HEALTH ECONOMY
Apotheken tagen © Österreichische Apothekerkammer/Dominik Steiner

Die Apotheken sehen sich mit sinkenden Spannen konfrontiert. Der Grund ist der Preisdruck der Kassen bei Medikamenten.

© Österreichische Apothekerkammer/Dominik Steiner

Die Apotheken sehen sich mit sinkenden Spannen konfrontiert. Der Grund ist der Preisdruck der Kassen bei Medikamenten.

Ina Karin Schriebl 16.03.2018

Apotheken tagen

Die Apotheker klagen über sinkende Spannen aufgrund des Preisdruckes bei Medikamenten. Rezepte sind nicht in Sicht.

••• Von Ina Karin Schriebl

SCHLADMING. In Österreich hat es im Vorjahr 1.362 öffentliche Apotheken gegeben. Während aber Dutzende Neuanträge für Konzessionen vorliegen, sieht die wirtschaftliche Lage der bestehenden Apotheken laut Standesvertretern immer trister aus. „Wir machen mehr Umsatz mit Arzneimitteln auf Kassenrezept, aber immer weniger Gewinn”, erklärten diese am Rand der wissenschaftlichen Fortbildungstagung in Schladming.

Schwache Umsätze

Wolfgang Trattner, Wirtschaftsexperte vom Österreichischen Apothekerverband, listete die Umsatzentwicklung der Apotheken mit Arzneimitteln auf Kassenrezept exklusive Mehrwertsteuer der vergangenen Jahre genau auf: 2014 gab es einen Zuwachs um 6,3%, 2015 um 5,5%, 2016 um 2,6% und 2017 um 4,2% auf einen Jahresumsatz von zuletzt 2,797 Mrd. €. Die öffentlichen Apotheken machen etwa 85% des „Kassenmarkts” an Arzneimitteln aus; den Rest erwirtschaften die ärztlichen Hausapotheken.

„Wir leben aber nicht vom Umsatz, sondern von dem, was uns an Spanne übrig bleibt”, sagte Trattner. Das derzeitige System der Bezahlung bringe eine immer schlechtere Situation mit sich. Die Margen der Apotheker bei den Arzneimitteln auf Kassenrezept fallen mit dem Preis der Medikamente. Das beginnt bei 27% für kostengünstigste Arzneimittel und endet bei hochpreisigen (ab 357 € Krankenkassenpreis) bei 3,8%. In dem Hochpreis-Segment spielt sich aber seit Jahren das Marktwachstum ab.

Jammer auf hohem Niveau

Der Massenmarkt für Medikamente spielt sich nicht bei hoch wirksamen und aufwendigen Biotech- und Spezialprodukten ab, sondern dort, wo in den vergangenen Jahren vor allem die Nachahmepräparate (Generika) zu deutlichen Preisreduktionen geführt haben: zum Beispiel bei Blutdruckmedikamenten, Antidiabetika, Cholesterinsenkern. Die Preisreduktionen schlugen automatisch auf die Ertragslage der öffentlichen Apotheken durch. 2017 lag die Marge bei einen historischen Tiefststand von knapp 15%, sagte der Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer, Christian Wurstbauer. Im Vergleich zu anderen Branchen also durchaus ein Jammern auf hohem Niveau.

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