HEALTH ECONOMY
Gesundheitskrise bringt ganz Europa in Aufruhr © APA/AFP/John Macdougall
© APA/AFP/John Macdougall

Redaktion 20.01.2023

Gesundheitskrise bringt ganz Europa in Aufruhr

Nicht nur in Österreich kracht es im Gesundheitswesen, auch in anderen Ländern herrscht Personalnot.

••• Von Katrin Grabner

Es vergeht in diesem Winter kaum eine Woche, in der nicht von Protesten, Demonstrationen und Streiks im Gesundheitsbereich zu lesen ist – in ganz Europa, nicht nur in Österreich. Im Mittelpunkt: frustriertes Gesundheitspersonal. Pflegepersonal, Ärzte und andere Spitalsmitarbeitende sind am Limit oder schon darüber. Der nach wie vor anhaltende Personalmangel – vor allem im Bereich der Pflege – sowie eine der stärksten Infektionswellen durch grippale Infekte bringen Krankenhäuser und jene, die dort arbeiten, an und über ihre Grenzen. Viele Betroffene fühlen sich von der Politik allein gelassen.

In Spanien gingen deshalb zuletzt 200.000 Menschen in Madrid auf die Straße, um für die Beibehaltung der öffentlichen medizinischen Grundversorgung zu demonstrieren, die durch eine Sparpolitik und fehlendes Personal in der Region unterzugehen droht. In Slowenien konnte zu Beginn der Woche ein Großstreik im Gesundheitswesen noch abgewendet werden.

Streiks in Großbritannien

In Großbritannien ist die Lage noch angespannter – laut Schätzungen von Verbänden sterben dort 300 bis 500 Menschen pro Woche, weil sie bei Notfällen nicht rechtzeitig oder nicht angemessen versorgt werden. Die Wartezeit in der Notaufnahmen betrug laut dem Royal College of Emergency Medicine teilweise mehr als zwölf Stunden. Um auf die prekäre Lage aufmerksam zu machen und sich für höhere Löhne einzusetzen, kam es im Vormonat zu historischen Streiks. Die Gewerkschaften kritisierten den harten Sparkurs des National Health Service (NHS).

Der britische Premierminister Rishi Sunak (Tories) sowie die Regierung an seiner Seite lud nun Anfang des Jahres die Gewerkschaften sowie weitere Gesundheitsexperten zu Gesprächen ein, um gemeinsam Lösungen zu finden.

Triage in Deutschland

In Deutschland, wo die große Streikwelle schon in den Sommermonaten über das Land rollte, kämpft man derzeit mit der großen Infektionswelle unter Kindern. So wurde aus Fällen in Bayern und Niedersachsen berichtet, wo für Babies und Kleinkinder mit schweren Atemwegsinfekten erst in über 100 km entfernten Spitälern eine Versorgung gefunden werden konnte. Auch dringend notwendige Operationen mussten laut Berichten verschoben werden.

Um bei knappen Behandlungskapazitäten auf den Intensivstationen Abhilfe zu schaffen, beschloss der Deutsche Bundestag Anfang November eine Triage-Regelung für Pandemien. Entschieden werden soll dem Gesetz zufolge in einem solchen Fall maßgeblich nach der „aktuellen und kurzfristigen Überlebenswahrscheinlichkeit” eines Patienten. Andere Kriterien wie das Alter oder eine Behinderung sollen keine Rolle spielen.

Strukturreform in Frankreich

Im Nachbarland Frankreich wird auf eine andere Art und Weise an den Arbeitsabläufen in Krankenhäusern gearbeitet. Dort versprach Staatspräsident Emmanuel Macron schnelle Abhilfe für überlastete Spitäler in Form von Neustrukturierungen bis 1. Juni sowie eine bessere Bezahlung von Bereitschaftsärzten. Macron gab außerdem an, über eine andere Finanzierung des Gesundheitssystems nachzudenken. Denn auch in Frankreich ist das nationale Gesundheitssystem durch jahrelanges Sparen sowie die Pandemie und die derzeitige Infektionswelle durch das Respiratorische-Synzytial-Virus (RSV) überlastet.

Diskussionen in Österreich

In Österreich, wo gerade die Finanzausgleichsverhandlungen stattfinden, geht hingegen der wochenlang anhaltende Schlagabtausch zwischen Ärztekammer und Spitalsbetreibern sowie Sozialversicherungsträgern weiter. Erst kürzlich präsentierte die Wiener Ärztekammer den dritten Teil ihrer groß angelegten Spitalsumfrage und warnte im Zuge dessen vor einer Personalflucht (siehe Infobox). Die Zufriedenheit der Mitarbeitenden gehöre erhöht.

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