country Manager. Umso wichtiger seien verlässliche Quellen und professionelle Analysen, die die Informationen auf ihre Werthaltigkeit prüfen.

Wie fatal sich Fake News auswirken können, musste Tesla-Boss Elon Musk mitansehen: Sein eigener Aprilscherz, Tesla sei Bankrott, ließ die Tesla-Aktie kurzzeitig einbrechen. Dabei war der humorvolle Tweet durchaus als Scherz zu erkennen gewesen. „Wir müssen uns zwei Fragen stellen”, mahnt Tawrowsky: „Sind die Infos Fact or Fake? Und: Haben die Fake News dennoch Relevanz? Wenn wir damit richtig umgehen, werden Fake News nicht zum Kryptonit für Unternehmen im digitalen Wandel.”

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