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Sommersonne scheint am Konjunkturhimmel © APA/Barbara Gindl
© APA/Barbara Gindl

Reinhard Krémer 22.06.2018

Sommersonne scheint am Konjunkturhimmel

Das Wirtschaftswachstum Österreichs liegt stabil bei über drei Prozent; wenige Störungen beim Hochdruckwetter.

••• Von Reinhard Krémer

International lässt der Rückenwind für die heimische Konjunktur nach – trotzdem gibt´s aktuell keinen Grund zur Besorgnis, denn das Wirtschaftswachstum Österreichs liegt in der ersten Jahreshälfte stabil bei über drei Prozent.

Die Hochkonjunktur in Österreich hält also an, der Schwung hat aber seit dem starken Jahresbeginn kontinuierlich nachgelassen.

Solide Wachstumsdynamik

„Nach einem Allzeithoch im Dezember hat sich der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator im Mai den fünften Monat in Folge verringert. Mit hohen 3,9 Punkten weist der Indikator jedoch trotz des Rückgangs weiterhin auf eine solide Wachstumsdynamik der heimischen Wirtschaft zur Jahresmitte 2018 hin”, sagt UniCredit Bank Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer.

Die erhöhten geopolitischen Unsicherheiten und steigende globale Herausforderungen wirken sich seit einigen Monaten ungünstig auf das Exportumfeld aus und schlagen sich nun auch in einer leichten Korrektur der Hochstimmung in der Binnenwirtschaft nieder: „Die Eintrübung der Konjunkturstimmung in Österreich war im Mai auf breiter Ebene spürbar. In allen Wirtschaftssektoren hat die Zuversicht geringfügig abgenommen, sowohl Produzenten als auch Konsumenten sind etwas weniger optimistisch als im Vormonat. Nach dem starken Jahresbeginn mit einem BIP-Anstieg um 3,4% im Vergleich zum Vorjahr dürfte das Wachstumstempo im zweiten Quartal ein wenig geringer ausgefallen sein, jedoch erneut mehr als drei Prozent im Jahresvergleich betragen haben”, meint Bruckbauer.

Protektionismus verunsichert

Die neuerliche Verringerung des UniCredit Bank Austria Konjunkturindikators ist auf einen generellen Rückgang der Konjunkturstimmung zurückzuführen.

Die Unterstützung der Konjunktur durch das Exportgeschäft verliert weiter an Kraft. Die Emerging Markets, die in den vergangenen Monaten für viel Rückenwind für die internationale Konjunktur gesorgt haben, spüren die Verunsicherung durch protektionistische Tendenzen in der Handelspolitik sowie die steigenden Zinsen in den USA, die zu weniger Kapitalzuflüssen in die Schwellenländer führten.

Der Glanz ist ankratzt

Die Veränderungen im globalen Exportumfeld haben im Mai erneut an der glänzenden Stimmung in der exportorientierten Industrie Österreichs gekratzt. „Den stärksten Einfluss auf den Rückgang des UniCredit Bank Austria Konjunkturindikators im Mai hatte die nachlassende Hochstimmung in den binnenorientierten Wirtschaftsbereichen. Am Bau und vor allem im Dienstleistungssektor nimmt der Optimismus etwas ab. Auch die Konsumentenstimmung hat trotz der ausgezeichneten Beschäftigungsentwicklung den Höhepunkt überschritten. Insgesamt ist die Konjunkturstimmung in Österreich jedoch weiterhin so gut wie seit rund zehn Jahren nicht mehr”, sagt UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.

Trotz des gegenüber dem sehr guten Jahresbeginn etwas nachlassenden Wachstumstempos hat die österreichische Wirtschaft in der ersten Jahreshälfte 2018 voraussichtlich einen BIP-Anstieg von durchschnittlich mehr als drei Prozent im Jahresvergleich erreicht; damit wurde sogar das Wachstum im Gesamtjahr 2017 übertroffen.
„Das Wachstumstempo der österreichischen Wirtschaft wird sich in der zweiten Jahreshälfte bei soliden zwei Prozent einpendeln. Damit ist weiterhin ein Anstieg des BIP im Gesamtjahr 2018 von 2,8 Prozent in Sicht”, meint Pudschedl. Die Impulse werden vor allem von der Inlandsnachfrage kommen. Während die Investitionen in den kommenden Monaten weniger Unterstützung als bisher bieten können, kommt dank des kräftigen Beschäftigungswachstums und mehr Bewegung bei den Löhnen weiterhin viel Auftrieb vom privaten Konsum. Angesichts protektionistischer Maßnahmen im internationalen Handel, ausgehend von den USA, und steigender Verunsicherungen durch geopolitischen Spannungen sind die Prognoserisiken allerdings mittlerweile nach unten gerichtet.

Weniger Inflation …

Mit durchschnittlich 1,8% im Jahresvergleich in den ersten fünf Monaten des Jahres ist die Teuerung in Österreich geringfügig niedriger als im Vorjahr.

Dazu beigetragen hat der vergleichsweise geringere Preisauftrieb von Rohöl und die Abschwächung des US-Dollars gegenüber dem Euro. Mittlerweile hat jedoch eine Trendwende eingesetzt. Im Mai stieg die Teuerung auf 1,9% im Jahresvergleich an. Der Ölpreis liegt angesichts der Verunsicherung in Zusammenhang mit der Aufkündigung des Atom-Abkommens mit dem Iran durch die USA um rund 20% über dem Niveau zu Jahresbeginn und sogar 50% höher als vor einem Jahr. Hinzu kommt, dass sich die bislang deutlich dämpfende Wirkung der Wechselkursentwicklung reduziert hat, da der Euro gegenüber dem US-Dollar in den vergangenen Wochen rund fünf Prozent an Boden verloren hat.

… aber bald etwas mehr

„Der Aufwärtstrend der Inflation in Österreich wird sich in den kommenden Monaten auf über zwei Prozent im Jahresvergleich fortsetzen. Die Kombination aus höherem Ölpreis und weniger Unterstützung durch den Wechselkurs wird die Teuerung etwas stärker nach oben heben, als wir bisher angenommen haben. Daher haben wir unsere Inflationsprognose für 2018 von bisher zwei auf 2,2 Prozent erhöht. Damit wird der Anstieg der Verbraucherpreise geringfügig höher als 2017 sein”, meint Bank-Austria-Experte Bruckbauer.

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