HEALTH ECONOMY
Gesundheit als Motor für Wirtschaft und neue Jobs © Christian Husar

Potenziale Diskutierten Reformen: Czypionka (IHS), ­Mahringer (Wifo), Start-up-Gründerin Havel, Pflege-Präsidentin Frohner, Moderatorin van Melle, Heinisch (Vinzenz Gruppe), Pharmig-Präsident Munte und Martin Gleitsmann (WKO, v.l.).

© Christian Husar

Potenziale Diskutierten Reformen: Czypionka (IHS), ­Mahringer (Wifo), Start-up-Gründerin Havel, Pflege-Präsidentin Frohner, Moderatorin van Melle, Heinisch (Vinzenz Gruppe), Pharmig-Präsident Munte und Martin Gleitsmann (WKO, v.l.).

Martin Rümmele 04.05.2018

Gesundheit als Motor für Wirtschaft und neue Jobs

Neue Studie der WKO zeigt: Gesundheitswirtschaft bringt Wertschöpfung von mehr als 47 Mrd. Euro.

••• Von Martin Rümmele

Die Weltwirtschaft folgt stets bestimmten Zyklen. Das große Thema unserer Zeit ist die Gesundheit”, sagt Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung Sozialpolitik und Gesundheit in der Wirtschaftskammer Österreich (WKO). Aus diesem Grund beauftragte die WKO das Institut für Höhere Studien (IHS), die Bedeutung der Gesundheitswirtschaft zu durchleuchten. Das Ergebnis liegt nun als „Österreichisches Gesundheitssatellitenkonto” vor, das Thomas Czypionka, Gesundheitsökonom am IHS, präsentierte.

Enorme Wertschöpfung

„Das Bedürfnis, gesund zu bleiben oder zu werden, löst eine wirtschaftliche Aktivität aus, die über den Kernbereich – also Spitäler, Ärzte, Krankenversicherungen – hinausgehen: Wir sprechen nach internationalem Vorbild vom erweiterten Bereich der Gesundheitswirtschaft. Dieser trägt direkt noch einmal über 40 Prozent an Wertschöpfung zusätzlich zum Kernbereich bei”, rechnet Czypionka vor. „Hinzu kommt, dass sowohl im Kernbereich als auch im erweiterten Bereich viele Vorleistungen benötigt werden, die ebenfalls relevante Beschäftigungs-, Wertschöpfungs-, Steuer- und Kaufkrafteffekte bewirken.”

Für beide Sektoren summiert sich die Bruttowertschöpfung auf insgesamt 47,26 Mrd. €, das sind rund 16,5% der österreichischen Wertschöpfung. Diese hohe Zahl ist auch darauf zurückzuführen, dass die Gesundheitswirtschaft selbst Nachfrager nach Vorleistungen ist und Einkommen für ihre Beschäftigten generiert. In Summe finden dadurch 870.000 Personen Beschäftigung. Und vor allem der Bereich der erweiterten Gesundheitswirtschaft wächst stark.

Mehr Freiräume

„Die Gesundheitswirtschaft in all ihrer Breite wirkt stabilisierend auf die Gesamtwirtschaft und ist ein bedeutender Wachstumsmotor. Wir müssen die Leistungen von privaten Unternehmen mehr wertschätzen, sie ermutigen und ihnen Chancen bieten, ihr in der Studie deutlich gemachtes Potenzial auch zu entfalten. Die Unternehmen brauchen ein Ende der Überregulierung und Freiräume für Innovationen. Nicht zuletzt muss es einen fairen Wettbewerb zwischen dem privaten und dem öffentlichen Sektor geben”, sagt Martin Gleitsmann.

Besonders hervorzuheben sei bei den Studienergebnissen auch der beachtliche Effekt auf die Beschäftigung. „Die Entwicklung der Gesundheitswirtschaft beweist: Entgegen der immer wieder verbreiteten Digitalisierungsängste sehen wir hier einer sehr positiven Entwicklung entgegen.” Dass der Sektor auch weiterhin als Beschäftigungsmotor gelten wird, bestätigt Wifo-Experte Helmut Mahringer: In der aktuellen Prognose des Wifo zur Beschäftigungsentwicklung nach Branchen und Berufen bis 2023 zeigen sich für das Gesundheits- und Sozialwesen eine jährliche Wachstumsrate der unselbstständigen Beschäftigung von rund 2,3% pro Jahr.

Druck steigt

Allerdings wächst, bedingt durch Spardruck und steigenden Arbeitsaufwand, die Belastung für die Beschäftigten im Gesundheitswesen. Aggression und Gewalt zählen laut Untersuchungen mittlerweile zum Berufsalltag vieler Mitarbeiter in allen Berufsgruppen des Gesundheitswesens. Zu diesem Schluss kamen Experten bei einer Veranstaltung des Instituts für Ethik und Recht in der Medizin und der Österreichischen Plattform Patientensicherheit. „Aggression und Gewalt im Gesundheitswesen werden oftmals als Berufsrisiko hingenommen. Die angespannte Situation in den Gesundheitseinrichtungen, vor allem der Zeitdruck sowie die hohe Arbeitsdichte, bieten zusätzlich Nährboden für ein angespanntes Klima”, fasst Brigitte Ettl, ärztliche Direktorin im Krankenhaus Hietzing, die aktuelle Lage zusammen.

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