HEALTH ECONOMY
Corona reduzierte Transplantationen © AFP

Weil Intensivstationen mit Covid-19-Patienten belegt waren, konnte weniger Menschen mit Transplantationen geholfen werden.

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Weil Intensivstationen mit Covid-19-Patienten belegt waren, konnte weniger Menschen mit Transplantationen geholfen werden.

Redaktion 10.06.2022

Corona reduzierte Transplantationen

Die Zahl der Organtransplantationen ist 2021 gesunken, zehn Prozent mehr Personen sind auf der Warteliste.

••• Von Katrin Grabner

WIEN. Die Zahl der Organtransplantationen in Österreich ist auch im zweiten Pandemie-Jahr weiter gesunken, genauer um 1,5%. 2021 wurden insgesamt 662 Verpflanzungen durchgeführt, das sind zehn weniger als 2020; 2019 waren es noch 720.

Die hohe Bettenbelegung der Intensivstationen mit Covid-19-Patienten und die massive Belastung des Intensivpersonals infolge der Pandemie haben sich wie schon im Jahr 2020 auch 2021 nachteilig auf die Durchführung von Organspenden ausgewirkt. Mit dem 31. Dezember 2021 standen 829 Personen auf der Warteliste für eine Organtransplantation – das sind um zehn Prozent mehr als noch 2020. Die Anzahl der wartenden Personen schwankte laut Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) in den vergangenen Jahrzehnten allerdings stark, unabhängig von der Pandemie. Insgesamt wurden im Jahr 2021 österreichweit aber auch weniger Organspendende registriert: 168 in absoluten Zahlen bzw. 18,8 pro Mio. Einwohner, während es 2020 noch 188 bzw. 21,1 waren. Das entspricht einem Rückgang um rund elf Prozent. In den Jahren vor der Pandemie waren es immer deutlich mehr als 20 Organspendende pro Mio. Einwohner, 2014 etwa waren es 24,3.

Frauen spenden eher

Von dem im Vorjahr durchgeführten Transplantationen wurden 611 mit Organen Verstorbener durchgeführt, während 51 transplantierte Organe von Lebendspenderinnen und -spendern stammten – der Anteil von Lebendspendenden hat sich somit zum Jahr 2020 kaum verändert (52). Der starke Unterschied bei den Geschlechtern hat sich allerdings verkleinert: 2020 waren noch 75% der Lebendspendenden Frauen, 2021 machten Lebendspenderinnen 55% aus. Der Wert schwankte über die Jahre, auffällig ist jedoch, dass in den letzten zehn Jahren Frauen unverändert öfter lebend spendeten als Männer. Die höchste Diskrepanz gab es 2013 mit 76% Lebendspenderinnen. Bei den hirntoten Organspendern machten Männer mit 60% die Mehrheit aus. In Österreich gilt man automatisch als Organspender, es sei denn, man widerspricht via Widerspruchsregister.

Mehr transplantierte Lungen

Das in Österreich am häufigsten verpflanzte Organ ist die Niere, wobei Nierentransplantationen 2021 unter anderem aufgrund von durch die Pandemie verschobener Operationen um neun Prozent zurückgegangen sind. Im Gegenzug ist die Anzahl der Lungentransplantation stark gestiegen (+23%). „Dies ist vermutlich auf den Umstand zurückzuführen, dass im Jahr 2021 insgesamt 33 Patienten infolge einer Covid-19-Erkrankung auf die Lungenwartelisten gesetzt werden mussten”, heißt es im Jahresbericht der GÖG.

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