HEALTH ECONOMY
Antibiotika im Plus © AFP

Antibiotika gehören zu den wirksamsten Medikamenten, doch durch Resistenzen geht ihr Schutz verloren.

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Antibiotika gehören zu den wirksamsten Medikamenten, doch durch Resistenzen geht ihr Schutz verloren.

Martin Rümmele 30.03.2018

Antibiotika im Plus

Der Verbrauch von Antibiotika nimmt zu, warnen Experten. Das kann zu Resistenzen und Unwirksamkeit führen.

••• Von Karina Schriebl

WIEN. Der weltweite Antibiotikaverbrauch ist einer Hochrechnung zufolge in den vergangenen 15 Jahren um rund 65% gestiegen. Besonders in wirtschaftlich aufstrebenden Ländern sei die Zunahme „dramatisch”, berichten Wissenschafter um Eili Klein vom US-Forschungszentrum CDDEP (Center for Disease Dynamics, Economics & Policy).

Die Forscher hatten auf Basis von Verkaufsdaten den Verbrauch von Antibiotika in 76 Ländern zwischen den Jahren 2000 und 2015 untersucht und daraus auf weltweite Trends geschlossen. Der Gesamtkonsum stieg demnach von 21,1 Mrd. definierten Tagesdosen im Jahr 2000 auf 34,8 Mrd. 15 Jahre später. Während im Jahr 2000 noch Länder wie Frankreich, Neuseeland, Spanien und Hongkong beim mittleren Verbrauch pro 1.000 Einwohner an der Spitze lagen, waren es 15 Jahre später Länder wie die Türkei, Tunesien, Algerien und Rumänien. In den reichen Industrieländern nahm der Gesamtverbrauch nur um 6% zu, der durchschnittliche tägliche Verbrauch pro 1.000 Einwohner sank im Mittel sogar um 4%. Dies galt für Länder wie die USA, Kanada und Frankreich.
Weltweite Zuwächse gab es nicht nur bei vielfach eingesetzten Wirkstoffen wie Penizillin, sondern auch bei sogenannten Reserve-Antibiotika wie Linezolid und Carbapenemen, die nur zum Einsatz kommen sollten, wenn kein anderes Mittel mehr hilft. Bis 2030 könnte der Gesamtverbrauch an Antibiotika den Forschern zufolge weltweit um bis zu 200% steigen.

Gefahr von Resistenzen

„Antibiotika sind eine große Errungenschaft der Medizin. Durch sie können bakteriell verursachte Infektionskrankheiten wirksam geheilt werden. Aber je häufiger sie  eingesetzt werden, umso öfter kommt es zu Resistenzen”, kommentiert Pharmig- Generalsekretär Jan Oliver Huber die Studie. In Österreich ist der Antibiotikaverbrauch laut Studie im untersuchten Zeitraum 2000 bis 2015 zwar lediglich um 15% gestiegen, aber resistente Bakterien halten sich nicht an Ländergrenzen. „Sie sind ein globales Problem, das nur über Länder, Branchen und Organisationen hinweg gelöst werden kann”, fordert Huber umfassende Aufklärung ein.

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