HEALTH ECONOMY
Experten arbeiten an Weißbuch © Gattinger

AußensichtExperten aus verschiedenen Bereichen wollen Reformvorschläge für das Gesundheitswesen erarbeiten.

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AußensichtExperten aus verschiedenen Bereichen wollen Reformvorschläge für das Gesundheitswesen erarbeiten.

Redaktion 23.08.2019

Experten arbeiten an Weißbuch

Ex-Minister Hansjörg Schelling, AK-Direktor Erich Klein und andere Experten wollen Reformkonzepte erarbeiten.

••• Von Katrin Pfanner

ALPBACH. Rund um die Alpbacher Gesundheitsgespräche gab es diese Woche zahlreiche weitere Aktivitäten der Gesundheitsbranche. Die Praevenire-Initiative mit Ex-Hauptverbandschef und Ex-Finanzminister Hans Jörg Schelling organisierte Expertenrunden für ein geplantes „Weißbuch Gesundheit” mit einem Maßnahmenpaket zur nachhaltigen Absicherung des österreichischen Gesundheitswesens.

Sicht der Patienten

„Wir wollen uns alles aus der Sicht der Patienten anschauen. Die Strategie kommt vor der Struktur im Gesundheitswesen. Die Demografie mit der älter werdenden Bevölkerung und der medizinische Fortschritt sind die Kostentreiber. Wir haben in Österreich eine angebotsinduzierte Situation. Wenn wir den Menschen nicht sagen, dass sie auch selbst eine Eigenverantwortung für die Gesundheit haben, wird es nicht funktionieren. Wenn wir in dem System nicht vorhandene Effizienzen heben, werden die Mittel nicht ausreichen”, sagte Schelling.

Arbeiterkammer-Direktor Erich Klein ließ keinen Zweifel daran, dass die von der schwarz-blauen Regierung eingeleitete Strukturreform der Krankenkassen eine Gefährdung für das österreichische Gesundheitswesen darstelle. Die 2017 im Auftrag des Gesundheitsministeriums von der London School of Economics erstellte Studie hätte Folgendes ergeben: „Wir haben im internationalen Vergleich ein sehr gutes Gesundheitswesen. Wir geben 10,2 Prozent vom BIP für Gesundheit aus, Deutschland 11,1, die Niederlande 10,8 Prozent. Bei den österreichischen Krankenkassen haben wir einen Verwaltungskostenanteil von 2,7, in Deutschland sind es 4,6 Prozent. In Österreich kommen auf 1.000 Leistungsempfänger 0,94 Beschäftigte in der Verwaltung, in Deutschland 1,88 und in der Schweiz 1,55.”

Kritik an Regierung

Die von der Ex-Regierung verordnete Strukturreform gefährde vor allem durch den fehlenden Risikoausgleich zwischen den verbleibenden Krankenkassen das System. Die „1. Klasse” blieben die Beamten im Krankenversicherungswesen, die „2. Klasse” seien die Selbstständigen und die Bauern. „In der ‚Holzklasse' sind die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.”

Auch die Digitalisierung wird das Gesundheitswesen in Zukunft entscheidend mitbestimmen; Reinhard Riedl, Leiter des Instituts für Digital Enabling an der Berner Fachhochschule, sagt „Blended Care” eine große Zukunft voraus.

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