HEALTH ECONOMY
Industrie fordert Blockade-Ende © FOPI/APA-Fotoservice/Hautzinger

Pharmaindustrie und Gesundheitsexperten diskutierten über Anforderungen des Gesundheitswesens.

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Pharmaindustrie und Gesundheitsexperten diskutierten über Anforderungen des Gesundheitswesens.

Ina Karin Schriebl 20.05.2016

Industrie fordert Blockade-Ende

Das European Health Forum Gastein und das Forum der pharmazeutischen Industrie fordern ein Ende der Reform­blockaden im Gesundheitswesen und mehr Prävention.

••• Von Ina Karin Schriebl

WIEN. Viele Länder sind mit der Herausforderung konfrontiert, ihre Gesundheitssysteme umzugestalten, weil die Menschen immer länger leben, häufiger an chronischen Krankheiten leiden oder Mehrfacherkrankungen haben. Welche Rahmenbedingungen die Gesundheitspolitik dafür schaffen muss, wurde nun bei einem von European Health Forum Gastein (EHFG) und Forum der pharmazeutischen Industrie in Österreich (FOPI) veranstalteten Fachgespräch in Wien diskutiert. Gemeinsam appellierte man an die Akteure im Gesundheitssystem: Es brauche eine ‚umsetzungsstarke Koalition im Gesundheitswesen’, um bestehende Reformblockaden zu durchbrechen.

Reformen zügig umsetzen

„Erst wenn laufende Reformen zügig umgesetzt werden, können wir die anstehenden sozialen und technischen Innovationen zur nachhaltigen Sicherung des Gesundheitswesens erfolgreich angehen”, erklärte EHFG-Präsident Helmut Brand: „Die grundlegenden Probleme wie Zugang zur Versorgung, Balance zwischen ambulanter und stationärer Versorgung, finanzielle Nachhaltigkeit der Gesundheitssysteme und die Frage, was den Bürger letztlich gesund hält, sind im Prinzip für alle Länder gleich.”

Eine entscheidende Rolle spiele hier auch die Zusammenarbeit zwischen Medizin und Pharmabranche, betonte FOPI Vize-Präsident Manuel Reiberg: „Ärzte und Pharmaunternehmen arbeiten gemeinsam daran, die medizinische Versorgung stetig zu verbessern. Damit dies so bleibt, braucht es ­Investitionen in Spitzenforschung.” Nur mit der Medizin von morgen könnten große gesellschaftliche Herausforderungen bewältigt werden. „Forschung in Form von klinischen Studien stellen für zahlreiche Patienten eine einzigartige Therapiemöglichkeit dar, ermöglichen den Medizinern einen unmittelbaren Wissenszuwachs und ersparen den Sozialversicherungen Behandlungskosten”, erklärte Reiberg.
Die Generalsekretärin des European Patient’s Forum (EPF), Nicola Bedlington, zeigte sich davon überzeugt, dass jeder Patient Zugang zur bestmöglichen medizinischen Versorgung haben kann – vorausgesetzt, es gibt ein gemeinsames Vorgehen aller Akteure. Laut Pamela Rendi-Wagner, Sektionsleiterin im Gesundheitsministerium, ist die Zukunft der Gesundheitsversorgung in Österreich gesichert. Dennoch gebe es Optimierungs­potenzial: „Unter anderem benötigen wir mehr langfristige, zielorientierte Investitionen in Gesundheitsförderung und Prävention.

Mehr Transparenz gefordert

Diese sind unter anderem in der Gesundheitsreform vorgesehen. Um die Reform jedoch umsetzen zu können, „müssen Spannungsfelder und unterschiedliche Interessen, wie bei der Planung sowie dem Einsatz von Geldern oder der Kostenentwicklung, transparent gemacht werden”, erklärte Josef Probst, Generaldirektor des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger. Und für Matthias Wismar, Analyst für Health Systems & Politics der WHO, steht fest, dass eine zukunftssichere Gesundheits­politik die Gesundheitsförderung in allen Bereichen integrieren muss: „Parallel dazu brauchen wir Gesundheit in allen Politikfeldern, denn wesentliche Faktoren, die auf Gesundheit und Krankheit einwirken, liegen außerhalb des Gesundheitssystems: Alkohol, Tabak, Fehlernährung, Bewegungsmangel oder Luftverschmutzung.” Auch müsse die Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung gestärkt werden.

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